Dem Landesherrn war er zu eigensinnig

Jubiläum – vom Kloster zur Stadt: Abt Herbord war beim Volk beliebt, wurde vom Graf aber wegen seiner aufmüpfigen Art entlassen
Auch heute noch in der Murrhardter Stadtkirche zu bestaunen: Der Grabstein des Abtes Herbord, der das Kloster vermutlich von 1452 bis 1468 leitete. Foto: J. Fiedler

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Unter den Äbten des Murrhardter Benediktinerklosters gab es neben Walterich noch weitere außergewöhnliche Persönlichkeiten. Doch erst ab dem Spätmittelalter sind nicht nur die Namen, sondern auch genauere Berichte über das Leben und Wirken einiger dieser Geistlichen überliefert. Sie besaßen inner- und außerhalb der Klostermauern Macht und Einfluss, denn neben den Mönchen mussten ihnen auch die Einwohner der Besitzungen des Klosters gehorchen.

Wohl am bekanntesten ist Abt Herbord, nach seinem Lieblingsausspruch „Botz Gütigott“ genannt. Nach Recherchen von Professor Gerhard Fritz, Christian und Dr. Rolf Schweizer entstammte er wohl dem niederen Adel. Wahrscheinlich kam er aus der Familie der Herren von Bönnigheim, deren Nachfahren evangelische Pfarrer in Bietigheim waren. Herbord wird in vielen Veröffentlichungen erwähnt und war wegen seiner originellen Art neben Walterich der beim Volk beliebteste Abt. Er leitete das Murrhardter Kloster wahrscheinlich von 1452 bis 1468 unter der Herrschaft von Graf Ulrich dem Vielgeliebten von Württemberg, der von 1442 bis 1480 regierte.

Herbords theologische und juristische Bildung war hervorragend. Gleichwohl galt er als schrulliger Zeitgeist und schwäbisch sparsames bis geiziges Original. Das Wohl seines Klosters lag ihm sehr am Herzen, und er bot der Obrigkeit unerschrocken die Stirn in Wort und Tat. Bei verschiedenen Anlässen verhielt er sich indes merkwürdig bis drastisch, sowohl gegenüber seinem Herrn Graf Ulrich, als auch gegenüber seinen Untergebenen.

Nach einigen Jahren hatte der württembergische Landesherr genug von dem aufmüpfigen, dickköpfigen und eigensinnigen Abt und enthob ihn seines Amtes. Herbords angeblich „wunderlicher“ Geisteszustand schien indes eine Übertreibung zu sein. Diese entstand offenbar rein aus dem Interesse heraus, eine politisch korrekte Amtsenthebung zu ermöglichen, um mit Wilhelm Egen einen für Württemberg angenehmeren Gegenabt installieren zu können. Doch lebte Herbord nach seiner Absetzung noch einige Jahre als einfacher Mönch im Murrhardter Kloster und starb 1473.

Georg Widmann erzählt in seiner 1550 fertiggestellten (Ersatz-)Chronik des Murrhardter Benediktinerklosters einige Anekdoten über Abt Herbord. Hier ein paar Kostproben, die sinngemäß in heutiges Deutsch übertragen sind: Als die Jäger des Grafen Ulrich noch mit Hunden nach Murrhardt kamen und es sich im Kloster wochenlang gut gehen ließen, reiste Abt Herbord nach Stuttgart und speiste am Hof des Grafen. Als er dies etliche Tage lang tat, fragte man ihn, ob er etwas vorzubringen hätte, so wollte man alles untersuchen und ihm dann darüber Bescheid erteilen. Darauf antwortete der gute, ehrliche Pater: „Botz Gütigott! Ich hab gemeint, Murrhardt sei ein Kloster von Kaiser Ludwig gestiftet, aber nun sehe ich, dass es ein Hundsstall ist. Denn meines gnädigen Herrns Dienerlein, welche die Hunde am Strick führen, logieren samt den Hunden da. Ich habe den Gesang meiner Mönche nicht mehr nötig, die Hunde heulen und bellen genug daselbst. Solang diese in meinem Kloster sein werden, will ich am Hof bleiben. Mein Herr kann mich leichter erhalten als ich seine Hunde.“

Darauf lächelte der großmütige Graf Ulrich ganz freundlich dem Abt zu und sprach zu ihm: „Gehet nur heim, mein lieber Prälat, dieser üble Gebrauch soll abgestellt werden.“

Abt Herbord war auch ein guter Wirtschafter und auf das Hauswesen sehr bedacht. Darum hatte er Gäste nicht gerne, sondern suchte sie sowohl vom Kloster Murrhardt als auch von seinem Hof zu (Groß-)Bottwar so weit wie möglich abzuhalten. Zu diesem Zweck ließ er auch keinen Weg um Murrhardt herum machen. Als die Reisenden ihn nach dem Grund fragten, antwortete er: „Botz Gütigott, es kehren ohnehin mehr Gäste hier ein, als ich gern wollte.“ Wenn manche Besucher länger als drei Tage im Kloster blieben, ließ er sie durch seinen Kammerdiener fragen, ob sie auch wüssten, warum Christus nicht länger als bis zum dritten Tag im Grabe geblieben sei.

Und wenn sie antworteten, sie wüssten es nicht, so erklärte ihnen der Kammerdiener: „Der Herr Abt sagt, Christus sei diese Zeit über bei seinen Freunden, den Patriarchen und Propheten, im Vorhof der Hölle gewesen und habe sie von dort herausgeführt. Damit wollte er uns lehren, wenn jemand einen Freund besucht und bei ihm bis zum dritten Tag bleibt, könne er in dieser Zeit genug erfahren, wie es mit ihm steht, und habe nicht nötig, länger zu bleiben.“ Als daraufhin die Gäste begriffen, dass sie beim Abt nicht länger gern gesehen waren, bestiegen sie ihre Pferde und ritten davon.

Herbord ließ seine Mönche und Diener auch keine Mäntel tragen. Denn er befürchte, so sagte er, dass sie das Kloster darunter wegtragen, weil sie ihre Diebstähle unter den Mänteln so gut verbergen könnten.