„Wir würden gern noch mehr machen“

Höhere Landeszuschüsse erlauben einen Ausbau der sozialpsychiatrischen Hilfen, machen aber Kürzungen von 2003 nicht wett

Diakonie und Caritas können dank höherer Landeszuschüsse ihre Hilfen für chronisch psychisch Erkrankte verstärken. Zugleich machen die Verantwortlichen aber klar, dass der möglich gewordene kleine personelle Ausbau die Kürzungen von 2003 nicht wettmacht.

Rücken Menschen, die wegen ihrer Erkrankung vereinsamt sind und sich von der Umgebung zurückgezogen haben, in den Mittelpunkt: Sozialpsychiatrische Hilfen. Foto: Kreisdiakonieverband

Von Armin Fechter

BACKNANG/WAIBLINGEN. Vor 25 Jahren hatte der Sozialpsychiatrische Dienst im Kreis seine Tätigkeit aufgenommen. An drei Standorten: In Schorndorf ist die Caritas der Träger, in Backnang und Waiblingen die Diakonie. War anfangs an einen schrittweisen Ausbau der Hilfen für chronisch psychisch Kranke gedacht, so verflog alle Euphorie spätestens 2003. Weil das Land knapp bei Kasse war, strich es Knall auf Fall seine Zuschüsse zusammen. Und das, nachdem sich schon die Krankenkassen aus der Finanzierung verabschiedet hatten. Doch es gab keinen Sturm der Entrüstung, schüttelt Gerhard Rall, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes, den Kopf. Menschen mit psychischen Erkrankungen hätten eben keine Lobby. Allein der Landkreis hielt damals an seiner Förderung fest.

Damit waren aber die Träger gezwungen, ihre Dienste zu verkleinern. Von den 8 Personalstellen im Kreis blieben 4,3 übrig. Entsprechend verschlechterte sich, wie Christoph Kaup, Fachleiter der Caritas Ludwigsburg-Waiblingen-Enz, erläutert, das Betreuungsverhältnis: Kamen vorher auf eine Personalstelle 50000 Einwohner, so waren es nun fast 100000.

Neuen Schwung ins psychiatrische Hilfesystem brachte der Regierungswechsel in Stuttgart. Aus Fraktionsmitteln machten Grün-Rot im vergangenen Jahr 2 Millionen Euro zusätzlich locker, um die Grundversorgung zu stärken und die frühere Kürzung abzumildern. Inzwischen ist auch klar: Der aktuelle Doppelhaushalt enthält 1,8 Millionen Euro. Damit verbunden ist die Auflage, die Gelder nicht für die Abmangelfinanzierung zu verwenden – dieser Eigenanteil der Träger macht laut Kaup etwa 15 bis 20 Prozent der Kosten aus. Mit dem erhöhten Landeszuschuss ist aber, so Rall, beileibe nicht der Bedarf gestillt, der sei deutlich höher, unterstreicht er und fügt an: „Wir hoffen, dass der Prozess noch weitergeht.“ Immerhin steigt, so Rüdiger Gähr (Fachbereichsleitung Sozialpsychiatrische Hilfen beim Kreisdiakonieverband), die Zahl der Stellen auf 5,6 (davon in Backnang 1,5) und das Versorgungsquote auf etwa 1:75000. Damit konnte bereits im vergangenen Jahr die Zahl der Hausbesuche spürbar erhöht werden. Gedacht ist auch daran, im Kontakt mit den Ordnungsämtern Fälle aufzuspüren, die nicht über die Kliniken bei den Diensten ankommen – wenn Betroffene etwa den Weg zur Hilfe nicht finden. Dennoch: „Wir würden gern noch mehr machen.“