35-Jähriger nahm Schuld auf sich

Ukrainer wegen Totschlags zu Freiheitsstrafe verurteilt

FELLBACH (wic). Der gewaltsame Tod eines 54-jährigen Malermeisters vor elf Jahren in seiner Werkstatt in Schmiden ist gerichtlich gesühnt. Gestern verurteilte die Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts einen jetzt 35-jährigen Ukrainer wegen Totschlags zu sechs Jahren Freiheitsstrafe.

Der Verurteilte war damals zusammen mit seinem Vater und einem Schwager als Saisonkraft in dem Malerbetrieb des Opfers in Schmiden beschäftigt. Am 17. Dezember 2000 war es dann wegen eines umgestürzten Farbkübels zum Streit zwischen dem 35-Jährigen mit dem Chef gekommen, in dessen Verlauf der Angeklagte, wie er jetzt auch vor Gericht einräumte, ausgerastet war und den 54-Jährigen zuerst zu Boden warf und ihm dann mit einem harten Gegenstand mehrfach wuchtig auf den Kopf schlug und dem Opfer dabei den Schädel zertrümmerte. Der Getötete ist erst Tage danach von Nachbarn entdeckt worden.

Nach der Tat hatte der 35-Jährige mitsamt seinem Vater und dem Schwager fluchtartig die Bundesrepublik verlassen. Alle drei wurden zwar noch von Zeugen beobachtet, und selbst die Waiblinger Mordkommission war im Besitz ihrer Personalien, kam allerdings zu spät in die Unterkunft in Poppenweiler bei Ludwigsburg, um das Trio festzunehmen. Eine jahrelange internationale Fahndung blieb ohne Erfolg. Selbst nachdem die ZDF-Sendung „AktenzeichenXY“ den Fall im Juni 2001 ausstrahlte, blieben Erfolgsmeldungen aus.

Für die Polizei war das Tötungsdelikt auch deshalb so aufregend, weil gerade mal Tage später die Volksbankfiliale in Weiler zum Stein von drei maskierten Männern überfallen und um rund 200000 Mark erleichtert wurde. Eine Verbindung mit dem Fellbacher Mord konnte jedoch bis heute nicht hergestellt werden. Am 17. September letzten Jahres wurde der 35-Jährige von den polnischen Behörden nach Stuttgart ausgeliefert. Er war nach zehnjähriger Flucht von der Ukraine aus nach Polen eingereist, um Arbeit zu suchen. Dass sein Vater und sein Schwager überhaupt nicht an der Bluttat beteiligt waren, bekräftigte er jetzt gegenüber dem Gericht deutlich, und nahm die Schuld an der Tötung des Malermeisters auf sich. Die Tat, für die der Ankläger sieben Jahre Haft forderte, stufte das Gericht gestern als Totschlag eines minder schweren Falles ein, da der Ukrainer damals unter Stress stand, weil seine Frau hochschwanger war und er auch von dem Opfer kurz vor der Tat geschlagen worden sei.