Ein kleiner weißer Hoffnungsschimmer

Sozialpsychiatrischer Dienst feiert sein 25-jähriges Bestehen – Projekt Malraum in der Dienststelle am Burgplatz

Der Sozialpsychiatrische Dienst im Kreisdiakonieverband Rems-Murr-Kreis feiert in diesen Tagen sein 25-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hatte diese Einrichtung ihre Klienten im Rahmen des Projekts Malraum zu einem Malnachmittag der besonderen Art in die Dienststelle am Backnanger Burgplatz eingeladen.

Malen dürfen, ohne es gut machen zu müssen: Freies Malen des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Rahmen des Projekts Malraum. Foto: E. Layher

BACKNANG (efi). „Ich glaub, ich werde ein schwarzes Bild malen, höchstens vielleicht mit einem kleinen weißen Hoffnungsschimmer“, sagt einer der Teilnehmer vor Beginn der Veranstaltung zu seiner Nachbarin. Gespannte Erwartung liegt in der Luft. Nach kurzen Lockerungsübungen erläutert die Leiterin, Birgit Greiner, den Grundgedanken des Malraums: Malen dürfen, ohne es gut machen zu müssen, und malen dürfen, ohne dass die Bilder hinterher interpretiert werden.

Die Leiterin lädt dazu ein, die Verantwortung für das, was da entstehen will, getrost dem Pinsel – und damit der eigenen Intuition – zu überlassen: „Wie will das, was gerade in mir ist, aufs Papier?“ Birgit Greiner, ausgebildet in Intuitivem Malen und früher selbst im Sozialpsychiatrischen Dienst tätig, ermutigt die Anwesenden, der inneren Stimme Raum zu geben, da sein zu lassen, was da ist.

Zunächst noch ein wenig zaghaft, dann immer freier und spielerischer fließen die Farben aufs Papier, und es entsteht eine beinahe meditative Atmosphäre von Konzentration und Achtsamkeit. Sorgsam begleitet die Sozialpädagogin den Prozess. Die Haltung, nur zu beobachten und nicht zu bewerten, bezieht sie nicht nur auf die entstehenden Bilder, sondern ebenso auf innere Vorgänge: Auch der Ärger einer Teilnehmerin darüber, dass das Bild nicht so geworden ist, wie sie es wollte, darf sein. Greiner bietet der Teilnehmerin an, einfach wahrzunehmen: „Ah, so schnell ärgere ich mich über mich.“

Immer wieder ermutigt Birgit Greiner die anwesenden Teilnehmer, sich zu erlauben, frei wie ein Kind mit den Farben zu spielen, ohne sich anzustrengen und ohne zu wissen, was es werden soll. Wenn gelegentlich dennoch der Malfluss ins Stocken gerät, ist die Leiterin zur Stelle. Mit Fragen wie „Was würden Sie sagen, wo fehlt noch etwas auf dem Bild?“ oder „Wenn jetzt etwas Überraschendes passieren würde, was könnte das sein?“ ebnet sie durch die Achtsamkeit auf sich selber den Weg in den kreativen Ausdruck.

„Aufgrund ihrer psychischen Erkrankung und geringer finanzieller Mittel sind die Möglichkeiten unserer Klienten, am kulturellen Leben teilzuhaben, oftmals stark eingeschränkt“, sagt Rüdiger Gähr. „Umso mehr freuen wir uns, dass wir ihnen mit Unterstützung durch die Bürgerstiftung Backnang dieses kreative Angebot unterbreiten konnten“, so der Fachbereichsleiter Sozialpsychiatrische Hilfen weiter.

Zum Abschluss des Malnachmittags lädt Greiner die Anwesenden nochmals ein, das Erlebte mit den anderen zu teilen. „Für diese zwei Stunden habe ich alles Belastende, Bedrückende, alle Sorgen und trüben Gedanken, die mir sonst ständig im Kopf herumgehen, beiseiteschieben können“, erzählt der Teilnehmer, der das schwarze Bild malen wollte. Auf einem seiner Bilder ist eine Sonne zu sehen, die ihre Strahlen aussendet. Eine Sonne in den Farben Gelb und Rot.