Kurzweilig, witzig und pointiert

Ensemble Mundwerk gastierte im Steinbacher cje – Münchner Gruppe bot A-cappella-Musik

Gesangskunst der Extraklasse erwartete die zahlreichen Besucher in Steinbach. Dort brillierte das Münchner A-cappella- Ensemble Mundwerk mit einem grandiosen Auftritt. Der cje hatte dazu ins alte Schulhaus eingeladen.

Ganz nah bei den Zuhörern: Die Sänger aus München verstanden es prächtig, das Publikum in das Programm mit einzubeziehen.Foto: E. Layher

Von Mathias Klink

BACKNANG. Als „Gesangswunder“, „echtes Highlight“ oder als „mitreißend“ war die fünfköpfige Gruppe Mundwerk im Vorfeld ihres Auftritts bereits angekündigt worden. Und damit hatten die Veranstalter ganz bestimmt nicht übertrieben. Denn was Susanne Mörtl (Alt), Birgit Pfirstinger (Sopran), Sebastian Prittwitz (Tenor) und Jens Ickert (Bariton) ihrem Publikum boten, kann mit Fug und Recht nur als Gesangskunst der Extraklasse bezeichnet werden. Dies galt selbst für den kurzfristig als Vertreter für den erkrankten Oliver Zunker eingesprungenen Bass Christian Wolf. Seine Rolle als Ersatzmann wurde lediglich dadurch kenntlich, dass er als Einziger einen Notenständer vor sich hatte.

Kurzweilig, witzig und pointiert führten die Künstler abwechselnd selbst durch das Programm. Bis hin zur erklatschten und ertrampelten („Das ist uns neulich auch schon mal passiert“) Zugabe. Schon in ihrem ersten beschwingten Lied nach der Begrüßung durch Barbara Jeruslaem hatten die Solisten sich und ihre jeweiligen Parts bereits auf hohem Niveau vorgestellt. Und beim folgenden „Volare“ gleich die Zuhörer erfolgreich als rhythmische Begleiter gewinnen können. Spätestens hier war das Eis gebrochen.

Schöne und angenehme Stimmen, harmonischer Wohlklang und eine herausragende gesangliche Qualität blieben den ganzen Abend bestehen. Bekannte Lieder und Eigenkompositionen hingegen wechselten sich ab. Zuweilen wurden auch populäre Melodien mit neuem Text unterlegt. Selbst Bill Ramseys bekannter 60er-Jahre-Schlager „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ erklang in einer selten schönen Version. Und das Publikum wippte und schnippte mit.

Allein mit ihren Stimmen und völlig ohne Instrumente brachten die fünf Sänger mitunter so viel Schwung zustande, wie es eine ganze Big-Band wohl kaum vermocht hätte. Klasse beispielsweise auch das „Telefon-Talking.“

War „Hello, Mary-Lou“ der einstigen Versuchsküchenleiterin Marie-Luise Haase gewidmet (was aufgrund einer Verwechslung zum Genuss des Publikums eine längere Diskussion über deren Identität zur Folge hatte), wurden in „ohne Konjunktiv“ tiefsinnige Überlegungen nicht nur über Sprache angestellt. Und bildete die tragische Liebesbeziehung (zu einer Zigarette!) den Inhalt von „Wegen dir“, besangen die fünf Gesangswunder ihre Heimatstadt München mit ihrem weiß-blauen Herz sehr gefühlvoll. „’n Helles“ auf die Melodie von „Alice“ amüsierte die Zuhörer schließlich vor der Pause.

Umgezogen und mit „Turn your radio on“ gleich wieder voll eingestiegen, beeindruckte Mundwerk gleich danach mit einer herausragenden Interpretation von „What shall we do with the drunken sailor“. Mucksmäuschenstill wurde es indes, als – wie angekündigt – das französische Kinderlied „Frère Jacques“ von den fünf Sängern auf der Bühne des clubs junges europa tatsächlich sechsstimmig angestimmt wurde. Die Kunst des Obertonsingens wurde von Jens Ickert den Gästen unter deren Mitwirkung („Es sind einige Talente dabei“) daher nicht nur erläutert, sondern von dem Bariton mit einem irischen Volkslied bei Totenstille im Saal auch nochmals eindrucksvoll vorgeführt. Ein liebenswerter „Leitfaden für Damen“, präsentiert von den drei Herren, ein tolles „Engel von Rammstein“ – mit Zwischenapplaus gewürdigt – sowie das „Lass‘ mich rein“ eines an der falschen Tür bettelnden Heimkehrers schlossen den zweiten Teil des Klasse-Konzertes schließlich ab.

Vor ihrem letzte Lied „Chef sein“ versprachen die fünf Sänger, im nächsten Jahr wiederzukommen. Hoffentlich.