„Sie dürfen die Rechnung nie ohne Backnang machen“

Dokumentiert: Auszüge von Frank Noppers Dankesrede nach seiner Wiederverpflichtung

(rf). Von Beifall und zustimmendem Lachen unterbrochen – davon träumt fast jeder Redner. OB Dr. Frank Nopper wird diese Ehre zunehmend zuteil. Weil er seine Reden noch immer zu toppen weiß, weil viele Zuhörer schon gespannt drauf warten, was und wie er es diesmal anfasst. Wir dokumentieren nachstehend Auszüge seiner Dankesrede nach seiner Neuverpflichtung:

Präsentierte wiederum ein verbales Feuerwerk: Amtskettenträger Frank Nopper.Fotos: E. Layher

Bei der Amtseinsetzung des amerikanischen Präsidenten wird regelmäßig eine Hymne auf die Schönheit Amerikas gesungen. Deswegen habe ich mir von unserem Städtischen Blasorchester eine Hymne auf die Schönheit Backnangs gewünscht. Diese haben Sie gerade eben gehört, in Form des Backnanger Traditionsmarsches „Hui Gerber“, der (...) etwas in Vergessenheit geraten ist und den unser Dirigent Günther Neher (...) ans Ohr der Welt befördert hat. Der Dirigent unserer damaligen Stadtkapelle, Albert Tittel, hat den Marsch komponiert. Backnang ist zwar schon längst nicht mehr die Süddeutsche Gerberstadt, aber der Traditions-Schlachtruf „Hui Gerber“ strahlt etwas (...) Dynamisches aus und hat deswegen nichts an Aktualität verloren. (...) „Hui Gerber“ ist also fast so etwas wie unser „Yes, we can“ – das ja in der schwäbischen Variante „Mir schaffet des!“ lautet ...

Sehr geehrter Herr Stadtrat Dr. Schwarze, vielen herzlichen Dank für Ihre gelungenen Ausführungen, die Sie für den Gemeinderat (...) gemacht haben. In den Nächten vor Gemeinderatssitzungen mit strittigen Tagesordnungspunkten ist mir hin und wieder Bundeskanzler Konrad Adenauer im Traum erschienen. Vor ihm sollen einmal Mitglieder einer oberschwäbischen Delegation mit den Worten protestiert haben: „Mir sen aber net hier, Herr Bundeskanzler, dass mir einfach zu ällem Ja und Amen sagen.“ Adenauer antwortete darauf in Kölsch: „Dat is auch jarnich nötich, meine Herren. Mir jenücht schon, wenn se Ja sagen.“ Dieser Traum von der Zustimmung des Gemeinderates ist zwar in den meisten Fällen, aber natürlich nicht in allen Fällen in Erfüllung gegangen ...

Herr Regierungspräsident, lieber Johannes Schmalzl, die Zusammenarbeit zwischen Regierungspräsidium und Stadt Backnang ist konstruktiv, offen und vertrauensvoll – auf schwäbisch: Mir schaffet net gegeneinander, sondern feschte miteinander. Die Stadt Backnang verdient und braucht aber auch in Zukunft Ihre regierungspräsidiale Förderung und Wertschätzung. Das sind Sie schon allein meinem Urgroßvater Regierungspräsident Albert von Häberlen schuldig, der im Königreich Württemberg einer Ihrer Vorgänger war – zunächst im Neckarkreis mit Sitz in Ludwigsburg und später im Jagstkreis mit Sitz in Ellwangen. Er soll sich übrigens am unbotmäßigen Heilbronner Oberbürgermeister Hegelmaier die Zähne ausgebissen haben. Keine Angst, lieber Johannes Schmalzl, Backnang ist nicht Heilbronn und der amtierende Backnanger OB ist für seine Friedfertigkeit und Degenmäßigkeit bekannt ...

Mit Herrn Oberbürgermeister Palm (...) verbindet mich eine langjährige Freundschaft. In Studientagen hat er mir in der Tübinger Universitätsbibliothek die begehrten Rechtskommentare weggeschnappt und bei den Festen die attraktivsten Kommilitoninnen. Heute setze ich alles daran, dass Backnang bei den attraktivsten ansiedlungswilligen Unternehmen vor Fellbach zum Zug kommt. Es ist mir eine große Freude und Ehre, dass Bácsalmás’ Bürgermeister Endre Zalántai den weiten Weg aus Südungarn nicht gescheut und ein Grußwort an uns gerichtet hat ...

