Mit der Erbse im Gepäck über den Waldsee

Bei Projektfreizeit der Medienscouts konnten die jungen Teilnehmer sich im Gelände erproben und mit Medienarbeit auseinandersetzen

Der Waldsee als natürliches und mediales Pfadfindereldorado: Bei einer zweitägigen Projektfreizeit der Medienscouts konnten sich Kinder und Jugendliche nicht nur zu Land und zu Wasser mächtig austoben, sondern filmten auch das, was sie bei ihrem Geländespiel erlebten. Das 15-köpfige Betreuerteam bot den jungen Abenteurern Erlebnispädagogik und Medienarbeit im Doppelpack.

Paddler unterstützt von sechsfüßigem Rückantrieb: Die beiden Teams lieferten sich so manches Wettrennen auf dem Waldsee. Die jungen Kameraleute filmten vom Ufer aus. Fotos: J. Fiedler

Von Christine Schick

MURRHARDT. Es wird ernst: Die 25 Kinder und Jugendlichen aus Murrhardt und Umgebung finden sich bei ihrem jeweiligen Team ein – dem roten oder blauen. Damit auch nichts schief geht, haben sie eine entsprechende Bemalung auf Stirn oder Backe. Harald Grübele von den Medienscouts erklärt die Regeln des Geländespiels. Für beide Seiten gilt es, so viel Rohstoffe wie möglich mit einem der beiden selbstgebauten Flöße zum eigenen Lager zu bringen. Rohstoffe? Das sind in diesem Fall Erbsen, weiße und rote Bohnen und Maiskörner, die die Kinder einzeln an zwei gegenüberliegenden Uferplätzen am See abholen können. Die Sache wird aber noch ein wenig komplizierter. Denn die gegnerischen Teams können sich ihre Rohstoffe gegenseitig abluchsen – zu Wasser und zu Land. Treffen sie aufeinander, können sie sich mit einem „Schere-Stein-Papier-Spiel“ herausfordern und bei Erfolg die Beute einfordern. Eine besondere Raffinesse ist außerdem, dass das Trockengemüse möglichst verhältnisgleich herangeschafft werden muss, da sich die Punktzahl nach dem am wenigsten erbeuteten Rohstoff richtet. „Es bringt Euch also nichts, den ganzen Tag nur Erbsen zu sammeln“, erklärt Grübele die Sache. Das Spiel ist so angelegt, dass die Kinder und Jugendlichen viel miteinander kommunizieren, sich gut absprechen und im Idealfall eine gemeinsame Strategie entwickeln. Die meisten Roten und Blauen stürmen los zu ihrem ersten Beutezug, während sich ein paar von ihnen an die Kameraausrüstung machen. Ihre Aufgabe wird sein, die jeweiligen Teamkollegen nun bei ihren Einsätzen zu filmen. Später wird aus dem Material ein Kurzfilm produziert. Hier kommt die medienpädagogische Ebene ins Spiel. Harald Grübele geht nämlich davon aus, dass sich jedes Team seine kühnsten Aktionen für den Streifen heraussucht. „Die Gewinner werden ihren Sieg herausarbeiten, und die Verlierer ihre Niederlage untergehen lassen“, so seine Annahme. Selbst, wenn sich die Unterschiede als nicht ganz so deutlich herausstellen sollten, werden sich Rohmaterial und Filme auf jeden Fall unterscheiden. Denn die Blauen filmen ihre Mannschaft, genauso wie die Roten. Und darauf möchte Harald Grübele hinaus: Dass zwar das Stichwort „Produktion objektiver Nachrichten“ immer mal wieder fällt, aber schlichtweg eine Illusion ist. „Sie nehmen sich ja immer nur einen Ausschnitt aus einem komplexen Ganzen heraus.“ Ihm geht es darum, den jungen Leuten zu zeigen, dass es dabei gezwungenermaßen immer bei einer Annäherung an die Realität bleibt, bei der Auswahl und Perspektive eine Rolle spielen. Es wird spannend sein, die Teilnehmer bei dieser Expedition in die Medienarbeit zu begleiten.

Harald Grübele steht auch in seinem beruflichen Leben mit beiden Beinen in der Medienwelt. Der Mathematiker arbeitet im Computer-Grafic-Geometric-Design, kümmert sich unter anderem um 3-D-Animationen – beispielsweise war er für die Spezialeffekte des Films „Herr der Diebe“ nach dem gleichnamigen Buch von Cornelia Funke verantwortlich. Er engagiert sich bei den Medienscouts, die 2009 gegründet wurden, um Kinder und Jugendliche dabei anzuleiten, sich kritisch mit der Medienproduktion auseinanderzusetzen. Dabei gibt es für die Medienscouts bei aller Subjektivität der Bewertung und medialen Konstruktion der Realität eine wichtige Basis: Die Menschenrechte. Bei der Projektfreizeit am Waldsee heißt das beispielsweise ganz konkret, dass das Team darauf achtet, dass wirklich fair miteinander gespielt wird. Der Doppelpack aus Erlebnispädagogik und Medienarbeit ist in dieser Form auch für die Medienscouts eine Premiere. Deshalb hat sich das Betreuerteam Anita Bäuerle zur Unterstützung an die Seite geholt. Sie studiert an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg und hat nach ihrem Lehramts- nun ein Masterstudium in Bildungsforschung begonnen (Schwerpunkt Medienbildung). Das Projekt wird sie wissenschaftlich begleiten. Zum einen wird sie die Erwartungen an das Projekt mit den Ergebnissen vergleichen, zum anderen den Lernerfolg und das Feedback der Teilnehmer dokumentieren.

Wie auch immer die Sache auswertungstechnisch ausgeht, die Kinder und Jugendlichen sind am Nachmittag mächtig gefordert. Direkte Auseinandersetzungen auf offener See werden anfangs vermieden, und ein junger Mann verrät, dass sein Team eine äußerst clevere Strategie entwickelt habe: Die Erbse oder Bohne ein weites Stück auf dem Landweg zu transportieren, weil der selbst mit Badeschläppchen schneller bewältigt werden kann, und dann die letzte Etappe mit dem Boot zurückzulegen. „Mit dem Rad wären wir noch schneller“, grinst er.

Weitere Infos zu den Medienscouts unter

der Adresse www.school-meets-media.de.