Eine Bereicherung für die ganze Gegend

Peter Seydelmann stellte Pläne zum Katharinenhof im Strümpfelbacher Ortschaftsrat öffentlich vor

Groß war das Interesse der Öffentlichkeit, als Peter Seydelmann am Dienstagabend im Strümpfelbacher Rathaus seine Pläne zur Gestaltung des Katharinenhofs vorstellte. Ortschaftsratsvorsitzende Siglinde Lohrmann konnte sich nicht erinnern, den Saal je so voll besetzt gesehen zu haben. Auch kritische Fragen wurden im Anschluss gestellt.

Eine kleine Welt für sich: Katharinenhof (Bildmitte). Am oberen Bildrand links schließt sich die Gemeinde Oppenweiler an, rechts davon der Staigacker und ganz rechts der Backnanger Stadtteil Strümpfelbach. Das Luftbild wurde im April 2011 aufgenommen.Foto: F. Muhl

Von Mathias Klink

BACKNANG. Nach Lohrmanns Betonung war die Veranstaltung aus gegenseitigem Wunsch heraus zustande gekommen. Wie sie freute sich auch Seydelmann, durch die Vorstellung der Pläne und Visionen mit offenbar kursierenden Halb-, Viertel- oder Unwahrheiten aufräumen zu können. Das Schloss befinde sich zwar in einem technisch guten, kunsthistorisch jedoch unrichtigen Zustand. „Es wird selber auch in nächster Zeit nicht saniert werden“, so Seydelmann zum Gebäude. Seine auf gut schwäbisch und fast schon leidenschaftlich vorgetragenen Ausführungen konzentrierten sich daher allein auf den im Fokus der Sanierung stehenden Park. Als wichtig und bedeutend erachtete der Unternehmer dabei den Rosengarten als selten überliefertes Beispiel einer Gartenanlage aus den Zwanzigerjahren. Durch seinen hohen Wert und seine interessanten Nutzungsmöglichkeiten stelle er eines der nächsten Sanierungsprojekte dar. Weitere wesentliche Parkkomponenten wie der Rhododendrongarten seien leider „au arg am verfalla“. Baulich gesichert werden müssen teilweise auch die 24 im Park aufgestellten Bildreliefs großer Deutscher.

Großes Interesse erweckte hauptsächlich die künftige Gestaltung des nördlich gelegenen, erst vor ein paar Jahren dazu erworbenen Bereichs. „Des isch die Auffüllg’schichte“, so der Stuttgarter, der mit Gehstock und weißen Handschuhen erschienen war. Eine lang erwartete Bauabnahme vom Landratsamt sei für Mitte Oktober zugesagt. Ziel sei eine parkartige Gestaltung mit einem Kanal; durch Schaffung einer durchgehenden Nahrungskette für Tiere solle auch ein Beitrag zur Natur geleistet werden. Generell hob Seydelmann hierbei immer wieder die durch die lange Ruhephase im Park entstandenen floristischen und faunistischen Besonderheiten hervor. Alles in allem schwebte Seydelmann für diesen Bereich ein großzügiger, weiträumiger Park mit Sichtachsen im englischen Stil vor, in dem eventuell auch Kunstgegenstände aufgestellt werden sollen.

Der westlich des Geländes geplante See stellt nach Worten Seydelmanns hingegen allein durch seine Fläche eine erhebliche Maßnahme zur Begleitung des Hochwasserschutzes dar. Das bereits acht Jahre laufende Projekt könne aber erst nach vollständigem Abschluss der noch mit drei Landwirten laufenden Grundstücksverhandlungen durchgeführt werden. Es sei ein Natursee, also kein Fischsee für Angler vorgesehen, betonte Seydelmann. Aufgrund ausreichender Tiefe sei zudem eine Selbstreinigung des Gewässers möglich. „Der Verlust geht gegen null, der Gewinn ist beträchtlich“, ließ der Katharinenhofbesitzer hinsichtlich der beheimateten Tierwelt wissen. Auch bezüglich Gestaltungsmöglichkeiten und Bepflanzung sah er eine Kombination aus allem als möglich und richtig an.

Letztlich schwebte dem Geschäftsmann sogar eine Schließung des Gürtels nach Süden hin vor. Seydelmann erinnerte dabei an die historische Rolle des Katharinenhofs als königliches Jagdschloss. „Es hat in freier Natur zu stehen.“ Er war sich zudem sicher: „Der ganze Park gibt eine große Bereicherung für die Gegend.“ Und ein als letztes Projekt für Schlossfestspiele zu errichtendes Amphitheater wäre seiner Überzeugung zufolge gleichfalls eine „kolossale Attraktion“.

Backnangs Erster Bürgermeister Michael Balzer lobte neben dem denkmalpflegerischen Anliegen Seydelmanns auch dessen offenkundigen Wunsch, in Einklang mit der Natur zu leben. Kritische Fragen, sowohl von seiner Seite als auch aus dem Ortschaftsrat, bezogen sich indes auf offenbar teilweise nur sehr zögerlich verlaufende Fertigstellungen wie die der Gedächtnisstätte. Auch der künftige Verlauf des dortigen Weges wurde dabei angesprochen. Gerade Balzers Äußerung „Ich möchte keine Zäune in der Landschaft sehen“ rief Applaus unter den Zuhörern hervor. Es sei „eigentlich net“ geplant, irgendetwas zuzumachen, ließ Seydelmann zu diesem Punkt immer wieder wissen. Auch durch Verpflanzung nicht. Gleichzeitig verwies er jedoch stets auf die Bürde der ihm als Eigentümer obliegenden Verkehrssicherungspflicht sowie sonstiger Bestimmungen. Zu befürchtender Diebstahl oder Vandalismus wurde dabei genauso angesprochen wie der Umstand, dass bestimmte Parkteile eventuell auch aus naturschutzrechtlichen Gründen nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Den Unterschied zwischen Begeh- und Erlebbarkeit erläuterte daher auch Balzer nochmals. „Es gibt auch die Möglichkeit drumrumzulaufen“, so der Vertreter der Stadt. Durch Sichtachsen könne man, wie bei einem englischen Park beabsichtigt, ebenfalls Einsichten gewinnen. Eine Komplettöffnung des Parks bereitet nach Meinung des Besitzers zu viele Probleme. „Das Kulturdenkmal nimmt Schaden“, unterstrich Seydelmann hierzu. Gruppenführungen in Begleitung kann er sich nach Absprache jedoch durchaus vorstellen.