Hleb: „Ein richtiges Schmuckkästchen“

Der weißrussische Nationalspieler und frühere VfB-Star zählt zur Investorengruppe, die das neue Stadion im Fautenhau finanziert

Noch ist der Aspacher Fautenhau eine Großbaustelle. In zwei Monaten ist dort aber ein Stadion fertiggestellt, in das bei Fußballspielen bis zu 10000 Fans passen. Rund 10 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt. Finanziert wird es von einer privaten Investorengruppe, zu der auch Alexander Hleb gehört. Der 30-jährige Fußball-Nationalspieler aus Weißrussland wird von der Agentur des Kleinaspachers Uli Ferber betreut.

Freuen sich über das neue Stadion, das in der Sportanlage Fautenhau derzeit gebaut wird (von links): Alexander Hleb sowie Joachim Ehmann und Ralf Kern, deren Firma Comtech sich die Namensrechte an der schmucken Arena für die ersten fünf Jahre gesichert hat.Foto: Ferber-Marketing

Von Uwe Flegel

Herr Hleb, warum engagieren Sie sich als Investor für das neue Aspacher Stadion?

In erster Linie wegen meiner persönlichen Nähe zur Region. Ich besitze ja ein Haus in Großaspach, von daher bin ich hier verwurzelt. Zudem hat mich das Projekt fasziniert, und ich war sofort sehr daran interessiert, mich zu beteiligen und einen Beitrag zu leisten, damit quasi vor meiner Haustür etwas richtig Großartiges entstehen kann. Bei meinem Besuch auf der Baustelle Ende April kamen alte Erinnerungen wieder hoch. Im Fautenhau habe ich einst mein erstes Spiel auf deutschem Boden bestritten – ein prägendes Erlebnis und letztlich auch der Beginn meiner Karriere.

Wie halten Sie sich über den Baufortschritt und die Entwicklung auf dem Laufenden?

Ich bekomme regelmäßig Bilder und Videos geschickt und verfolge den Fortschritt der Comtech-Arena auch im Internet. Ich bin angetan, was dort entsteht: ein richtiges Schmuckkästchen.

Können Sie ohne groß nachzudenken, sagen, in welcher Liga die SG Sonnenhof Großaspach spielt und wie der Trainer heißt?

Da habe ich jetzt wirklich Glück. Dank meines kurzen Aufenthalts zuletzt weiß ich, dass die SG mittlerweile in der Regionalliga spielt. Und Alexander Zorniger kenne ich ja noch gut aus meiner VfB-Zeit. Er war unter Markus Babbel Co-Trainer. Mit dem neuen Stadion hoffe ich, dass die SG nächste Saison erfolgreicher spielt. Beim Anblick der Arena kribbelt es bei mir schon wieder.

Könnte es sein, das wir Sie schon bald wieder im VfB-Trikot oder eines anderen Bundesligisten sehen, vielleicht Schalke mit ihrem Ex-Trainer, dem Backnanger Ralf Rangnick?

Die Bundesliga gehört zu den interessantesten Ligen in Europa. Eine Rückkehr kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, auch weil ich die Liga sehr gut kenne. In welchem Trikot, weiß ich nicht. Ich muss zunächst wieder fit werden. Anschließend sieht man, was passiert. In Barcelona habe ich noch einen Vertrag bis 2012.

Welche Zukunft haben Sie beim FC Barcelona?

Meine Reha absolviere ich in Barcelona. Ich arbeite dafür, dass ich zum Trainingsbeginn wieder richtig einsteigen kann. Das ist mein Hauptziel und dafür investiere ich meine gesamte Konzentration und Energie. Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre ist aber eher davon auszugehen, dass meine Zukunft nicht beim FC Barcelona liegt. Letztendlich entscheidet das aber der Verein und in erster Linie Trainer Josip Guardiola.

Wie sehr trifft Sie die Meniskusverletzung?

