Pechvogel Fabian Aupperle greift wieder an

Der Innenverteidiger will seinen Stammplatz beim Fußball-Drittligisten FC Heidenheim nach der Winterpause zurückerobern

So rund wie in seiner ersten Saison bei Drittligist Heidenheim läuft es für Fußball-Profi Fabian Aupperle in dieser Serie nicht. Dafür kann der Ex-Aspacher aber wenig. Das Verletzungspech spielte die Hauptrolle. Seine Zwangspause nutzten zwei Kollegen, um sich die Stammplätze in der Innenverteidigung zu krallen.

Drängt mit aller Macht zurück in Heidenheims Stammelf: Fabian Aupperle (rechts).Foto: Imago

Von Steffen Grün

Nein, über ein Medizinstudium hat Fabian Aupperle bislang nicht nachgedacht. Dabei hätte der 25-Jährige beste Voraussetzungen, ein guter Arzt zu werden. Mit den Kreuzbändern kennt er sich aus, seit ihm 2005 das Exemplar im rechten, zwei Jahre später das Pendant im linken Knie riss. Sein Nasenbein war gebrochen, der Kiefer, die Augenhöhle. Ein eingedrücktes Jochbein ergänzt die persönliche Verletzungsliste – und der Einriss der Plantarfaszie. Spätestens jetzt versteht der medizinische Laie nur noch Bahnhof, während Aupperle das Teil mühelos in der Fußsohle verorten kann. In seiner rechten tat es nämlich höllisch weh, als der 1,93-Meter-Mann bei einem Testspiel in Niederstotzingen nach einem Kopfball wieder landete. „Ich habe sofort gemerkt, dass es etwas Schlimmeres ist“, erinnert sich der Pechvogel an den unseligen Moment am 10. Juni 2011.

Die Vorahnung bestätigte sich. Als ihm die Ärzte die Diagnose mitgeteilt hatten, recherchierte der Patient selbst: „Es hat sich herauskristallisiert, dass es eine seltene Verletzung ist.“ Von den Profikollegen habe nur Basels Scott Chipperfield schon einmal dieselbe Verletzung erlitten, verrät Aupperle ein weiteres Resultat der Nachforschungen. Die Ärzte rieten von einer OP ab, weil die Narbe Probleme machen könnte. Stattdessen waren Krücken für vier Wochen seine treuesten Begleiter. Das Trainingslager bestand aus „Kraftraum, Aquajogging und zuschauen, wie die anderen trainieren“. Ein Alptraum für jeden ehrgeizigen Athleten, aber Aupperle sagt: „Ich bin positiv an die Sache herangegangen und habe mir Zwischenziele gesetzt.“ Vier Wochen Krücken. Fünf Wochen Reha. Ende August die Rückkehr ins Teamtraining. Am 9. September sein erstes Punktspiel in dieser Saison. Beim VfB II wird Aupperle in der 80. Minute beim 0:1 „im Sturm für lange Bälle eingewechselt“. Doch auch ihm gelingt das 1:1 nicht mehr.

Das ist aber nicht die Erklärung dafür, dass bis zu seinem nächsten Drittliga-Einsatz über zwei Monate vergehen sollten. „Der Trainer hat keinen Grund gesehen, zu wechseln“, sagt Aupperle: „Das Innenverteidigerpaar war eingespielt.“ Florian Tausendpfund und Tim Göhlert machten die Sache gut. So gut, dass sich der gebürtige Backnanger in Geduld üben musste. Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass sich Aupperle in der Vorsaison und damit im Premierenjahr beim FC Heidenheim einen Stammplatz gesichert und 30 Punktspiele bestritten hatte. Als die beiden Innenverteidiger und weitere Spieler krankheitsbedingt passen mussten, schlug am 26. November in Münster die Stunde des Ex-Aspachers. Aber: Heidenheim verlor 1:2, „das war nicht förderlich. Es war kein gutes Spiel.“ Im nächsten Spiel starteten wieder Göhlert und Tausendpfund.

Das Duo ist in der Poleposition, wenn es um die Stammplätze in der Rückrunde geht. „Ich muss die Vorbereitung ab 2. Januar nutzen, um mich aufzudrängen“, sagt Aupperle den Teamkollegen trotzdem den Kampf an: „Es ist mein erstes Ziel, mehr Einsatzzeiten zu bekommen.“ Das ist aber längst nicht alles, „es geht im kommenden halben Jahr auch um die Vertragsverlängerung“. Er kann sich gut vorstellen, über den Sommer hinaus zu bleiben. „Heidenheim ist der erste Ansprechpartner. Das Umfeld ist top, die Mannschaft auch – ich fühle mich wohl.“ Eine Rückkehr zur SG Sonnenhof, deren Weg Aupperle aufmerksam verfolgt und der er den Aufstieg wünschen würde, ist im Moment kein Thema. „Es ist mein Ziel, in der 3. Liga zu bleiben – oder mit Heidenheim aufzusteigen“, verkündet der Kicker, der den Sprung in die Zweite Bundesliga für realistisch hält: „Das Potenzial ist da. Für einen Aufstieg muss aber viel zusammenpassen.“ Derzeit ist Heidenheim mit 31 Zählern Fünfter. Der dritte Platz, der Relegationsspiele bedeutet, ist nur einen Punkt entfernt. Sechs Zähler sind es bis zum ersten Aufstiegsrang. Beim Versuch, den Rückstand wettzumachen, will Aupperle mithelfen – als Stammspieler. Er muss aber von Verletzungen verschont bleiben, hat am Medizinstudium ja ohnehin kein Interesse. Der Profi studiert nebenbei Sportmanagement.