Im eigenen Stadion auf Torejagd

Mario Gomez stürmt mit den Bayern im Laufe der Saison in der neuen Aspacher Arena, die auch mit seinem Geld gebaut wird

Kaum einem Fußballer bietet sich die Möglichkeit, im eigenen Stadion auf Torejagd zu gehen. Mario Gomez schon. Der Nationalstürmer gibt mit dem FC Bayern München im Laufe dieser Saison ein Gastspiel in der neuen Comtech-Arena im Aspacher Fautenhau, die auch mit seinem Geld gebaut wird. Der 25-Jährige gehört nämlich zu der privaten Investorengruppe, die das Projekt finanziert.

Für Mario Gomez ging ein „Kindheitstraum“ in Erfüllung: Der Bayern-Stürmer erzielte in der Vorsaison 28 Treffer und stemmte zum ersten Mal die Torjägerkanone in die Höhe.Foto: Imago

Von Steffen Grün

Herr Gomez, erst die Alte Vogtei in Backnang, nun das Stadion im Fautenhau: Was steckt hinter der offenkundigen Verbundenheit zur Region, die zu solchen Investitionen führt?

Mein Engagement für die Comtech-Arena ist natürlich in erster Linie aufgrund meiner langjährigen Verbindung und Zusammenarbeit mit Uli Ferber entstanden. Mich hat dieses Projekt von Beginn an überzeugt und ich bin wirklich begeistert, was in den letzten Monaten im Fautenhau entstanden ist. Bei der Puma-Talentschmiede im vergangenen Jahr wurde gerade mal der Kunstrasen abgetragen, nun befindet sich alles kurz vor der Fertigstellung – das ist eine fantastische Leistung.

Machen Sie sich hin und wieder persönlich ein Bild von ihren Anlage-Objekten? Anders gefragt: Können Sie die Qualität des Rostbratens in der Alten Vogtei oder den Schmuckkästchen-Faktor des Stadions beurteilen?

Sicher war ich zu meiner Stuttgarter Zeit öfter in der Alten Vogtei, aber auch die größere Entfernung von München hindert mich nicht daran, vorbeizuschauen und mich auch von der Qualität des Essens zu überzeugen. Den Rostbraten habe ich allerdings noch nicht gekostet (lacht). Bei meinem letzten Besuch im Frühjahr habe ich mich selbstverständlich persönlich vom Schmuckkästchen-Faktor der Comtech-Arena überzeugt und war echt beeindruckt. Ein sehr schöner Anblick, der die Vorfreude auf die Einweihung bei allen Beteiligten weiter wachsen lässt.

Ihnen bietet sich eine Möglichkeit, die wohl kaum ein Fußballer bekommt: Sie können mit dem FC Bayern München in Ihrem eigenen Stadion Tore schießen. Super, oder?

Das ist auf jeden Fall eine besondere und auch außergewöhnliche Situation, mit meinem Verein quasi in „meinem“ Stadion zu spielen. Klar ist aber auch, dass ich mich damit nicht beschäftige, sobald ich den Rasen betrete und es losgeht. Dann zählt nur noch, das Spiel zu gewinnen und Tore zu schießen.

Haben Sie in diesem Zusammenhang spezielle Anträge an die Bauherren gestellt? Besonders stabile Netze zum Beispiel?

Ich habe keine speziellen Anträge an die Bauherren gestellt, was sicher auch ein wenig mit meinem nicht vorhandenen handwerklichen Geschick zusammenhängt. Im Ernst: Ich habe vollstes Vertrauen in das Projekt sowie die Ausführung, denn da sind absolute Fachleute am Werk. Ich freue mich schon auf die Einweihung und gehe fest davon aus, dass „normale“ Netze ausreichen werden.

Das offizielle Eröffnungsspiel bestreitet aber ihr Ex-Klub VfB Stuttgart. Mit welchen Spielern und Verantwortlichen stehen Sie noch in Kontakt und könnten eine Rückmeldung übers neue Stadion einholen?

