„Grüner Wandel soll nachhaltig wirken“

Bundesvorsitzender Cem Özdemir (Grüne) machte Station bei der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Backnang

„Warum sollen wir die Grünen wählen?“ – Diese Frage stellen sich vor der Bundestagswahl Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen. Um hierauf eine Antwort zu bekommen, haben Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Backnang, zusammen mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Einer gab Antworten: Cem Özdemir.

Will den grünen Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Jobs mit Zukunft: Der Vorsitzende der Bundes-Grünen und Bundestagsspitzenkandidat Cem Özdemir. Foto: J. Fiedler

„Warum sollen wir die Grünen wählen?“ – Diese Frage stellen sich vor der Bundestagswahl Menschen mit und ohne Migrationshintergrund gleichermaßen. Um hierauf eine Antwort zu bekommen, haben Bündnis 90/Die Grünen, Ortsverband Backnang, zusammen mit der Türkisch-Islamischen Gemeinde zu einer Diskussionsrunde eingeladen. Einer gab Antworten: Cem Özdemir.

Von Yvonne Weirauch

 

BACKNANG. Veggieburger habe er nicht dabei, sagte der Vorsitzende der Bundes-Grünen und Bundestagsspitzenkandidat für Baden-Württemberg, als er im Versammlungssaal der Türkisch-Islamischen Gemeinde eintraf. Und war mit dieser Aussage direkt beim Thema: „Jeder kann sich ernähren wie er will. Die Grünen wollen niemandem verbieten, Fleisch zu essen. Aber wir wollen, dass es Alternativen gibt.“ Die Grünen hatten bereits Ende April in ihrem Wahlprogramm die Forderung nach einem sogenannten Veggie-Day in Kantinen festgeschrieben, um die Gesundheit sowie den Tier- und Klimaschutz zu fördern.

Etwa 50 Zuhörer erwarteten das Urgestein der Grünen, Cem Özdemir. Mitten im Wahlkampf hielt der 47-Jährige keine lange Einleitungsrede, sondern brachte auf den Punkt, was seiner Partei wichtig ist und was sie – im Falle eines Wahlsieges – als Erstes angehen will: Energiewende, Gerechtigkeit, moderne Gesellschaft. Unter dem Motto „Zeit für den Grünen Wandel – Ideen für Deutschland und Europa“ ging er kurz auf Themen wie mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Klima- und Umweltschutz ein: „Es geht darum, dass wir alle miteinander schauen müssen, wie können wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber auch zu einer artgerechten Tierhaltung.“ Der Wandel solle nachhaltig wirken.

Die Gleichberechtigung zwischen Männer und Frauen sei ebenfalls ein wichtiges, zu behandelndes Thema: „Es kann nicht sein, dass Frauen weniger verdienen als Männer.“ Bei rund 20 Prozent liege der Gehaltsunterschied zwischen den Geschlechtern. „Das ist ein Skandal für ein Land, dass sagt, Frauen und Männer sind gleichberechtigt.“

Zudem glauben die Grünen fest an eine offene, moderne Gesellschaft: „Es ist nicht wichtig, wo jemand herkommt, sondern wo er hinwill.“ Man unterscheide nicht nach der Herkunft, sondern danach, wer mit anpacke. „Wer die Ärmel hochkrempelt, ist hier willkommen“, sagt der Politiker. Ob es mit dem Regierungswechsel klappt? Diese Frage höre er oft, sagt Özdemir und weiter: „Frau Merkel macht das ganz geschickt: Erst ist sie 31/2 Jahre im Tiefschlaf wie Dornröschen und kurz vor der Wahl wird sie wachgeküsst und aktiv, ist für Gleichberechtigung, Klimaschutz – für all die Dinge, für die SPD und Grüne auch sind.“ Aber die Wähler sollten auf die gesamten Jahre ihres Tuns schauen und dann entscheiden. Özdemir betonte, dass die SPD die einzige Partei wäre, bei der sich bei den Themen eine „gemeinsame Schnittmenge“ ergeben hätte. Das Ziel: „Wir wollen mit der SPD die Mehrheit, um dann regieren zu können.“ Nicht abwegig, wie Özdemir findet, denn: „Die meisten Bundesländer werden mittlerweile von Rot-Grün regiert.“

Fragen aus den Reihen der Zuhörer bezogen sich unter anderem auf die doppelte Staatsbürgerschaft und auf den Besuch von Claudia Roth in Istanbul, bei dem sie durch Tränengas verletzt wurde. „So engagiert hat sie sich nicht mal bei dem Thema Stuttgart21 verhalten, wie dort in Istanbul“, hieß es. „Auch ich war zu Beginn der Probleme und Ausschreitungen in Istanbul und habe gespürt, wie wichtig den Leuten dort diese europäische Solidarität ist. Deshalb schätze ich es sehr, dass Claudia Roth das auch vor Ort zeigte“, sagte der Grünen-Chef.

Versprechungen in punkto Atomausstieg oder Aufhebung des Visumzwangs machte der Politiker nicht. Aber er versicherte den Anwesenden: Sollten die Grünen die Bundestagswahl am 22. September gewinnen, werden auch diese Themen ganz oben auf der Agenda stehen.