Das ist schon ein schwerer Rückschlag, vor allem weil ich gerade wieder auf einem guten Niveau und zu 100 Prozent fit war. Ich wollte im Saisonfinale gegen Tottenham unbedingt dabei sein und das Ziel Klassenerhalt mit Birmingham erreichen, doch leider sollte es nicht sein. Auch die zwei EM-Qualifikationsspiele mit meiner weißrussischen Nationalmannschaft gegen Frankreich und Luxemburg musste ich daher absagen.

Haben Sie in England die Stuttgarter Probleme diese Saison mitbekommen?

Ja, und ich war überrascht, denn die Mannschaft ist eigentlich stark genug gewesen. Ihr fehlte lange das Selbstvertrauen und nachdem in der Hinrunde nur wenige Spiele gewonnen wurden, kam die Angst dazu, Fehler zu machen. Doch sie haben eine tolle Rückrunde gespielt und zum Glück den Klassenerhalt einen Spieltag vor Saisonende perfekt gemacht. Das hat mich sehr gefreut.

Wenn Sie an den VfB denken, dann eher mit Wehmut oder im Zorn?

Der Verein liegt mir sehr am Herzen. Vor allem weil ich eine sehr schöne Zeit hatte. Deshalb denke ich eher mit Wehmut zurück. Klar ist aber auch, dass ich mir mein letztes Jahr beim VfB anders vorgestellt habe und meine eigenen sportlichen Erwartungen nicht immer erfüllen konnte.

Haben Sie im Nachhinein eine Erklärung, weshalb Sie nach der Rückkehr nach Stuttgart solche Anlaufprobleme und am Ende die Probleme mit Christian Gross hatten?

Ehrlich gesagt denke ich darüber nicht mehr nach. Ich schaue lieber nach vorne. Sicher fehlte mir auch etwas die Rückendeckung und das Vertrauen des Trainers, das ich einfach für mein Spiel brauche.

Ihr Fazit über das Jahr bei Birmingham City?

Es war sehr lehrreich, aber auch etwas unbefriedigend. Ich konnte nicht das abrufen, was ich mir vorgenommen hatte. Grund dafür war, dass ich immer wieder mit kleineren Verletzungen kämpfte. Ich fasste dadurch nie richtig Fuß, fand meinen Spielrhythmus nicht. Und gerade als ich wieder auf dem richtigen Weg war, wirft mich erneut eine Verletzung zurück. Aber ich denke positiv. Ich werde wieder der Alex Hleb aus der ersten Zeit beim VfB und den Jahren bei Arsenal.

Wie sehr trifft Sie der Abstieg ?

Ein Abstieg ist immer sehr bitter. Zudem ist es für mich auch das erste Mal, dass ich mit meiner Mannschaft absteige. Besonders bitter ist die Tatsache, dass das entscheidende Gegentor gegen Tottenham in der dritten Minute der Nachspielzeit fiel. Damit war die Niederlage und der Abstieg besiegelt. Ein Punkt hätte gereicht. Wir haben diese Saison den League Cup gegen Arsenal gewonnen, doch die Klasse konnten wir nicht halten. Das ist extrem schade.

Beschäftigen Sie sich bereits damit, was nach der Zeit als Fußballprofi kommt?

In den Momenten, in denen man verletzungsbedingt nicht spielen kann, denkt man selbstverständlich darüber nach, was nach der Zeit als Profi kommen könnte. Richtig konkrete Vorstellungen habe ich aber noch nicht. Mein vorrangiges Ziel ist, noch ein paar Jahre auf sehr hohem Niveau Fußball zu spielen.

Träumt ein Fußballer davon, einmal in seinem eigenen Stadion zu spielen?

Das wäre natürlich eine außergewöhnliche Geschichte: noch mal da spielen, wo in Deutschland alles begann. Hier im Fautenhau, wo ich erstmals mit der Jugend-Nationalmannschaft spielen durfte. Ein sehr schöner Gedanke, auf den Sie mich gern in ein paar Jahren noch einmal ansprechen können. Vielleicht habe ich dann schon einen Termin im Hinterkopf.