„Das direkte Gespräch ist der beste Weg“

Zisch-Artikel „Lehrer mobben Schüler“ sorgte für viel Wirbel – Bize-Schulleiter weisen auf Gesprächsbereitschaft hin

Mit seinem Zisch-Artikel „Lehrer mobben Schüler“ hatte Bize-Gymnasiast Dustin Merkle zahlreiche Reaktionen hervorgerufen. Gespräche mit der Schulleitung schlossen sich an, bei denen Missverständnisse aus der Welt geräumt wurden. Oberstudiendirektorin Monika Wagner-Hans: „Das direkte Gespräch ist immer der beste Weg.“

Kommunikation am runden Tisch (von links): Dustin Merkle, Monika Wagner-Hans und Anton Weber im Bildungszentrum. Foto: E. Layher

Von Florian Muhl

BACKNANG/WEISSACH IM TAL. Von Missetaten ihrer Lehrer würden Schüler ihren Eltern berichten, schreibt Dustin in seinem Artikel. Der Neuntklässler wird dann etwas konkreter: „Die Lehrer bringen blöde Sprüche, machen Schüler nieder oder nehmen sie gezielt an die Reihe, obwohl sie wissen, dass der angesprochene Schüler die Antwort nicht weiß.“

Dustin hatte den Artikel „Lehrer mobben Schüler“ im Rahmen des BKZ-Projekts Zeitung in der Schule geschrieben, der am Mittwoch, 30. Dezember 2009, in der Backnanger Kreiszeitung erschienen war (im Internet nachzulesen unter:

www.bkz-online.de/sites/default/files/ bkzisch/BKZisch_091230_5_1.pdf).

Wie er auf dieses Thema gekommen ist? Beim Essen hatte er mit seinem Bruder und seinen Eltern des Öfteren über Probleme gesprochen, die Schüler mit Lehrern haben. Wenn dies schon zu Hause ein so beherrschendes Gesprächsthema ist, warum sollte er nicht darüber einen Zeitungsartikel verfassen, dachte er sich.

Was Dustin zu diesem Zeitpunkt nicht geahnt hatte: Sein Artikel rief nach der Veröffentlichung zahlreiche Reaktionen hervor, seitens von Schülern und Eltern wie auch Lehrern und der Schulleitung. Allein bei Familie Merkle gingen vier E-Mail-Anfragen ein, in der BKZ-Redaktion waren es eine Hand voll Anrufe und zwei Leserbriefe. Insgesamt erfuhr Dustin Zustimmung und Ablehnung, Anerkennung für seinen Mut, solch ein heißes Eisen anzupacken, und kritische Worte dafür, dass er sich mit seinem Thema an die Öffentlichkeit und nicht erst an interne Stellen gewandt hatte.

Wagner-Hans möchte keinesfalls das von Dustin thematisierte Problem verniedlichen oder dessen Existenz abstreiten, wie die Gesamtschulleiterin dieser Tage bei einem informellen Gespräch am runden Tisch sagte. „Was mich stört, ist die inflationäre Verwendung des Wortes Mobbing.“ Die beiden Beispiele, die Dustin angeführt hätte – jemand dranzunehmen, der nicht aufgepasst hat, und verstärkt die Hausaugaben zu kontrollieren – gehörten zum Arbeitsauftrag der Lehrer. Das sei kein Mobbing. Diese Elemente würden zwar von Kindern welchen Alters auch immer nicht gerne gesehen, könnte der Lehrer aber pädagogisch einsetzen, um Kinder zu unterstützen. Was sie allerdings keinesfalls tolerieren könne, seien Beleidigungen oder Kränkungen von Schülern seitens eines Lehrers: „Das darf nicht sein“, so Wagner-Hans. Das Miteinander von Schülern und Lehrern müsse von gegenseitigem Respekt geprägt sein. Das sei nicht nur ihr selbst sehr wichtig, sondern das stünde auch in der Charta.

„Der gegenseitige Respekt an der Schule ist uns nicht erst seit gestern wichtig, sondern ist bei uns seit mehreren Jahren ein Thema“, ergänzte Anton Weber, Leiter der Realschule und stellvertretender Gesamtschulleiter. So wurden die Leitsätze fürs Bildungszentrum vor genau drei Jahren verabschiedet. Es gäbe auch Fortbildungen für Lehrer zum Thema: Was ist Mobbing und wie kann ich Mobbing erkennen?

Was den beiden Schulleitern an besagtem Artikel aufgestoßen ist, ist an einigen Stellen die Wahl der Worte, die „Generalisierung“, wie es Wagner-Hans ausdrückte. Da stehe in der Überschrift: „Lehrer mobben Schüler“ und direkt drunter: „...aus dem Bildungszentrum Weissacher Tal“, und an anderer Stelle: „Lehrer-Mobbing ist nicht nur im Bildungszentrum stark vertreten...“ – „Wir benutzen oft Wörter wie ,viel’ und ,stark’, ohne dazu zu sagen, wie viel das ist“, sagte Wagner-Hans, „das macht die Sache unverhältnismäßig.“ In die gleiche Richtung argumentierte Weber: „Es ist ein Unterschied, ob man von einem Lehrer spricht oder man sagt: Die Lehrer sind so. Da wird ein Bild weitergegeben, das nicht der Wahrheit entspricht.“

Weber erinnerte sich an einen Fall bei sich in der Realschule, bei dem es Klagen von Schülern gegeben hatte. Er habe den betreffenden Lehrer soweit gebracht, dass dieser eine Fortbildung zum Mobbingthema besuchte. Hinterher sei Weber in dessen Unterricht gegangen, um zu kontrollieren, ob der Lehrer die neu erlernten Arbeitsweisen umsetze.

Wichtig war es beiden Schulleitern festzustellen, dass ihre Kritik nicht den Schüler trifft. „Kein Vorwurf an Dustin, der ist noch in der Lernphase“, sagte Weber. Der Realschulleiter warf die Frage der Verantwortung auf und suchte diese beim Medium, das Artikel veröffentlicht. Eine der Intentionen des Zisch-Projekts, neben dem Kennenlernen der Zeitung und der verschiedenen Formen der Berichterstattung, ist für Wagner-Hans das Erlernen der sorgfältigen Recherche. „Das ist doch das A und O für einen, der für die Zeitung schreibt.“

Entschuldigend sagte Dustin, der auch Klassensprecher ist, dass er mit dem Passus in seinem Artikel, der sich auf die Schulleitung bezog, diese nicht angreifen wollte, sondern er habe damit nur sagen wollen, dass die Schulleitung machtlos wäre und auch nichts an der Situation ändern könnte, wenn sich Schüler wegen eines Lehrers an die Schulleitung wenden würden. Erstaunt fragte Wagner-Hans nach, ob sich denn in einem konkreten Fall nichts geändert hätte, weil sie doch mit dem betreffenden Lehrer mehrmals gesprochen habe, worauf Dustin nachdenklich sagte, dass sich für ihn nichts Ersichtliches geändert habe. Dann sei das jetzt für sie ein besonderer Auftrag, entgegnete die Schulleiterin.