Bei Unvernunft hilft kein Verbot

Bericht zu Motorradlärm und -raserei: Maßnahmen müssen verhältnismäßig bleiben

Es mag noch so viel Aufklärungsarbeit, noch so viele Verbote oder Beschränkungen geben, gegen die Unverbesserlichen ist man machtlos. Eine nüchterne Bilanz war es, die das Landratsamt in Sachen Motorradlärm und -raserei auf Antrag der CDU-Kreistagsfraktion zog.

Präventionsplakate „Raser verlieren“ an stark befahrenen Motorradstrecken: Maßnahmen wie diese oder entsprechende Beschilderungen an gefährlichen Straßenabschnitten wie der Fischbachkurve (rechts) fruchten bei vielen, aber nicht bei allen Bikern. Archivfotos: A. Wahl/ Landratsamt

Von Nicola Schneider

WAIBLINGEN. Acht Motorradfahrer sind im Jahr 2009 im Rems-Murr-Kreis ums Leben gekommen. Das sind sechs mehr als in 2008. „Ich will es nicht verhehlen. Das hat erschreckt“, sagte Landrat Johannes Fuchs gestern im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages. Die CDU-Fraktion hatte beantragt, das Landratsamt möge über die gemachten Erfahrungen und über geplante Maßnahmen bei der Bekämpfung von Motorradlärm und -raserei berichten.

Umfassend erläuterten deshalb Erhard Pscheidt, Fachbereichsleiter Straßenverkehr, und der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Waiblingen, Polizeidirektor Peter Hönle, wie man durch Aufklärungsarbeit, Verbote oder Sicherheitsmaßnahmen entlang der Strecken gegen Raser und Lärmer vorgeht – angefangen von Präventionsplakaten und Motorradtagen am Ebnisee über Lärmmessgeräte und aufwendige Geschwindigkeitskontrollen bis hin zu Unterfahrschutz an Leitplanken oder Überholverboten. Beim Großteil der Motorradfahrer scheinen die Sicherheitsmaßnahmen zu fruchten – zumindest hat sich die Zahl der Unfälle mit leicht- und schwerverletzten Motorradfahrern seit 2006 fast halbiert, so Hönle. Doch drei Prozent gehören zum „schwer belehrbaren, schwer beeinflussbaren Klientel“ (Fuchs). Und bei diesen „Verrückten“, so Hönle, scheinen Verbote zwecklos. Fast alle der in 2009 tödlich verunglückten Motorradfahrer hätten die üblichen Todsünden wie massive Geschwindigkeitsüberschreitung oder Missachtung der Verkehrsregeln begangen.

Der BUND-Kreisverband Rems-Murr hat kürzlich die verfehlte Sicherheitspolitik des Landkreises angeprangert (wir berichteten). Pscheidt stellte deswegen klar, dass die Sicherheit auf beliebten Biker-Strecken wie der Sulzbacher Steige durchaus gewährleistet ist, wenn die bestehenden Schilder beachtet werden. Von drastischen Geschwindigkeitsbeschränkungen oder gar Streckensperrungen für Motorräder halte er deshalb wenig. Sie müssten von allen befolgt werden, obwohl sie nur wenige Unvernünftige verursachen. Als unrealistisch bezeichnete er, dass durch restriktive Maßnahmen leiserer oder sicherer gefahren werde. Schlüssel zum Erfolg – sprich, zu mehr Disziplin auf den Straßen – sind Kontrollen, so der Landrat. Trotz dünner Personaldecke und anderen Brennpunkt-Themen wolle man auch heuer ranklotzen und Präsenz zeigen, versicherte Polizeidirektor Hönle. Aber in gewissen Bereichen seien auch der Polizei die Hände gebunden, beispielsweise beim Lärmschutz, wo die Schwellen für Grenzwerte eher erhöht als heruntergeschraubt würden.

Die getroffenen Maßnahmen müssen verhältnismäßig bleiben, an gefährlichen Streckenabschnitten sind bereits Schilder aufgestellt und die Polizei, tut laut Landrat ohnehin schon „mehr als nur Dienst nach Vorschrift“. Den Aufwand noch zu steigern, ist nur sehr schwer möglich oder nicht sinnvoll, stellte Dr. Werner Barth (SPD) nüchtern fest: „Was wir eigentlich brauchen, sind andere Menschen mit anderen Köpfen.“