Trauer ermöglicht ein intensives Leben

Hospizstiftung bietet viertägige Trauerreise an den Bodensee an – Im geschützten Rahmen kleine Schritte nach draußen wagen

Mit der Trauer Schritte wagen – eine gemeinsame Zeit am Bodensee. Die Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis bietet unter diesem Motto für Menschen, die um einen Partner trauern, vom 4. bis 8. Mai 2014 eine Trauerreise an. Auf dem Programm stehen nicht nur Gesprächsrunden und kreative Elemente. Unter anderem werden auch Ausflüge gemacht.

Trauer braucht Platz: Die Teilnehmer der Reise sollen lernen, die Balance ihres Lebens wieder zu finden.Foto: Hospizstiftung

Mit der Trauer Schritte wagen – eine gemeinsame Zeit am Bodensee. Die Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis bietet unter diesem Motto für Menschen, die um einen Partner trauern, vom 4. bis 8. Mai 2014 eine Trauerreise an. Auf dem Programm stehen nicht nur Gesprächsrunden und kreative Elemente. Unter anderem werden auch Ausflüge gemacht.

Von Matthias Nothstein

 

BACKNANG/WAIBLINGEN. Es ist auch bisher schon so, dass Trauernde nicht alleine gelassen werden. Es gibt zum Beispiel verschiedene Trauergruppen oder das Trauer-Café in Waiblingen. Doch nun bietet die Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis ein neues Angebot an: Eine viertägige Trauerreise. Ziel ist das Hotel Seehörnle am Bodensee. Dieses Angebot hat mehr Intensität und Tiefgang als die Trauergruppen, die sich nur einmal monatlich treffen. Hospizreferentin Susanne Stolp-Schmidt möchte damit ein anderes Klientel ansprechen. Den Teilnehmern der Trauerreise wird im geschützten Rahmen vermutlich mehr Unterstützung auf den Weg mitgegeben.

Einer der Gruppenleiter, Trauerbegleiter Karl Laux, hat die Erfahrung vor einigen Jahren bei einer Trauerreise nach Madeira am eigenen Leib erlebt und als sehr hilfreich empfunden. Für die Sozialarbeiterin Marlis Funk-Becker unterscheidet sich die Reise im Vergleich zu den Gruppentreffen dadurch, „dass der Austausch tiefer ist, da kann Gemeinschaft entstehen.“ Auch Hospizkoordinatorin Dorothea Leidig betont den Unterschied: „Es ist etwas anderes, ob man auch am Abend noch beisammen sitzt, oder ob jeder nach dem Treffen wieder alleine nach Hause geht.“

Für Karl Laux steckt in der Trauer auch Power. „Die Trauer ist ein Katalysator fürs Leben und ins Leben hinein“, so seine Erfahrung. Deshalb gehört sie nicht einfach nur zu einem Todesfall dazu, sondern sollte im gesamten Leben eine Rolle spielen. „Die Trauer ist die Chance, das Abenteuer des Lebens ganz zu erfassen. Sie ermöglicht ein intensives, dankbares Leben.“ Oft hört er Menschen sagen, „ich bin froh, wenn alles so bleibt wie es ist“. Dahinter steckt die Hoffnung, dass jeder sein Leben bewahren will. „Aber es wird nicht so bleiben. Irgendwann schlägt der Blitz ein.“ Wer sich mit der Trauer auseinandersetzt, für den ist die Katastrophe des Todes und der Schmerz nicht weg – das alles bleibt, „es ist aber die Chance, das Leben in seinen Höhen und Tiefen wieder wahrzunehmen“. Trauer und Leid gehören zum Leben, „wir müssen lernen, die Balance zu finden“. Laux sagt weiter: „Nicht das Ausbleiben von Trauer ist Glück.“

Bei der Reise sollen die Teilnehmer erfahren, was ihnen hilft. Leidig: „Was kann ich an Trauer zulassen, ohne darin zu versinken?“ Fakt ist für Funk-Becker, dass Trauer einen Ort braucht. Bloß wo den finden? „In der Firma geht es nicht. Den Kindern gegenüber soll es auch nicht sein. Und die Familie kann es bald nicht mehr hören.“ Deshalb ist die Reise für Trauernde ein gutes Angebot. Laux: „Das soll nicht heißen, mit der Reise habe ich die Trauer abgehakt. Sie soll aber Mut machen.“ Stolp-Schmidt erinnert daran, dass Nebel oft mit Trauer gleichgesetzt wird. Aber rückwärts gelesen heißt Nebel Leben. Es existiert folglich ein Wechselspiel zwischen Nebel und Leben. Bei der Reise geht es deshalb auch um den Wohlfühlcharakter. Die Teilnehmer sollen es sich gut gehen lassen. Der kulinarische Aspekt gehört ebenso dazu wie Ausflüge kultureller Art. Die Familien- und Sozialberaterin Ingrid Wahl lässt offen, was konkret geplant ist: „Wir haben viele Ideen. Wir werden schauen, was zu den Leuten passt.“

Dieser Schritt nach draußen, der Schritt in die Normalität, fällt vielen Trauernden nicht einfach. Laux: „Sie trauen sich gar nicht, Freude zu haben. Freude, die sie gerne mit ihrem Partner geteilt hätten.“ Funk-Becker weiß, dass viele Trauernde sogar Schuldgefühle gegenüber ihrem verstorbenen Partner wegen solcher Freuden haben. Sie erklärt, dass es Strategien gegen dieses Denken gibt. „Man kann den Partner in seiner Fantasie in die Freude mithineinnehmen, ihn in das Erlebnis integrieren.“

Wer sich näher über die Trauerreise informieren möchte, der erhält nicht nur bei der Hospizstiftung Rems-Murr-Kreis unter der Telefonnummer 07191/ 344194-0 nähere Auskünfte, sondern der kann sich beispielsweise auch im Trauer-Café in Waiblingen mit Verantwortlichen unterhalten. Dieses niederschwellige Angebot für trauernde Menschen findet in diesem Jahr noch am 22. November und am 13. Dezember im Restaurant Staufer Kastell in Waiblingen, Salierstraße 5/1 statt. Nähere Informationen auch zu den verschiedensten Trauergruppen, die im Landkreis von der Hospizstiftung, dem Kreisdiakonieverband oder einzelnen Kirchengemeinden angeboten werden, gibt es im Internet unter www.hospiz-remsmurr.de.

 

Trauerreise
Reisedauer: 4. bis 8. Mai 2014
Unterkunft: Hotel & Gasthaus Seehörnle, Gaienhofen-Horn, Telefon 07735/ 93770-0
Kosten: 575 Euro inklusive Vollpension und Trauerbegleitung, ohne Ausflüge
Anmeldung bis 20. Januar
Trauerbegleiter: Ingrid Wahl (Welzheim), Marlis Funk-Becker (Winnenden),

 Karl Laux (Schorndorf)