Lichtmaschinen und Raumklänge

Dietmar Kutter und Johannes Müller stellen in der Barockscheune in Oberschöntal aus

Er macht aus Schrott Kunst. Die Lichtmaschinen des Künstlers Dietmar Kutter blinken und geben Laute von sich. Außerdem stellt er Malerei und Holzskulpturen aus. Ergänzt wird die Ausstellung von filigranen Objekten von Johannes Müller unter dem Titel „Raumklänge“. Erstmals wurde die Barockscheune in Oberschöntal zur Kunstgalerie umfunktioniert.

Präsentiert filigrane, luftige Raumobjekte: Johannes Müller. Fotos: E. Layher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Obwohl sich Dietmar Kutter und Johannes Müller schon seit Jahrzehnten künstlerisch betätigen, ist es das erste Mal, dass sie ihre Arbeiten ausstellen – und das in einem ganz besonderen Ambiente. Aus dem unausgebauten Teil der Scheuer in Oberschöntal, deren Aufbau auf das Jahr 1809 datiert ist, haben die beiden Architekten und gelernten Schreiner in Eigenleistung eine private Galerie gemacht. Hier wurde eine Stellwand angebracht, dort Beleuchtung installiert. Im anderen Teil des Gebäudes befindet sich das Wohnhaus der Familie Kutter. Ganz vorzüglich fügen sich die Bilder und Kunstobjekte in das historische Bauwerk ein.

Grußworte bei der Vernissage sprach Erster Bürgermeister Michael Balzer. In einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem es immer mehr um das Thema Recycling geht, baut Dietmar Kutter Maschinen aus Schrott, führte er aus. Er entdeckt also in alten, wertlos gewordenen Dingen des Alltags (einem Mixer von Braun, alten Kanistern und Schaltelementen) eine versteckte Schönheit. Und die luftigen Objekte von Johannes Müller verleihen diesem profanen Scheunenraum große Energie, die ihn geradezu in Schwingungen versetzt, so Balzer weiter. Er hoffe, dass diese erste Ausstellung in der Barockscheune Oberschöntal nicht die letzte bleiben wird.

Eine Einführung hielt Klaus-Dieter Straub, ebenfalls Architekt und Lehrer im Bereich Medien und Design. Straub hob die spielerische Freude hervor, die Kutter beim Gestalten seiner Maschinen antreibt, aber zugleich ist dieser in der Lage, komplizierte, schalttechnische Vorgänge zu konstruieren. „Ein Künstler, der gleichzeitig Techniker ist.“ Aus Alltagsgegenständen wie Auto- oder Heizungsteilen, Sprühflaschen oder einem Quirl hat er seine Lichtmaschinen geschaffen. Es blinkt, blubbert, Luft und Wasser strömen durch Teile, wobei Geräusche entstehen. Immer Neues und Kurioses gibt es für den Betrachter zu entdecken. Manches versetzt in Erstaunen, anderes verleitet zum Schmunzeln.

Bei Kutters Bildern gibt es große Unterschiede in Malweise und Thematik. Seine früheren Werke sind noch gegenständlicher. Düster wirkt das Bild „Tod in Vezeley“ aus dem Jahr 1976, fast karikativ ist das Bild mit dem Titel „Bei den Steinböcken sind wir zuhause“ (1976). Farbenkräftig sind neuere Werke, bei denen abstrakte Farbkompositionen in Figürliches übergehen, wie in „Freundschaftlich treffen sich die Organe“. Augen tauchen in seinen Bildern immer wieder auf, und ein wiederkehrendes Motiv ist die Weiblichkeit. Seine skulpturalen Werke, etwa aus Kirschbaum oder Nussbaumwurzel, folgen den natürlichen Holzmaserungen und Astverläufen und tragen Titel wie „Elch im Anflug sucht Liebe“. Bei diesen Arbeiten geht Kutter nicht planerisch vor. Das Ergebnis entsteht aus gewachsenen Formen – auch für den Künstler ein spannender Prozess.

Filigrane, luftige Raumobjekte sind von Johannes Müller auf einem Zwischenboden, der über Stufen erreichbar ist, zu sehen. Durch Beleuchtung entsteht ein interessantes Spiel mit Licht und Schatten, das den Objekten Tiefe verleiht. Je nach Position des Betrachters verändern sich die grafischen Formen. Die dünnen Holzstäbe für die Gebilde wurden in Präzisionsarbeit von Müller selbst zurechtgesägt und gehobelt. Vlies ist teilweise eingefügt, das die Leichtigkeit noch unterstreicht. Frei im Raum schweben Werke wie „Das große Auge“. Eine andere Arbeit ist asiatisch inspiriert und einer japanischen Stadt nachempfunden. Ein Spannungsfeld entsteht in der Ausstellung zwischen den groben, aus Schrott hergestellten Lichtmaschinen, und den filigranen Objekten.

Die Ausstellung in der Barockscheune in Oberschöntal, Lindauer Straße 48, ist bis zum 30. September freitags, samstags und sonntags von 16 bis 19 Uhr geöffnet.