Dank, nicht Trauer bestimmte die Feier

Mehrere Hundert Menschen haben gestern von Oppenweilers früherem Bürgermeister Julius Zehender Abschied genommen

Nach dem Willen von Julius Zehender, der vor wenigen Tagen im Alter von 94 Jahren gestorben ist, sollte die Feier nicht von Trauer, sondern von Dank bestimmt sein. In diesem Sinne war die Größe der Trauergemeinde Zeichen des Dankes. „Durch sein Leben wurden wir alle reich beschenkt“, sagte der evangelisch-methodistische Pastor Burkhardt.

Brachte ihre Anteilnahme am Tod des Altbürgermeisters zum Ausdruck: Die Trauergemeinde am Grab von Julius Zehender. Foto: J. Fiedler

Von Nicola Schneider

OPPENWEILER. Sitzplätze gab es in der evangelischen Jakobuskirche nicht genug für alle Trauergäste. Mehrere Hundert Menschen nahmen am Gottesdienst teil, an den sich der Trauerzug zum Friedhof, die Beisetzung und ein Trauerempfang in der Gemeindehalle anschlossen. Sie alle nahmen Abschied von Julius Zehender, der am 2. Januar verstorben war, und brachten so ihre Anteilnahme am Tod von Oppenweilers Altbürgermeister und Ehrenbürger zum Ausdruck. „Auch am Ende eines langen Lebens sind wir bestürzt und betroffen“, sagte Pfarrer Florian Lampadius. „Wir sind traurig und spüren die erhebliche Lücke, die der Tod in unsere Mitte gerissen hat.“ Er sprach der Familie des 1917 in Rudersberg Geborenen sein Beileid aus. Mit Zehenders Tod verliere darüber hinaus die Gemeinde Oppenweiler eine Vaterfigur, die sie aus den Fängen des Nationalsozialismus entrissen habe.

Lampadius wie auch Pastor Michael Burkhardt von der Evangelisch-methodistischen Kirche Murrhardt/Oppenweiler charakterisierten Zehender als umsichtigen, herzlichen Menschen, als engagierten Christen, als Person mit klaren Prinzipien. So habe Zehender zu Lebzeiten handschriftlich noch etwas vorbereitet für seine Trauerfeier, sagte Burkhardt. Mit den Worten „fröhlich, mäßig, dankbar“ beschrieb er sich selbst. Der Verstorbene war launig und gesellig. Das Maß aller Dinge hat er in den Weisungen Gottes in der Bibel gefunden, so Burkhardt. Und nach Zehenders Willen sollte Dank, nicht Trauer die Feier bestimmen.

„Er hat die Herzen der Menschen in Oppenweiler erobert“, sagte Bürgermeister Steffen Jäger. Im Namen der Bürger und seiner aktuellen sowie ehemaligen Bürgermeister-Kollegen sprach er Zehenders Angehörigen sein Mitgefühl aus. Der Träger des Verdienstkreuzes am Bande habe einen offenen Umgang mit seinen Mitmenschen gepflegt und die vertrauensvolle Atmosphäre des Miteinanders übertragen auf die Gemeinde.

Aus dem Nachruf von Landrat Johannes Fuchs ging hervor, dass Zehender nicht nur eine bedeutende Person für die Raumschaft Backnang gewesen ist. Vielmehr sei er auch ein außergewöhnliches Vorbild für den Landkreis. Im Kreisrat habe er sich als hartnäckiges Gremiumsmitglied erwiesen. „Seine Stärke war seine Fähigkeit, zu versöhnen. Sein Humor und seine Geselligkeit haben regelrecht in den Bann gezogen.“

Julius Zehender, Vater von fünf Kindern, war von 1941 bis 1948 Gemeindeinspektor in Oppenweiler und anschließend bis 1978 Bürgermeister der Gemeinde. Seit 1987 ist er außerdem Ehrenbürger. Neben seinem beruflichen Engagement setzte er sich im Ehrenamt ein. So gehörte er 37 Jahre lang dem Vorstand der Raiffeisenbank Oppenweiler beziehungsweise Murr-Lauter an. Er war über 30 Jahre Mitglied des Kreistags und bekleidete in der FDP/FW-Fraktion führende Positionen. Sozial engagierte er sich im Verwaltungsrat und Vorstand der Altersheime Staigacker und Wildberg.