BEG sucht den Schulterschluss mit dem Solarverein

Beim Rückkauf des Netzes ist die Genossenschaft wohl aus dem Rennen – Nun liegt der Schwerpunkt auf der Erzeugung von Energie

WAIBLINGEN (nol/not). Die Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Remstal ist verärgert. Sie wollte zusammen mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall als technischem Partner das Netz des Regionalwerks Remstal betreiben. Doch die Gemeinden Kernen, Remshalden, Urbach, Weinstadt und Winterbach, zusammengeschlossen im Remswerk, haben sie abgeklemmt, so der Vorwurf. „Das ist eine Bankrotterklärung der Gemeinderäte“, erklärte jetzt der Winterbacher Bernd Leibbrand, einer der Gründer der BEG. Und Rüdiger Mattauch, Architekt aus Schorndorf, warnt. Die Bürgermeister und die Gemeinderäte sollen „sehr gut überlegen, wie sie ihren Wahlbürgern vors Schienbein treten“.

Trotz der offensichtlichen Niederlage lassen sich die Energiegenossen in ihrem Engagement nicht bremsen, sie verlagern ihren Schwerpunkt nun auf die Erzeugung regenerativer Energie. Egal ob Fotovoltaik, Wind- oder Wasserkraft. Es wird der Schulterschluss praktiziert mit dem Solarverein Weissacher Tal, Backnanger Bucht, Welzheimer Wald. In Weissach ist die Energiewende bereits weitgehend in Bürgerhand, die Kommune gilt als Solarhauptstadt im Kreis. Die Welzheimer bringen ihre Erfahrungen mit dem ersten Windrad in der Gegend ein. Die Vereinigung bietet 150 Mitglieder auf. Netzkauf, so berichtet es der Aspacher SPD-Kreisrat und Ingenieur Dr. Werner Barth, ist auch an der Murr ein Thema. Freilich hätten auf diesem Feld die Remstaler die ersten Erfahrungen für sich. Auch wenn dort der Remswerk-Zusammenschluss jene erst einmal abgeklemmt hat, die sich einspeisen wollten.

Die Niederlage der BEG beim Netzkauf zeichnete sich in den jüngsten Tagen ab. Seit Langem wollen die fünf Kommunen das Stromnetz von der EnBW zurückkaufen. Und suchen nun Betreiber. Die Genossenschaft („Wir kaufen unser Stromnetz! Jetzt!“) hatte sich zusammen mit Schwäbisch Hall beworben. Aber längst werde hinter vorgehaltener Hand nur noch von drei infrage kommenden Bewerbern gesprochen. Da wären, erstens, die Stadtwerke von Fellbach und Schorndorf zusammen mit dem Albwerk. Zweitens die EVS und damit die Stromrebellen aus Schönau. Und drittens die EnBW, der Staatskonzern, dem die Landesregierung den Umbau zum grünen Unternehmen beibringen will.

Mattauch, Leibbrand, Herbert Schiebel aus Remshalden und andere BEGler haben aus zwei unterschiedlichen Quellen, wie sie sagen, erfahren, dass sie aus dem Rennen sind. Der Zuschlag, so fürchten sie, geht an die EnBW. Und damit sei der Traum aus, das Netz, zentral für die lokale Energiewende, wirklich in Bürgerhand zu bekommen. Dass Genossenschaftler nicht automatisch Ingenieure der Elektrizitätswirtschaft sind, lassen sie nicht gelten. Das Know-how käme ja von den Haller Stadtwerken. Außerdem verweisen sie auf ihre Professionen. Elektroingenieure sind darunter, Architekten, Anwälte. Leute, die schon viel privat in die erneuerbaren Energien investiert haben. Die BEG-Aktiven sagen, sie wollen ihr bestes Kapital einbringen, das Anlagekapital, das Geld der Bürger. Und verstehen nicht, warum die Kommunen darauf nicht eingehen. Selber hätten sie ja wohl nicht das Geld, um Rückkauf und Ausbau zu stemmen. Ihr Verdacht, so formuliert es Mattauch: „Der Bürger gilt als das unbekannte Wesen. Man hat Angst vor ihm.“ Womöglich wolle er noch mitreden. Dabei sei’s klar, dass eine wie auch immer beteiligte Bürgergenossenschaft Energie nur eine Stimme hätte bei klarer Mehrheit der Kommunen. Mattauch: „Es ist nicht unsere Absicht, den Strom kommunistisch zuzuteilen.“ Verdächtig kommt den Genossenschaftlern auch vor, dass sie nicht informiert werden, warum sie ausgeschieden sind. Mehr noch. Das Remswerk habe sie zu einem „Gefangenen dieser Geschichte“ (Mattauch) gemacht. Es habe immer geheißen, wer am Vergabeverfahren teilnimmt, müsse Stillschweigen wahren. An dieses Versprechen fühlen sich die Remstaler Stromrebellen jetzt nicht mehr gebunden.