Stiftskirche hat Großes vor

Das historische Gebäude muss dringend saniert werden – Die Kosten belaufen sich ungefähr auf 3 Millionen Euro

Die Stiftskirche ist Keimzelle und Wahrzeichen der Stadt Backnang. Letztmals wurde das fast 900 Jahre alte Gebäude vor 55 Jahren generalsaniert. Jetzt ist es wieder an der Zeit. 3 Millionen Euro wird die Sanierung ungefähr kosten. Die Kirchengemeinde sollte dazu 900000 Euro beisteuern und will das Vorhaben im Oktober 2016 gestemmt haben.

Der Putz bröckelt: Im ganzen Gebäude, ob innen oder außen, zeigen sich immer mehr Schäden.Fotos: J. Fiedler/A. Fürniss

Die Stiftskirche ist Keimzelle und Wahrzeichen der Stadt Backnang. Letztmals wurde das fast 900 Jahre alte Gebäude vor 55 Jahren generalsaniert. Jetzt ist es wieder an der Zeit. 3 Millionen Euro wird die Sanierung ungefähr kosten. Die Kirchengemeinde sollte dazu 900000 Euro beisteuern und will das Vorhaben im Oktober 2016 gestemmt haben.

Von Renate Häussermann

 

BACKNANG. Dekan Wilfried Braun stellte die Maßnahme gestern Nachmittag der Presse vor. Was er da präsentierte, war bis ins Detail ausgetüftelt. Die Vorbereitungen sind bereits angelaufen, die Werbetrommel wird kräftig gerührt, ein Spendensammelteam ist schon in Aktion. Der zeitliche Ablaufplan steht fest, und so wie der Dekan dies gestern darlegte, scheint er auch einzuhalten zu sein: 2013/14 Planungs- und Vorbereitungsphase, 2015/16 Realisierung, 16. Oktober 2016 festliche Einweihung mit 900-Jahr-Feier.

Auftakt für das große Vorhaben ist am kommenden Sonntag, dem 1. Advent. Da beginnt das Kirchenjahr und da fängt auch die große Geldsammelaktion an. Der Dekan ist zuversichtlich, dass die Backnanger Christenwelt das Projekt kräftig unterstützen wird: „Sehr viele Backnanger identifizieren sich mit der Stiftskirche.“ Dass jetzt der Putz innen und außen von den Wänden fällt, die Feuchtigkeit im Mauerwerk und Risse an den Türen unübersehbar sind, die Heizung quietscht, im Gottesdienstraum die Podeste für Aufführungen gelagert werden und die Toiletten unzumutbare Provisorien sind, findet er insgesamt betrachtet „schändlich“.

Tatsächlich ist die Stiftskirche in ihrem jetzigen Zustand kein Aushängeschild. Deshalb ist es nicht nur dem Dekan, sondern auch der Vorsitzenden des Gesamtkirchengemeinderats wie auch des Stiftskirchengemeinderats, Dr. Ute Ulfert, fast schon peinlich, wenn sich auswärtige Gäste zur Besichtigung anmelden. Und deren gibt es viele aus aller Herren Länder, wie Wilfried Braun sagte. Denn die Stiftskirche birgt in ihren alten Mauern nicht nur die Krypta mit den Grabstätten der badischen Markgrafen, sondern auch kunsthistorische Schätze der besonderen Art. Da gibt es etwa den evangelischen Beichtstuhl aus dem Jahr 1679 oder die Nürnberger Bibel von 1560 oder die 400 Jahre alte eiserne Opfergeldtruhe oder den romanischen Türklopfer aus dem 12. Jahrhundert. Und nicht zu vergessen: der geschnitzte Schrank, entstanden um 1500, der als schönstes Exemplar nördlich der Alpen gilt. Besonders schön und von großer Bedeutung ist das Kreuzrippengewölbe aus dem Jahr 1505, das jetzt Feuchtigkeitsflecken aufweist.

In einer ersten Schätzung ging der Oberkirchenrat von einer Investition von 2,3 Millionen Euro aus. „Das ist sehr verhalten geschätzt“, sagt Dekan Braun. Er rechnet mit ungefähr 3 Millionen Euro. Von landeskirchlicher Seite darf die Kirchengemeinde mit einem Zuschuss in Höhe von 40 Prozent rechnen. Den Rest hat sie selbst beizusteuern. 100000 Euro hat die Kirche aus Rücklagen und Spenden bereits in der Kasse. Jetzt fehlen ihr noch 900000 Euro, die sie mit einer sogenannten Fundraising-Aktion aufzubringen versucht.

Es ist alles generalstabsmäßig durchgeplant. Es gibt bereits konkrete Aktionen. Die Konditorei Weller bietet zugunsten der Renovierung Stiftsdukaten an. Das Weinhaus Haar hat einen Backnanger Stiftswein im Sortiment. Es ist ein Trollinger mit Lemberger aus Michelbach. Irgendwann soll es ein Wein aus dem Kirchenbezirk sein, etwa aus Kleinaspach. Dann wäre da noch die Kreissparkasse Waiblingen, die die „Aktion 9“ ins Leben gerufen hat und damit den stattlichen Betrag von 324 000 Euro anstrebt. Auch die Volksbank Backnang lässt sich nicht lumpen mit ihrem Spendenbarometer. Beide Banken haben bereits Spendenkonten eröffnet und unterstützen das Projekt mit weiteren Aktionen.

Und was macht die Stadt? Auch sie wird sich beteiligen, wie OB Dr. Frank Nopper versicherte. Die Verwaltung werde dem Gemeinderat bei dessen nächster Sitzung am 13. Dezember einen Investitionskostenzuschuss vorschlagen. Der Betrag: 500000 Euro, verteilt auf die Jahre 2014, 2015 und 2016.

So betrachtet, steht das Vorhaben unter einem guten Stern. Überhaupt sei die Stiftskirchengemeinde in gutem Einvernehmen mit allen Konfessionen in der Stadt, freute sich Wilfried Braun: „Man sieht in der Backnanger Christenheit, dass die Stiftskirche die Keimzelle für alle Konfessionen ist.“ Dies ist um so wichtiger, als die Kirchengemeinde während der Bauzeit mit ihren Gottesdiensten vielleicht auch mal ausweichen muss. Dies ist noch nicht sicher, aber die katholische Kirchengemeinde Sankt Johannes hat schon mal angeboten, dass ein Ausweichen der Protestanten in ihre Johanneskirche kein Problem darstellen würde.