Landkreis will Vorbild sein

Fachgespräch mit Landesumweltminister Untersteller über Klimaschutz und Energie – Große Hoffnungen in Windkraft

Beim Klimaschutz sei es Aufgabe des Kreises, Vorbild zu sein und mit gutem Beispiel voranzugehen. Eine Feststellung von Landrat Johannes Fuchs im Rahmen eines Fachgesprächs über Klimaschutz und Energie.

Vor-Ort-Termin in Backnang: Umweltminister Untersteller bei der Inbetriebnahme der Anlage. Jetzt gab es ein Fachgespräch zwischen ihm und Experten der Fraktionen.Foto: J. Fiedler

BACKNANG (pm). An der offenen Gesprächsrunde in der Backnanger Außenstelle des Landratsamts nahmen neben Landesumweltminister Franz Untersteller auch Experten der Kreistagsfraktionen und der Kreisverwaltung sowie Landtagsabgeordnete und Bürgermeister teil. Der Minister unterstrich die Bedeutung des Ausbaus erneuerbarer Energien in Anbetracht des bundesweiten Atomausstiegs. Ziel der Landesregierung sei es, bis zum Jahr 2020 landesweit mindestens 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen, insbesondere aus Windkraft und Fotovoltaik, zu gewinnen. Derzeit decke die regenerative Stromerzeugung im Land 17 Prozent des Stromverbrauchs. In Zukunft sollen auch die Bioabfälle von rund 400000 Tonnen pro Jahr neben den jährlich anfallenden 800000 Tonnen an kommunalem Grünschnittgut verstärkt zur Energiegewinnung herangezogen werden. Die neue Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal sei, so der Minister, „ein mustergültiges Vorbild“ für die Zukunft.

Als eines der wichtigsten Handlungsinstrumente in Sachen Klimaschutz bezeichnete Untersteller die Energieeinsparung und effiziente Energienutzung. Noch immer seien 70 Prozent der Gebäude im Land nicht mit Wärmedämmung ausgestattet seien. Die Sanierungsquote liege unter einem Prozent und solle auf zwei bis drei Prozent gesteigert werden. Die Energieagentur Rems-Murr, die eine unabhängige Bürgerberatung zur energetischen Gebäudesanierung anbietet, sei eine „Musterlösung“ zur Steigerung der Energieeffizienz, betonte der Minister.

Für die Landkreisverwaltung präsentierten Erster Landesbeamter Bernd Friedrich, die Klimaschutzbeauftragte Gesche Clausen und der Leiter des Geschäftsbereichs Baurecht, Karl-Heinz Bayer, eine Übersicht der kreisspezifischen Klimaschutzinitiativen, die 20 Punkte umfasst. So werden ab 2012 alle Liegenschaften des Landkreises mit Ökostrom versorgt. Neben der Biovergärungsanlage in Backnang-Neuschöntal gehören zu dem Arbeitsprogramm unter anderem ein jährliches Investitionsprogramm über 2,1 Millionen Euro zur energetischen Sanierung kreiseigener Liegenschaften. Zudem wurden in einer Studie potenzielle Standorte für Windkraftanlagen im Rems-Murr-Kreis ermittelt.

Die Windenergie soll nach dem Willen der Landesregierung im Jahr 2020 zehn Prozent der Bruttostromerzeugung erreichen, ein ehrgeiziges Ziel in Anbetracht des aktuellen Anteils von 0,8 Prozent. Kreisrat Jürgen Hofer (FDP/FW) gab zu bedenken, dass „ohne die Kommunen in der Windkraft nichts gehen wird“. Reinhold Sczuka (CDU), Bürgermeister von Althütte, regte an, Waldflächen, die sich im Besitz des Landes befinden, als Windkraftstandorte in Betracht zu ziehen.

Bürgermeister Andreas Schaffer, Plüderhausen, erkundigte sich nach den Chancen der neuen Technik „Power-to-Gas“, mit der sich überschüssiger Windstrom im Erdgasnetz speichern lässt. Untersteller erläuterte, dass im Vergleich zu den herkömmlichen Pumpspeicher-Anlagen diese Methode noch zu teuer sei. Außerdem müsse der Wirkungsgrad von aktuell nur 35 Prozent erhöht werden.

Kreisrätin Dr. Astrid Fleischer (Grüne) sagte, der Kreis stoße bei der energetischen Gebäudesanierung an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten. Das Land sei gefordert, steuerliche Zugeständnisse zu machen. Untersteller erläuterte, sein Ministerium sei auf Bundesebene in die Vorbereitung weiterer Möglichkeiten involviert, wonach Privatpersonen künftig sowohl Mittel der KfW als auch Möglichkeiten der steuerlichen Abschreibung für energetische Sanierungen in Anspruch nehmen könnten. Somit sei er guter Dinge, dass die Sanierungsquote erhöht werden könne.