„Geht nicht“ gibt’s für die Räte nicht

Backnanger Bahnhof wird zwar barrierefrei, doch Einschränkungen und Kostenbeteiligung missfallen der Stadt

Kofferträger oder Seilwinde? Gelegentlich glitten die Beiträge im Gemeinderat ins etwas Wunderliche ab. Es ging – wieder einmal – um die Verbesserung der Situation am Backnanger Bahnhof. Vorneweg: Es wird sich was tun. Aber nicht so, wie es sich die Stadträte wünschen.

Weg in Backnang zum Bahnsteig: Daran wird sich vermutlich nichts ändern.Foto: E. Layher

Von Reinhard Fiedler

BACKNANG. Das Thema stand am Donnerstagabend gar nicht auf der Tagesordnung. Aber es war hoch interessant und bot Diskussionsstoff: Die Information, was die Bahn mit dem Bahnhof vor hat. Noch bevor Sven Hantel, Leiter der baden-württembergischen DBStation & Service AG, loslegen durfte, ließ OB Dr. Frank Nopper wissen, dass der Mann „gute und schlechte Nachrichten“ mitbringt. Im Rahmen eines Bahnhofmodernisierungsprogramms wird Backnangs Eisenbahnstation modernisiert und barrierefrei gemacht. Ohne eine städtische Beteiligung von rund 360000 Euro gehe aber nichts. Ein Umstand, der den Stadträten naturgemäß missfiel. Ebenso sahen sie nicht ein, dass das seit Jahrzehnten beklagte Übel fehlender Kinderwagenspuren nicht behoben werden könne.

Die heftigen verbalen Prügel, die sich Sven Hantel einhandelte, schienen ihm nicht sonderlich wehzutun. Der Bahnmanager ist’s offensichtlich gewohnt, in den Kommunen mit Vorwürfen konfrontiert zu werden. Insbesondere sein bei mehreren Teilaspekten kompromisslos vorgebrachtes „Geht nicht“, versetzte so manches Ratsmitglied in Rage, wobei die Attacken nicht persönlicher Natur waren.

Gleich der erste Redner wagte sich weit vor. Heinz Franke zeigte sich mit einem Teil von Hantels Ausführungen zufrieden, „aber für den anderen Teil wären Sie in der Antike beseitigt worden.“ Der SPD-Fraktionschef mutmaßte, dass die Kommunen nur deshalb zur Kasse gebeten werden, „weil das meiste Geld in ein 30 Kilometer entferntes Projekt fließt. Da braucht man nicht viel Fantasie dazu“, sagte Franke mit Blick auf Stuttgart21. (Was ihm prompt einen Seitenhieb vom Grünen Daniel Mouratidis einbrachte: Die SPD sei auf kommunaler Ebene wohl schlauer als die in Land und Landeshauptstadt.) Franke jedenfalls bescheinigte dem „Monopolisten Bahn eine gewisse Arroganz“, Backnang werde in nicht unerheblichem Maße unter Druck gesetzt. „Alles andere als befriedigend“ nannte auch Dr. Volker Schwarze die Tatsache, dass die Verantwortlichen keine Möglichkeit sehen, eine Kinderwagenspur zur S3 zu bauen. Man möge Fantasie walten lassen. Auch für den CDU-Fraktionschef ist der Weg zu den Gleisen zwei und drei über einen neuen Aufzug nicht die optimale Lösung, schon jetzt müsse man Insiderwissen haben, um über den vorhandenen Aufzug zu Gleis fünf zu kommen.

„Das Grundproblem wird nicht gelöst“, schimpfte auch Ulrike Sturm, (Grüne). „Äußerst unbefriedigend“, attestierte sie den Bahn-Planungen. „Wir haben auch mit anderen übermächtigen Partnern Erfahrungen mit dem Geht-nicht gemacht“, sagte Dr. Lutz-Dietrich Schweizer (CIB). „Und auf einmal ist das Geht-nicht doch gegangen.“

„Wenn Sie es wünschen“, versprach Sven Hantel, dann sei die Bahn bereit, auch die technischen und logistischen Details in einer weiteren Sitzung zu erklären. Sollte heißen: Das Geht-nicht sei sehr wohlbegründet, man schüttle dies nicht einfach locker aus dem Handgelenk. Kinderwagenspur auf den Treppen zu den Bahnhöfen: Zu schmal in Backnang. Wo solches auf engem Raum existiere, genieße es Bestandsschutz, neu bauen aber könne man nicht. „Deutsche Vorschriften“. Aber wenigstens über ein von Pia Täpsi-Kleinpeter (SPD) in die Diskussion eingebrachtes Kofferlaufband versprach Hantel nachzudenken Der Idee von Ursula Hefter-Hövelborn, Gepäckträger zu engagieren, vermochte er nichts abzugewinnen. In Stuttgart hatte man es probiert, doch der Versuch endete in einem Flop – kein Reisender hatte einen Dienstmann engagiert.

Den kuriosen Vorschlag von Christa Breuninger (CDU), die Koffer wenigstens mit einer Seilwinde zu den Bahnsteigen zu transportieren, kommentierte Hantel nicht. Trotzdem durfte Breuninger ein Erfolgserlebnis mit nach Hause nehmen: Eine bessere Wegeführung zum Aufzug will Hantel in die Hand nehmen. Vor zwei Jahren hatte das schon mal ein Bahn-Verantwortlicher versprochen ...

Dass die S3 von Gleis eins abfährt, wird auch kaum möglich werden. So einfach ist das nicht, meinte Hantel sinngemäß zu dieser vernünftigen Idee. Drauf gekommen war Dr. Wolfgang Schwalbe (UBV) schon vor Wochen. Manch anderer Rat findet sie auch für gut. Offenbar bloß nicht die, die bei der S-Bahn das Sagen haben. Auch dies ein Punkt, der so manchen Stadtrat zornig macht. Ebenso wie auch Hantels Hinweis, dass die Bahn von den Kommunen rechtlich gar keine finanzielle Beteiligung fordern kann, dass aber bei Ablehnung der Stadt nichts oder fast gar nichts geschehe.