„Alle Bücher sind meine Kinder“

Zeitung in der Schule: Jugendbuchautor besuchte die 8. und 9. Klassen des Gymnasiums am Bildungszentrum Weissacher Tal

Der Jugendbuchautor Klaus Kordon besuchte Schüler der Klassen acht und neun des Bildungszentrums Weissacher Tal, um sein neustes Buch zu präsentieren. Dabei stand er den Mädchen und Jungen auch Rede und Antwort.

„Eine starke Leistung, mit 70 Jahren noch so fit zu sein“: Jugendbuchautor Klaus Kordon erzählte Bize-Schülern über seine Bücher. Foto: E. Layher

Von Lena Höfer

WEISSACH IM TAL. Dieser Tage bekamen die Gymnasiasten der Klassen acht und neun des Bildungszentrums Weissacher Tal Besuch von Klaus Kordon, einem der bekanntesten Jugendbuchautoren. Dieser stellte zwischen 9.15 und 10.45 Uhr sein neuestes Buch „Das Karussell“ vor. Doch bevor er begann, erzählte er ein klein wenig über sich und dabei wurde auch bekannt, dass er erst vor Kurzem 70 Jahre alt geworden war. Dafür bekam er einen kräftigen Applaus, da es aus der Sicht der Schüler eine starke Leistung ist, noch mit 70 Jahren so fit wie Klaus Kordon zu wirken. Danach begann er dann sein Buch vorzustellen.

Zuerst waren wichtige Dinge, wie zum Beispiel, warum er das Buch schreibt, eine kleine Vorgeschichte und Informationen zu dieser Zeit im Vordergrund. Später begann er einige Zeit aus seinem Buch vorzulesen und wechselte, wie es auch im Buch ist, immer wieder die Personen. Nach jedem Kapitel, das er vorgelesen hatte, machte er eine Pause, in der er frei erzählte, was in den nächsten Kapiteln, die er übersprang, geschieht.

Nachdem er das historische Buch, das eigentlich auch als seine eigene Kindheitsgeschichte gelten könnte, schmackhaft gemacht hatte, stand er Rede und Antwort auf die Fragen der Schüler und Schülerinnen. Eine Frage war zum Beispiel, wie lang er für Bücher brauche und wie lange er an seinem Buch „Krokodil im Nacken“ gearbeitet hatte. Seine Antwort darauf stieß auf Erstaunen der Schüler. Er arbeitet durchschnittlich eineinhalb Jahre an einem seiner historischen Bücher, brauchte jedoch für „Krokodil im Nacken“, das aus 800 Seiten besteht, drei Jahre.

Als er auf sein Lieblingsbuch seiner Werke angesprochen wurde, lachte er nur und meinte, ob die Schüler, wenn sie Kinder haben, auch einmal sagen können, welches sie am liebsten haben. So sei es bei ihm und seinen Büchern auch: „Alle Bücher sind meine Kinder“, sagte er, und er hätte keines mehr oder weniger lieb.

So ging das Treffen mit Klaus Kordon, mit der Möglichkeit, Bücher kaufen und signieren lassen zu können, zu Ende. Er hat allen die Kriegszeit zum Mitfühlen beschrieben und die Schüler sind von ihm, seiner Präsenz und seiner Ausdauer, sehr fasziniert.

Von Lena Höfer, Klasse 9c (Gymnasium), Bildungszentrum Weissacher Tal

Klaus Kordon wurde dieses Jahr 70 Jahre alt und bekam am 3. Oktober das Bundesverdienstkreuz für sein Gesamtwerk von Bundespräsident Gauck überreicht. Seine Bücher vermitteln einen lebendigen Eindruck von der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Kordon las aus seinem neuen Buch „Das Karussell“ vor. In dem Jugendroman verarbeitet er die Liebesgeschichte seiner Eltern. Für Kordon stand schon lange fest, dass er einmal ein Buch über seine Eltern schreiben würde, welche er beide schon in jungen Jahren verlor.

Kordons Lesung war sehr schön und auch interessant und gab uns allen einen sehr lebendigen Einblick in die Geschehnisse in Deutschland in der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Die Fragen an Autor Klaus Kordon stellten Thea Schüle und Dagmar Coelle. Klasse 8b (Gymnasium), Bildungszentrum Weissacher Tal.

Welche Bücher haben Sie in ihrer Jugend gelesen?

Huckleberry Finn, Robinson Crusoe und Bücher von Jules Verne. Die Jugendbücher waren aber nicht wie heute, sondern sie enthielten mehr Erziehung. In eurem Alter habe ich dann anderes gelesen: Weltliteratur. Es gab auch keine Bücher über Armut, Tod, Sexualität – das ging damals überhaupt nicht. Ich habe dann einfach anderes gelesen, russische, französische, englische Literatur...na ja, Weltliteratur eben.

Wie lange brauchen Sie für ein Buch?

Kommt darauf an. Viele Recherchen dauern natürlich länger. Meine historischen Romane haben so 400 bis 500 Seiten, dafür brauche ich im Schnitt eineinhalb Jahre – wenn man es also umrechnet, schreibe ich pro Tag etwa eine fertige Druckseite.

Wie werden Sie bezahlt?

Von meinem neuesten Buch zum Beispiel bekomme ich zehn Prozent, aber von einer Taschenbuchausgabe nur fünf Prozent des Verkaufpreises. Ihr seht also, Autoren können meist nicht so gut vom Schreiben leben, sondern haben meist noch einen Nebenjob. In Deutschland gibt es zirka 8000 Autoren, davon können etwa 800 von ihrem Geld leben.

Wünschen Sie sich, es hätte den Krieg nie gegeben?

Natürlich! Nur, was wäre dann geworden?...alles wäre ganz anders geschehen! Nur, wie?

Warum haben Sie angefangen, zu schreiben?

Irgendwann fängt man an, ich habe zum Beispiel mit Gedichten angefangen, dann wird man größer, die Schriftstücke werden besser. Wenn man seinen Senf dazugeben will, schreibt man. Und wenn es gut wird, schickt man es an einen Verlag.