Neue Grenze bei Erdwärmebohrung

Rems-Murr-Kreis übernimmt Vorgabe der Landesregierung nach Schäden im Kreis Böblingen

WAIBLINGEN (pm). Bohrungen zur Nutzung der Erdwärme dürfen im Rems-Murr-Kreis nicht mehr so tief abgesenkt werden wie bisher. Der Landkreis übernimmt eine Vorgabe, die das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg im August nach Geothermie-Schäden in Leonberg und Renningen (Kreis Böblingen) erlassen hat. Für solche Bohrungen sind grundsätzlich wasserrechtliche Genehmigungen erforderlich. Neue Bohrungen für Erdwärmesonden erhalten jetzt bis auf Weiteres keine Genehmigung mehr, wenn die Bohrung tiefer als bis zur Unterkante der obersten Grundwasser führenden Schicht (Grundwasserleiter) gehen soll. Bereits erteilte Genehmigungen werden überprüft, soweit von ihnen noch kein Gebrauch gemacht wurde.

In Leonberg und Renningen waren, so wird vermutet, wasserundurchlässige Schichten zwischen Grundwasserleitern durchbohrt worden. Offenbar hat dann der Einbau der Sonden in die Bohrlöcher die Grundwasserleiter nicht zuverlässig getrennt. So floss Grundwasser von den oberen in die unteren Schichten ab. Die entwässerten Schichten senkten sich dadurch ab und mit ihnen die darauf stehenden Gebäude. Nach diesen Ereignissen vermuten die Experten des Landes, dass es bisher keine ausreichenden Qualitätsstandards gibt, um die Grundwasserleiter bei übergreifenden Bohrungen zuverlässig voneinander zu trennen. Nur so können Schäden Dritter vermieden werden. Dieser Auffassung hat sich der Geschäftsbereich Umweltschutz des Landratsamts angeschlossen. Durch die neue Tiefenbegrenzung sei ausgeschlossen, dass Grundwasserleiter beim Bohren überhaupt erst verbunden werden.

Im Rems-Murr-Kreis ist der vorherrschende obere Grundwasserleiter die Gipskeuper-Schicht, die hauptsächlich entlang der Rems, entlang der Murr und im Neckarbecken oberflächennah anzutreffen ist. Im Untergrund bestehen wegen der schnellen Folge unterschiedlicher Grundwasser-Stockwerke und der starken Verkarstung von Schichten in einigen Fällen keine günstigen Bedingungen zur Einrichtung von Erdwärmesonden.

Die Genehmigungspraxis bei Erdwärmesonden hatte der Rems-Murr-Kreis im Jahr 2010 überarbeitet, um höhere Sicherheitsstandards durchzusetzen. Ausgangspunkt war eine Senkung in Schorndorf, durch die es zu Schäden gekommen war. Durch die Sanierung des Bohrlochs dort haben sich die Grundwasserverhältnisse inzwischen normalisiert und die Rissbildung an den Gebäuden ist zum Stillstand gekommen. Seitdem sind im Kreis keine Schadensfälle mehr aufgetreten. An diesen Auflagen orientiert sich nun auch das Ministerium bei der Überarbeitung seiner Leitlinien für das Land Baden-Württemberg.

Nähere Angaben enthält ein Merkblatt, das auf www.rems-murr-kreis.de beim Geschäftsbereich Umweltschutz in der Rubrik Erdwärme abzurufen ist („Merkblatt zum Bau von Erdwärmesonden“). Die neue Bohrtiefenbegrenzung ist dort noch nicht ausgeführt. Sie soll ergänzend berücksichtigt werden.