Gelebte Zusammenarbeit auf örtlicher Ebene

Festabend zum 10-jährigen Bestehen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) im Weissacher Tal

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen im Weissacher Tal (ACK) feierte in der evangelischen Sankt-Agatha-Kirche in Unterweissach ihr zehnjähriges Bestehen. Am selben Ort hatte auch die Gründungsversammlung stattgefunden.

„Wir müssen immer wieder neu fragen, wo uns Christus braucht, wo er uns gemeinsam braucht“: Walter Klaiber. Foto: J. Fiedler

Von Renate FLorl

WEISSACH IM TAL. Die Initiatoren hatten damals die Gründungsversammlung auf den ersten Advent 2001 gelegt, also den Beginn des neuen Kirchenjahres. Die vorher schon bestandene gute ökumenische Zusammenarbeit wurde zu jener Zeit in eine verbindliche Form gebracht.

Auf den Tag genau zehn Jahre später fand nun die Feierstunde statt, in der von allen Beteiligten die Präambel der Satzung bekräftigt wurde: „Die in der ACK verbundenen christlichen Gemeinden wollen ihrer Gemeinsamkeit im Glauben an den einen Herrn Jesus Christus, der Haupt der Kirche und Herr der Welt ist, in Zeugnis und Dienst gerecht werden – zur Ehre Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Ein wenig Tradition gibt es bereits: die ACK-Kerzen von 2001 brannten auch 2011.

Die Gemeinschaft der sechs Kirchengemeinden – die evangelischen Kirchengemeinden von Weissach im Tal, Lippoldsweiler und Ober-/Unterbrüden, die Evangelisch-methodistische Kirche Weissach im Tal sowie die katholischen Kirchengemeinden Weissach und Auenwald/Althütte zeigt sich in vielfältigen Veranstaltungen und Aktionen. Die evangelische Kirchengemeinde Allmersbach im Tal ist im Moment mit einem Gaststatus vertreten.

Den Festvortrag hielt Bischof Walter Klaiber aus Tübingen zum Thema: „Ökumene – quo vadis?“ (übersetzt: „Ökumene – wohin gehst du?“). Der Redner griff als Erstes auf die Ursprungslegende zurück, nach der Apostel Petrus aus dem brennenden Rom flieht und dabei auf Christus trifft. Auf die Frage: „Quo vadis, Domine?“ („Wohin gehst du, Herr?“) soll er zur Antwort bekommen haben: „Nach Rom, um mich erneut kreuzigen zu lassen.“ Petrus kehrte darauf um, ging nach Rom, wurde gefangen genommen und gekreuzigt. Klaiber stellte die Überlegungen in den Raum: „Wohin sollen wir Christus folgen? Wo brennt es heute? Wo sind wir dabei zu fliehen?“ Weiter führte er aus: „Wir müssen immer wieder neu fragen, wo uns Christus braucht, wo er uns gemeinsam braucht.“

Um eine Antwort zu finden, sei das Lesen der Bibel eine grundlegende Aufgabe. Allerdings ist es ihm wichtig, anzufügen, dass es verschiedene Christusbilder gibt – zwischen und in den Konfessionen. Keiner solle dabei seine Traditionen in Stein meißeln, denn auch ökumenisch könne man sich „im Kreis drehen“.

Die vor Ort gelebte Ökumene trennte er ganz bewusst von offenen theologischen Fragen, wie beispielsweise der Eucharistiefeier der großen Kirchen. Die schöne gedeihliche Zusammenarbeit auf lokaler Ebene stellte er als den gesündesten Zweig der Ökumene dar.

Seine Botschaft an die Festgemeinde ist die wichtigste Frage für ihn: „Wohin Herr, sollen wir gehen? Mach uns bereit, dir gemeinsam zu folgen.“

Gelebte Zusammenarbeit erlebte man an diesem Abend auch auf politischer Ebene. Da Bürgermeister Ian Schölzel aufgrund einer Termindoppelung davoneilen musste, sprach stellvertretend und ganz spontan sein Kollege Karl Ostfalk aus Auenwald das Grußwort. „Nicht nebeneinander zu leben, sondern gemeinsam zu wirken, sich gegenseitig zu unterstützen“, das sei nicht nur in der Ökumene das Ziel, sondern auch die Aufgabe der politischen Gemeinden.

Dekan Wilfried Braun überbrachte „geschwisterliche Grüße“ aus Backnang. Er betonte, dass „das Gemeinsame wichtiger als das Trennende“ sei“. Die musikalische Umrahmung der Jubiläumsfeier lag in den Händen von Elke Knötzele (Akkordeon). Mit einem Ständerling klang der Festabend aus.