Es ist ein gutes und willkommenes Zeichen, dass Landrat Johannes Fuchs zu der heutigen Veranstaltung an die Murr geeilt ist. Das Verhältnis zwischen Rems-Murr-Kreis und Backnang war in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand von Ansprachen und Grußworten (...) Bei der Neuverpflichtung von OB Martin Dietrich im Jahr 1974 (...) sagte dieser: „Backnang fühlt sich nicht nur benachteiligt, es ist benachteiligt und das ist nachweisbar. Wenn es nicht gelingt, im Rems-Murr-Kreis mehr Verständnis zu wecken für die besondere Situation und die besonderen Probleme des Raumes Backnang, dann allerdings sehe ich in dieser Richtung sehr pessimistisch in die Zukunft.“ Zwölf Jahre später bei der Amtseinsetzung von OB Hannes Rieckhoff wurde erneut der vielen Backnangern immer noch fremde Neukreis an Rems und Murr thematisiert. Der Erste Bürgermeister Walter Schmitt sagte damals: „Der Verlust des Kreissitzes durch die 1971 vollzogene Kreisreform schmerzt uns zwar immer noch, doch können wir feststellen, dass sich zwischen dem Rems-Murr-Kreis und der Stadt ein vertrauensvolles Verhältnis entwickelt hat.“ Der damalige Rems-Murr-Landrat Horst Lässing ging knitz auf die Schmitt’schen Schmerzen ein und sagte: „130 Millionen DM Schmerzlinderungsmittel sind in den letzten 10 Jahren in Backnang investiert worden“ ...

In den letzten Jahren mögen teilweise auch Schmerzlinderungsmittel eingesetzt worden sein, in der Krankenhausfrage jedenfalls waren es eindeutig Schmerzverstärkungsmittel. Das Verhältnis zwischen Backnang und dem Rems-Murr-Kreis ist seit jeher ein solches eigener Art. In jedem Falle ist es völlig andersgeartet als das Verhältnis zwischen dem Altkreis Waiblingen und dem Rems-Murr-Kreis. Es erinnert mich manchmal etwas an die Beziehung einer Schwiegermutter zu ihrer heiß geliebten Tochter einerseits und zu ihrem argwöhnisch beäugten Schwiegersohn andererseits – der Rems-Murr-Kreis als Schwiegermutter, der Altkreis Waiblingen als heiß geliebte Tochter und der durch die Gebietsreform gerupfte und geschrumpfte Altkreis Backnang als argwöhnisch beäugter Schwiegersohn (...). Ob wir Backnanger in diesem irdischen Leben noch zum Musterschwiegersohn werden, weiß ich nicht (...) Herr Landrat, Sie dürfen die Rechnung sowieso nie ohne Backnang machen – zu allen Zeiten und an allen Plätzen der Welt. Das musste vor Ihnen sogar schon Kolumbus erfahren. Als er in Amerika landete, rief ein Bootsmann aus Waiblingen in das Häuflein staunender Indianer: „Isch koiner vo Waiblenga do?“ und erhielt die Antwort: „Noi, aber vo Backana!“ (...)

Liebe Backnangerinnen und Backnanger, ich bedanke mich aufrichtig und in aller Form für das überwältigende Vertrauen bei der Oberbürgermeisterwahl mit 86,8 Prozent der Stimmen. Mit diesem Ergebnis im Rücken gehe ich gestärkt und voller Zuversicht in meine zweite Amtszeit als Oberbürgermeister der Stadt Backnang, die mich in all ihren Facetten immer wieder aufs Neue begeistert. Ich freue mich deswegen auf eine zweite Amtszeit in der Stadt der Badischen Markgrafen im Herzen Württembergs, in der altehrwürdigen königlich württembergischen Oberamtsstadt, in der vormaligen Süddeutschen Gerberstadt, in der Kreisstadt des unvergessenen Altkreises Backnang, in der ältesten Großen Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis, in der unangefochtenen „Landesstraßenfest-Hauptstadt“, in der vitalen Murr-Metropole – Herz und Mitte des gesamten Murrraumes, im deutschen Zentrum der Satellitenkommunikation und nicht zuletzt in einem der schönsten Fachwerkrathäuser in ganz Südwestdeutschland.