Eschelbach wird mit tiefem Bett gezähmt

Hochwasserschutz verschlingt in den kommenden Jahren 16 Millionen Euro – Bürger werden über Mauern und Dämme informiert

In den nächsten Jahren werden auf Gemarkung Sulzbach etwa 16 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investiert. Die einzelnen Maßnahmen wurden nun im Gemeinderat vorgestellt. Während die meisten Mauern und Dämme wenig Stoff zu Diskussionen geben, existieren für die Zähmung des Eschelbachs in Schleißweiler gleich drei Varianten.

Werden nicht im Regen stehen gelassen: Die Bürger von Sulzbach. Ein solches Bild von der überfluteten Ortsmitte wie beim jüngsten Hochwasser vom 13. Januar soll es dank der verschiedensten Schutzmaßnahmen künftig nicht mehr geben.Foto: J. Fiedler

Von Matthias Nothstein

SULZBACH AN DER MURR. Selten gab es ein solch großes Besucherinteresse wie in der Sitzung des Gemeinderates am Dienstagabend. Etwa 30 Bürger verfolgten gespannt die Ausführungen der Experten des Stuttgarter Ingenieurbüros Winkler und Partner zu der Entwurfsplanung. Besonders die Hochwassersituation in Schleißweiler gab Anlass zu Diskussionen. Bei einem Hochwasser, wie es statistisch nur alle 100 Jahre einmal vorkommt (HQ 100), würde die Murr derzeit mit über 100 Kubikmeter pro Sekunde durch den Weiler rauschen. Sind erst einmal am Oberlauf die Regenrückhaltebecken Mahd und Gaab gebaut, so werden es trotz eines Klimazuschlags – es wird künftig schlimmere Unwetter geben – nur noch 91 Kubikmeter sein. Beide Werte gelten jedoch für den Bereich vor der Einmündung des Eschelbachs. Kommt dieser noch dazu, dann gibt es richtig dicke Probleme. Etwa 5 Kubikmeter würde die Murr laut Berechnungen noch aufnehmen können. Der Bach bringt aber laut aktueller HQ-100-Berechnung schon 13 Kubikmeter pro Sekunde, und mit dem Klimazuschlag gar 15 Kubikmeter.

Was tun? Eine Möglichkeit wäre, außerhalb der Ortschaft ein Ausleitungsbauwerk zu errichten. Das würde nur 5 Kubikmeter pro Sekunde durchlassen und den Rest ableiten. Dieses Wasser würde über einen Geländeeinschnitt – ein bis zu fünf Meter tiefes Entlastungsgerinne – um den Ort herumgeführt werden. Bevor das Wasser unterhalb von Schleißweiler endlich in die Murr fließen könnte, müsste auch noch die Bahn unterquert werden. Ein weiteres Querungsbauwerk – vier über ein Meter dicke Durchflüsse durch den Bahndamm – wäre nötig. All das wäre extrem teuer.

Daniel Häcker vom Ingenieurbüro Winkler präsentierte eine erste Alternative. Danach müsste das Bachbett des Eschelbachs ertüchtigt werden. Die Sohle würde etwa einen Meter tiefergelegt und die Breite nahezu verdoppelt werden. Probleme gäbe es an den drei Brücken. Dort müssten die Fundamente speziell unterfangen und gesichert werden. Diese Variante gefiel den Räten besser.

Der Vollständigkeit halber hatte der Geschäftsführer des Ingenieurbüros, Rüdiger Koch, aber auch noch eine zweite Alternative vorgestellt: ein Rückhaltebecken für den Eschelbach. Dieses müsste 51000 Kubikmeter fassen und käme deutlich teurer als die beiden Varianten. Denn das Seitental ist sehr steil, der Damm müsste extrem hoch werden.

Häcker informierte Räte und Bürger auch über die anderen Maßnahmen in Sulzbach und Bartenbach. Gebaut werden Mauern, Wände und mobile Schutzwände. Zudem werden bestehende Wege angehoben. In diesen Fällen sind die Einrichtungen 30 Zentimeter höher als das HQ 100 der Zukunft. Werden Dämme und Deiche gebaut, dann werden wegen der Wellen gar 50 Zentimeter Sicherheit eingerechnet. Häcker schilderte detailliert die verschiedenen Möglichkeiten, wie die Mauern und Deiche aussehen könnten. Und er zeigte, welche Vorhaben in welchen Flussabschnitten vorgesehen sind.

Bürgermeister Dieter Zahn hatte zu Beginn der Sitzung daran erinnert, dass bereits 1996 Vorplanungen für den Hochwasserschutz in Auftrag gegeben worden sind. Im Jahr 2000 kam es zur Flussgebietsuntersuchung, die zur Gründung des Hochwasserschutzverbandes geführt haben. Die Vorplanungen wurden konkretisiert und bildeten die Grundlagen für die Becken, die bei Murrhardt geplant sind.

Die Baukosten für die Mauern und Dämme betragen alleine 6 Millionen Euro. Auch muss sich Sulzbach mit 600000 Euro am Bau der Murrhardter Becken beteiligen. 4 Millionen verschlingen die Polder. Und die Kanal- und Pumpwerke weitere 4 Millionen Euro. Insgesamt werden so 15 bis 16 Millionen Euro fällig. Zahn: „Es ist klar, dass wir das nicht in einem Jahr stemmen können.“

Die betroffenen Bürger von Sulzbach haben die Gelegenheit, bei einem Treffen am Freitag im Feuerwehrgerätehaus Fragen zu stellen und die Experten zu löchern. Im neuen Jahr gibt es solche Veranstaltungen auch für die betroffenen Murr- und Bachanlieger in Schleißweiler und Bartenbach. Und dann auch ein Treffen für alle interessierten Bürger.