Kuschelige Gemütlichkeit auf kleinem Platz

Luftbrücken-Open-Air des Juze mit Tight Finks aus der Schweiz – Danny and the wonderbras und Jule sprangen kurzfristig ein

Der Parkplatz beim Fluggelände Heiningen, mit dem sich die Organisatoren des Juze begnügen durften, tat der Stimmung beim Luftbrücken-Open-Air keinen Abbruch. Im Gegenteil: „Dadurch, dass weniger Leute kamen, war’s auf dem kleinen Platz richtig kuschlig gemütlich“, so Organisatorin Ehlers.

Heizten den 250 Konzertbesuchern mächtig ein: die Lokalmatadoren von Sidewalk. Foto: E. Layher

Von Heidrun Gehrke

BACKNANG. Statt auf dem Platz beim Freibad in Backnang haben sich die Juze-Aktiven dieses Jahr auf dem Parkplatz neben dem Fluggelände gemütlich eingerichtet. Das „Luftbrücken-Open-Air“ bietet Musikfans und Bands alles, was Festival-Stimmung aufkommen lässt: Vorne die Bühne, an der Seite diverse Stände und gleich nach dem Einlass der zur Bar umfunktionierte Bauwagen aus dem Juze-Inventar, der auch bei diversen Straßenfesten schon als mobiler Getränkeverkaufswagen fungiert hat.

Das reicht aus: Bei hochsommerlichem Wetter tummeln sich 250 Besucher auf der überschaubaren Wiese, auf der es auch lange nach den letzten Gitarrenriffs der aus der Schweiz angereisten Gruppe Tight Finks noch nicht kühl wird. Klein aber fein ist hier als Beschreibung angebracht. Mit den Musikern von Tight Finks aus Bern haben sie einen überregionalen Headliner im Programm, der es auch erwartungsgemäß schön gitarrig und stimmengewaltig krachen lässt. Die Schweizer Punkrocker sind nach diversen Auftritten im Juze in Backnang keine ganz Unbekannten mehr und machen sich wieder einmal bezahlt: Ihrem geradlinigen Punkrock verpassen sie eine Lichtschau und das Publikum, das vor der Bühne mitgeht, hüpft und pogotanzt, darf sich über Fontänen aus bunten Papierschnipseln freuen.

Im Vorfeld abgesagt hatte die Reggae-Band More Colours: Dafür springt Juze-Gänger und Reggae-Party-Veranstalter Jule als DJ ein und serviert Reggae aus der Konserve. Zwischen den Musikern von Blinded Halo und Sidewalk aus Backnang rocken noch Danny and the wonderbras, die auf den Plakaten und Flyern nicht auftauchen, weil sie kurzfristig engagiert worden seien, wie Eldrid Ehlers informiert. Den Organisatoren geht es um lokale Acts: Sie wollen lokalen Bands zu einem Podium und einer dankbaren Zuhörerschaft verhelfen. „Niemand verdient Geld damit, die Leute machen’s, weil sie es wollen“, sagt Christian Herter aus dem Juze-Team.

Zwischen 20 bis 30 Juze-Aktive packen mit an, damit das Festival weiterlebt. Die „Grüne Jugend“ hat Sessel, Kissen, Tische und Sofas aus dem Juze in Busse verladen und damit auf der grünen Wiese eine Shisha-Lounge eingerichtet, in der Tabak mit Kirsch-, Pfirsich- oder Apfelaroma aus Wasserpfeifen geraucht werden kann. Tagsüber ist die Lounge eine relaxte Insel, die zudem Schatten spendet, abends ein willkommener Platz zum Hinflacken nach ausgiebigen Tanzexzessen vor der Bühne.

Das Juze Murrhardt macht Pommes und Würste und bei den Jusos gibt’s eine Mohrenkopfschleuder. Nicht zu vergessen das „Politiker-Dosenwerfen“, für das 21 Blechdosen mit Fotos eher wenig geliebter Zeitgenossen aus der Innen- und Weltpolitik beklebt wurden. Laut Eldrid Ehlers dürfen die Juze-Leute alle drei Jahre den Platz beim Freibad als Open-Air-Platz nutzen. „Wegen der Anwohner“, laute die offizielle Begründung. Einen Jugendfestplatz vermissen sie schon, sagt Ehlers, doch sie nehmen’s, wie’s ist, zeigen Gelassenheit und Entschlossenheit, weiterzumachen.

Ihrer Energie, ein Open-Air auf die Beine zu stellen, tut der unfreiwillige Ortswechsel dabei offensichtlich keinen Abbruch. Für einige ist der Platz sogar mehr als „ideal“: „Das erste Festival, auf das wir zu Fuß laufen können“, sagt Raphael Schuller. Er kommt mit seiner Clique aus Waldrems zum Musikfest. Den kleinen Platz findet er „nicht ohne“, das Open-Air „auf jeden Fall unterstützenswert“: „Das Juze ist die Einrichtung in Backnang, die über Jahre ihr Niveau gehalten hat und ihr Ding macht.“