Für Gorka soll es noch höher hinaus gehen

Aspachs Ex-Kapitän sieht mit dem Stammplatz bei Drittligist Burghausen das Ende der Fahnenstange für sich noch nicht erreicht
Geht in Zweikämpfen entschlossen zur Sache: Benjamin Gorka (rechts). Das war einst im Trikot der SG Sonnenhof Großaspach so – und hat sich seit seinem Weggang nicht geändert.Foto: Eibner

Von Uwe Flegel

„Dritte Liga ist nicht das, was ich will.“ Benjamin Gorka ist ein Mann der Entschlossenheit. Das gilt für die Zweikämpfe auf dem Fußballplatz und fürs Formulieren der sportlichen Ziele. Die versucht der ehemalige Kapitän der SG Sonnenhof Großaspach derzeit beim Ex-Zweitligisten Wacker Burghausen zu verwirklichen. Mit Ehrgeiz, Köpfchen und Durchhaltevermögen. Auch wenn die Zeiten einmal nicht nur Sonnenschein bringen.

In den Fautenhau war Gorka im Sommer 2007 gekommen – nachdem er in der Saison zuvor bei Eintracht Trier sein Fußballerglück wegen Verletzungen nicht gefunden hatte. Dieser Wechsel vom Traditionsverein aus der ältesten Stadt Deutschlands ins beschauliche Aspach wirkte wie ein Abschied vom Traum Profifußball. Er war es aber nicht, sondern wurde für den 1,95 Meter großen Innenverteidiger zu einem Neustart. „Manchmal muss man erst einen Schritt zurück machen, um doch noch vorwärtszukommen“, sagt Gorka heute über seine damalige Entscheidung. Etwas Überzeugungsarbeit hatte es Großaspachs Berater Maurizio Gaudino jedoch schon gekostet, den früheren Jugendspieler der TSG Hoffenheim und von Waldhof Mannheim zur SG Sonnenhof zu locken. Schließlich hatte der Verein aus dem Fautenhau in den zwei Oberligarunden zuvor lange gegen den Abstieg gekämpft. Und: Vor allem das Aspacher 1:10-Debakel gegen seinen Ex-Klub SV Sandhausen war Benjamin Gorka in Erinnerung geblieben.

Sechs Monate in Aspach reichten Gorka, um den Hamburger SV II

auf sich aufmerksam zu machen

Beim neuen Klub angekommen, merkte der Abwehrmann aber schnell, dass sein Wechsel die absolut richtige Entscheidung war. Mit Dennis Grab bildete er unter Trainer Markus Gisdol eine Innenverteidigung, die sich in der Oberliga rasch einen guten Namen machte. Und: Gorka wurde von seinen Kollegen auf Anhieb als Führungsspieler akzeptiert, war Abwehrchef und Kapitän. Die guten Leistungen blieben nicht unbemerkt. Auf der Suche nach Führungskräften für seine zweite Mannschaft wurde der Hamburger SV auf den kopfball- und zweikampfstarken Defensivstrategen aufmerksam. Nach nur sechs Monaten beim Rems-Murr-Oberligisten ging es hoch in den Norden ins Regionalligateam des Bundesliga-Dinosauriers, bei dem mit Matthias Franz bereits ein anderer Ex-Aspacher die Kickstiefel schnürte.

Benjamin Gorka sicherte sich auch eine Klasse höher sofort einen Stammplatz. Allerdings schien er auch dort wieder vom Verletzungspech gebeutelt. Doch er setzte sich in den eineinhalb Jahren durch. Ganz nach oben reichte es beim HSV allerdings nicht. Deshalb ging Gorka im Sommer zu Wacker Burghausen. „Das war schon ein kleiner Kulturschock, berichtet der Ex-Aspacher über seinen Wechsel vom hohen Norden zu dem früheren Zweitligisten am anderen Ende der Republik. Statt Millionen-Metropole mit Weltstadtflair nun eine bayrische Kleinstadt im Grenzgebiet zu Österreich. Doch das hat auch Vorteile: „Hier kann ich mich ganz auf den Fußball konzentrieren.“ Das scheint zu funktionieren. Gorka ist unter Teammanager Jürgen Preuss Stammspieler. In 19 der bisher 20 Drittligapartien war er von Beginn an dabei. Das komplette Programm verpasste er nur, weil er einmal gesperrt war.

Rang neun belegt Burghausen, das vergangene Saison nur dank des Rückzugs von Kickers Emden nicht absteigen musste, momentan. Zu Saisonbeginn hatte Wacker sogar ganz vorne mitgemischt. Und auch jetzt sind es nur sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Ingolstadt. Geht da noch etwas? Gorka schaut lieber nach hinten: „Wir haben auch nur sieben Zähler Vorsprung auf einen Abstiegsplatz.“ Der Klassenverbleib bleibt oberstes Ziel.

Dass er sich in Burghausen wohlfühlt, daraus macht der Abwehrspieler keinen Hehl. Als „Profiverein, der in der dritten Liga spielt, aber in die zweite gehört“, beschreibt er Wacker. Liga zwei ist auch das, was er als nächstes anstrebt: „Ich bin sicher, dass ich über kurz oder lang noch eine Klasse höher spielen kann.“ Entweder mit Burghausen, wo er einen Vertrag bis zum Saisonende hat – oder woanders.

25 Jahre alt ist Gorka. Der gelernte Verfahrensmechaniker ist in der Dritten Liga angekommen. Das Ende der Fahnenstange sieht er für sich nicht erreicht. Auch weil er sich vor zweieinhalb Jahren nicht zu schade war, einen Schritt zurück und eine Karriere über den zweiten Bildungsweg zu machen: „Im Endeffekt ist alles gut gelaufen. Ich habe alles richtig gemacht.“