Fortsetzung der Architektur mit Mitteln der Malerei

Burghard Müller-Dannhausen gewann den Kunstwettbewerb um die Gestaltung der Eingangshalle im neuen Rems-Murr-Klinikum in Winnenden

120 Künstler hatten sich beim Kunstwettbewerb über die Gestaltung der Eingangshalle des neuen Rems-Murr-Klinikums Gedanken gemacht. Der Entwurf von Burghard Müller-Dannhausen aus Koblenz gefiel der Jury unter Vorsitz von Professor Dr. Christian von Holst, bis 2006 Direktor der Staatsgalerie Stuttgart, am besten. Präsentiert wurden die Entwürfe der acht Finalisten am Donnerstagabend im Rathaus.

 Christian von Holst
Christian von Holst

Von Ingrid Knack

WINNENDEN. Eine „Lebendige Entwicklung“ symbolisiert die von Burghard Müller-Dannhausen konzipierte Farbwand, die auf verschiedenen Ebenen in der 184 Meter langen Eingangshalle, der Magistrale des Klinikums, Zeichen setzen soll. Sowohl der körperliche Genesungsprozess als auch der Bewusstseinsprozess sind damit gemeint. „Ein Weg, eine Veränderung, ein Fortschritt werden erlebt. Die Farbwand erzählt eine fortschreitende Geschichte in Farbveränderungen, Farbbeziehungen und Farbverbindungen – ablesbar für alle, die an der Farbwand entlanggehen oder den Blick darüber schweifen lassen“, heißt es in der Beschreibung.

Als Fortsetzung der Architektur mit Mitteln der Malerei bezeichnete der 65-jährige Künstler bei der Vernissage seinen Entwurf mit 68 Farbtönen.

Mit überwiegender Mehrheit hatte sich die Jury für das Konzept von Burghard Müller-Dannhausen entschieden, sagte Christian von Holst bei der Eröffnung der noch zwei Wochen lang im Rathaus zu sehenden Ausstellung mit den Arbeiten der acht Finalisten. Die Aufgabe, die Eingangshalle künstlerisch zu gestalten, bewertete er als „vertrackt“. Der Koblenzer Künstler habe es aber geschafft, die Unruhe, die in dem architektonischen Querriegel bestehe, in einen ruhigen Farbraum umzuwandeln. In diesem spiegele sich der Außenraum – die Fassadengestaltung und die Natur. Christian von Holst: „Eine gelungene Zwiesprache in einem schwierigen architektonischen Feld.“ Dem Farbkonzept liegt folgende Idee zugrunde: „Der Farbdreiklang Gelb-Grün-Orange ist eine Botschaft mit Fernwirkung, die von der Fassade nach außen geht. Die Farbwand möchte diese Botschaft im Inneren des Klinikgebäudes verankern und ihr einen Kern – eine Seele – geben. Dazu wird der Farbdreiklang aufgefächert und differenziert. Er wird reich ,orchestriert’ , durch Kontrast- und Komplementärfarben. Die Farbfolge stimmt überein mit der Farbstellung der drei Pavillons.“

Auch der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth und Jürgen Winter, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken (RMK), lobten die Wahl der Fachjury. Jurymitglied Katrin Uhr vom DSV Kunstkontor betonte zudem die hohe Qualität aller Beiträge der Endrunde.

„Gehen Sie da lang, dann rechts, dann treffen Sie auf die Farbwand“, so ähnlich stellt sich Burghard Müller-Dannhausen eine Anwort vor, wenn jemand im neuen Klinikum nach dem Weg fragt. Der Titel seines Werkes ist nicht nur ein Name, „der sich ganz von selbst ergibt“. Der Name müsse auch benutzt werden. Weniger konkrete Begriffe eignen sich nach Ansicht des Künstlers für diesen Zweck nicht. Mit seiner Farbwahl will er das Frische, das Lebendige, transportieren. „Die Farbwand möchte positive Impulse geben durch ihre Suggestionskraft und ihre Faszination. Die Patienten mit ihrem Leid, die Besucher mit ihren Sorgen, das Personal in seinem anstrengenden Dienst – sie alle sollen aufatmen und aufleben. Sie sollen aufgerichtet werden. Und sie sollen Abstand bekommen.“ Und: Alles Organische oder „Gebrochene“ wird vermieden. Assoziationen an Körperliches, pathologische Befunde, an Konkretes sind nicht gefragt. Die Farbwand soll obendrein Identifikation schaffen und ein individuelles Bewusstsein im Sinne eines Wir-Gefühls stärken, so der Koblenzer. Die Nordwand der Magistrale wird flächendeckend bemalt. Künstler-Acryl-Farben mit hoher Lichtechtheit werden verwendet. Das Ganze wird am Ende mit einem deckenden Firniss überzogen.