Top-Klangqualität aus Backnang für die ganze Welt

d&b audiotechnik produziert Lautsprechersysteme in Handarbeit – Start 1981 mit 2 Boxenbauern, heute sind’s 240 Beschäftigte

Seit 1981 entwickelt, produziert und vertreibt d&b audiotechnik Lautsprechersysteme. Inzwischen agiert das 240-Mann-Unternehmen weltweit im oberen Qualitätssegment professioneller Beschallungslösungen für Sprache und Musik. Beim Fachpressetag wurde auch deutlich, dass die erfolgreichen Boxenbauer immer mehr Platz benötigen.

Handarbeit: Vor dem Lackieren werden Unebenheiten in den Holzgehäusen wie Bohrungen für Schrauben verspachtelt. Foto: S. Gormsen

Von Florian Muhl

BACKNANG. Wacken ist ein beschauliches Dorf, etwa so groß wie Steinbach oder Strümpfelbach, und liegt hoch im Norden der Republik. Einmal im Jahr platzt die Siedlung aus allen Nähten. Am ersten August-Wochenende findet dort seit 1990 das mittlerweile weltgrößte Metal-Festival statt. Den über 80000 hadbangenden Open-Air-Festival-Besuchern ist’s wurschtegal, wer die schwarzen Kisten zusammen genagelt hat, aus denen ihnen die Heavy-Metal-Melodien entgegendröhnen. Hauptsache sie klingen gut.

Der Boxenschmiede d&b audiotechnik ist’s nicht egal, wer die Lautsprecher in Schweiß treibender Handarbeit fertigte. Die 240 Beschäftigten in Backnang sind stolz darauf, dass sie selbst es waren und ihre Systeme weltweit so begehrt sind. Nicht nur bei Metal-Fans. Denn auch in der Theater- und Opernwelt schwören Musikkenner auf die Beschallungssysteme made in der Murrmetropole, so auch in der Oper in Sydney/Australien.

Einen Blick hinter die Kulissen gewährten jetzt die Backnanger Boxenbauer der deutschsprachigen Fachpresse. „Wir wollen Euch zeigen, wie wir hier so ticken“, sagte Diplomingenieur Michael Weiß, der auf die d&b-Geschichte einging. Die beiden Hobbymusiker Jürgen Daubert (d) und Rolf Belz (b) hatten in ihrer Doppelgarage in Korb das Ziel, der Audiotechnik neue Impulse zu verleihen. Bald war Werner Bayer, genannt „Vier“, der Dritte im Bunde. Das Geschäftsmodell, nicht auf einzelne Komponenten zu setzen, sondern wohlklingende Komplett-Systeme zu bauen, hatte schnell Erfolg. So zog das junge Unternehmen im Oktober 1989 mit 16 Mitarbeitern an den heutigen Standort in Backnang. Warum der Erfolg bis heute anhält, wurde letztlich bei einem Firmenrundgang deutlich. Angefangen beim Bau der Holzgehäuse wird alles in Backnang in Handarbeit erledigt. Dies auch umweltfreundlich. „Die Sägespäne werden abgesaugt und in unserer Heizungsanlage verfeuert“, erklärt Marketing-Mann Uwe Henne. Und einige Meter weiter: „Am Checkpoint-Charly kommt niemand ungeprüft vorbei.“ Charly ist die Qualitätskontrolle in Person. Er nimmt jedes einzelne Gehäuse unter die Lupe, bevor die elektronischen Bauteile eingebaut werden. Letztere werden von Firmen angeliefert, von denen die meisten im Umkreis von 50 Kilometern zuhause sind, erläutert Henne. Jetzt folgt die nächste Qualitätskontrolle. Jeden einzelnen Lautsprecher testet d&b vor dem Einbau selbst. Damit die Montagearbeiten für die Mitarbeiter nicht zu eintönig werden, wird nach ein bis zwei Wochen der Arbeitsplatz gewechselt.

Ein Stockwerk höher werden die Verstärkereinheiten zusammengebaut. Wenn sie fertig sind, folgt der schwerste Gang. „Dann kommen sie in die Folterkammer“, sagt Henne. Dort werden die d&b-Produkte 48 Stunden lang unter verschiedensten Laststufen getestet. „Unsere Erfahrung hat gezeigt: Wenn ein elektronisches Bauteil seinen Geist aufgibt, passiert das meistens in den ersten 24 Stunden“, weiß der Marketing-Chef. So ist der Erfolg der Backnanger Boxenschmiede kein Wunder. Wer diese Folterkammer überstanden hat, ist reif für die Welt – für Sydney und auch für Wacken.