Öko-Reden zwischen Äpfeln und Birnen

Bundestagswahl 2013: Im Porträt Michael Straub, Kandidat der Grünen – Viele Diskussionen auf dem Wochenmarkt in Murrhardt

Es ist Markttag. Viele Menschen wuseln über den Platz vor dem Rathaus. Zwischen Birnen und Äpfeln, Kürbissen und Kohlrabi versucht Michael Straub potenzielle Wähler anzusprechen. Doch viele ignorieren den Grünen-Kandidaten, manche winken freundlich ab, einige schimpfen wie ein Rohrspatz, andere loben die Grünen über den Schellenkönig.

Gebacken mit Vollkornmehl aus biologischem Anbau: Unter den Augen des Konkurrenten Norbert Barthle (CDU-Plakat) bot Michael Straub gestern Marktbesuchern selbst gebackene Bio-Kekse mit grüner Zuckerglasur an. Foto: J. Fiedler

Es ist Markttag. Viele Menschen wuseln über den Platz vor dem Rathaus. Zwischen Birnen und Äpfeln, Kürbissen und Kohlrabi versucht Michael Straub potenzielle Wähler anzusprechen. Doch viele ignorieren den Grünen-Kandidaten, manche winken freundlich ab, einige schimpfen wie ein Rohrspatz, andere loben die Grünen über den Schellenkönig.

Von Florian Muhl

 

MURRHARDT. „Darf ich Ihnen eine kleine Stärkung anbieten? Bio-Kekse – so grün und ökologisch wie unsere Partei!“ Eine ältere Marktbesucherin schmunzelt, freut sich, dass sie so nett angesprochen wird. „Eigentlich wollte ich ja eine Frau wählen“, erklärt sie, „aber die einzige Frau ist die von der FDP. Und die mag’ ich wie Spitzgras. Jetzt muss ich doch einen Mann wählen.“ Ob es Straub sein wird? Sein Keks kommt jedenfalls bestens an.

„Meine Tochter hat sie gestern gebacken“, erklärt der dreifache Familienvater. „Ich komme ja aus einer Bäckerfamilie. Und das scheint bei meiner Tochter wieder durchzuschlagen.“ Straubs Backkünste halten sich in Grenzen. Aber: „Ich dachte, ich kann gut kochen. Bis meine Kinder angefangen haben, mich zu kritisieren.“ Seitdem ist der Diplom-Ingenieur für den Salat zuständig. „Und für die Rohstoffbeschaffung“, ist es ihm wichtig, zu ergänzen. Denn der Grüne aus Mutlangen achtet äußerst penibel darauf, wo und bei wem er einkauft. Gemüse ausschließlich aus biologischem Anbau und Fleisch nur dann, wenn die Tiere artgerecht gehalten werden.

Auch aus diesem Grund gefällt es Straub auf dem Markt in Murrhardt. Denn der Agraringenieur hat schon zwei Bio-Stände ausgemacht, einen Demeter und einen Bioland. In Gmünd gäbe es zwar auch zwei, aber dort sei der Wochenmarkt viel größer.

Schon ist die nächste Marktbesucherin am Stand, schimpft, dass sie mit der neuen Regierung ganz und gar nicht zufrieden ist. „Ich bin maßlos enttäuscht. Die Bildungspolitik, der Wegfall der Grundschulempfehlung, das Hin und Her mit HG8 und G9 – eine einzige Katastrophe.“ Und das mit dem Veggieday sei so kindisch. „Bei uns gibt’s schon immer mindestens einmal in der Woche was Süßes oder einen Auflauf. Dann muss ich das aber doch nicht Veggieday nennen.“ Warum diese Anglizismen, wenn’s nicht nötig ist, fragt sich die Murrhardterin. „Warum nicht vegetarischer Tag? Das klingt doch auch gut.“

Die Marktbesucherin kommt von einem zum anderen Thema: „Auch das mit der Klimaerwärmung wird hochgespielt. Was ich diesen Sommer schon gefroren habe – sechs Wochen an einem Stück – da kann das mit der Klimaerwärmung gar nicht so schlimm sein.“

Das mit dem Veggieday fuchst Straub. „Das sollte von uns Grünen ein ernsthafter Vorschlag und Diskussionsbeitrag sein. Jetzt wird das Thema leider von anderen Parteien und dadurch auch von den Medien durch den Kakao gezogen. Das Letzte, was wir wollen ist, anderen Leuten vorzuschreiben, was sie wann essen sollen. Die eigentliche Botschaft geht verloren.“ Überhaupt kommt dem Hobby-Politiker (Straub über Straub) die Landwirtschaft, eines der Kernthemen der Grünen, im Wahlkampf zu kurz. Sein Ziel ist es, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten Flächen in Deutschland zu erhöhen. Dann hätten einerseits die Bauern was davon, und andererseits wäre es eine tolle Umweltleistung für Deutschland – weniger Pestizide in Lebensmitteln, weniger Nitrat im Trinkwasser und ein Gewinn für den Pflanzen- und Artenschutz.

Und wieder kommt ein Marktbesucher vorbei, findet die Bio-Plätzchen „super gut“. Auch deshalb nachfolgend das Rezept: Jeweils 125 Gramm und jeweils Bio (versteht sich) Weizenvollkornmehl, Weizenmehl Typ 550, Zucker und Butter, zudem ein Päckchen Vanillezucker und vier Eigelb. Teig vermengen, einige Zeit im Kühlschrank kaltstellen, dann ausrollen (0,5 Zentimeter dick), ausstechen und bei 200 Grand zehn Minuten backen.