Durch die Tatsache, dass wir in der vergangenen Saison die direkte Qualifikation für die Champions League verpasst haben, verschiebt sich leider auch unser Auftritt im Fautenhau. Als Mitinvestor freue ich mich aber sehr, dass der VfB das neue Stadion im August offiziell einweiht. Und im Anschluss werde ich mich sicher mit Christian Gentner und Christian Träsch austauschen, ob sie sich wohlgefühlt haben und im nächsten Jahr wiederkommen möchten (lacht).

Hand aufs Herz: Wie sehr haben Sie in der letzten Spielzeit mit dem VfB gezittert?

Sehr. Ich habe zwar immer gesagt, dass die Qualität des Teams einfach zu gut ist, um abzusteigen, doch nach der Hinrunde war das schon eine ziemlich heikle Situation. In der Rückrunde hat die Truppe aber über weite Strecken ihr Potenzial gezeigt und verdient die Klasse gehalten. Der VfB gehört einfach in die Bundesliga.

Sie wurden in der vergangenen Saison mit 28 Treffern zum ersten Mal Bundesliga-Torschützenkönig? Auch eine Genugtuung gegenüber Ex-Trainer Louis van Gaal, der Sie zu Beginn der Saison abgeben wollte?

Ja, da ist mein absoluter Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Aber es ist auch ein Titel der Mannschaft, denn ich habe 28-mal einen fantastischen Pass bekommen. Die größte Genugtuung war jedoch nicht der Gewinn der Torjägerkanone, sondern vielmehr die Tatsache, dass ich Ex-Trainer Louis van Gaal durch meine Leistung überzeugt habe. Es hat mich extrem motiviert, als er zu mir sagte: Nun gibt es für mich keinen Grund mehr, über sie nachzudenken. Ich wurde für meine Arbeit belohnt und habe damals auch als sein Stürmer Nummer vier nie den Glauben an meine Stärke verloren.

Wie viele Tore sollen es nächste Saison sein?

Wie ich schon erwähnt habe, gehe ich mit meinen Teamkollegen auf den Platz um zu gewinnen und Tore zu schießen. Ich setze mir keine Marke, die ich knacken möchte. Viel wichtiger ist der Erfolg der Mannschaft, und da will ich natürlich meinen Beitrag leisten. Ehrlich gesagt hätte ich meine Torjägerkanone auch lieber gegen einen Vereinstitel eingetauscht.

Nach einem Jahr ohne Titel steht der FC Bayern üblicherweise unter Zugzwang. Meistertitel, DFB-Pokal, Champions-League-Sieger in der heimischen Allianz-Arena – was darf es denn sein? Am besten alles, oder?

Der Anspruch beim FC Bayern ist sehr hoch, denn wir wollen jedes Jahr möglichst viele Titel gewinnen. Der Champions-League-Sieg in der heimischen Arena ist sicher ein Ziel, aber zunächst einmal müssen wir den ersten Schritt machen und die Qualifikation erfolgreich bestreiten. Wichtig ist, dass wir in der Liga einen guten Start hinlegen und den Schwung dann mitnehmen. Klar ist natürlich, dass wir eine bessere Saison spielen wollen als zuletzt, aber dafür müssen wir vor allen Dingen wieder Konstanz in unsere Leistungen reinbekommen.

Wie geht es im Nationalteam für Sie weiter? Glauben Sie, Miroslav Klose den Stammplatz zeitnah entreißen zu können? Oder ist das durch Ihre jüngsten Auftritte schon passiert?

Ich setze mich beim Thema Nationalmannschaft nicht mehr unter Druck. Die letzten EM-Qualifikationsspiele haben gezeigt, dass ich auch im DFB-Dress wichtige Tore schießen kann. Ich werde mich weiterhin voll reinhängen und immer versuchen, meine beste Leistung abzurufen, um dem Bundestrainer Joachim Löw die Entscheidung so schwer wie nur möglich zu machen.