Kein BK, aber RM ist besser als WN

Kennzeichen-Papst spricht sich für neue Kfz-Kennzeichen aus – Der Main-Kinzig-Kreis als mögliches Vorbild

Kommt das BK-Autokennzeichen zurück? Was viele alte Backnanger gerne hätten, wird ein Wunsch bleiben. Eine geradezu revolutionäre Forderung kommt aber jetzt vom deutschen Autokennzeichen-Papst, dem Heilbronner Wirtschaftsprofessor Dr. Ralf Bochert. Er empfiehlt: Weg mit WN – Her mit RM!

Sieht doch schön aus: BK-Kennzeichen. Leider ist es an einem Auto aus dem Kreis Börde angeschraubt und nicht an einem aus dem Rems-Murr-Kreis.Foto: E. Layher

Von Peter Wark

BACKNANG. Bochert setzt sich mittlerweile bundesweit für die Reaktivierung alter Kennzeichen ein und fordert „das Recht auf den eigenen Namen“.

Hoffnung kann er allen Lokalpatrioten und Anhängern des Altkreises Backnang allerdings nicht machen. BK wird es hierzulande wohl nie wieder geben. Das steht jetzt bekanntlich für den Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Aber das von vielen ungeliebte und als von oben verordnet empfundene WN muss es ja auch nicht sein. Diesen Standpunkt vertritt der Leiter der Fachgebiete Volkswirtschaftslehre und Destinationsmanagement im Studiengang Tourismus an der Hochschule Heilbronn. Mit seiner „Initiative Kennzeichenliberalisierung“ machen er und seine Studenten bundesweit Schlagzeilen. Eigene Kennzeichen fördern die Identität, sagt Bochert.

Genau auf dieses identitätsstiftende Moment müssten Autobesitzer in etwa 100 deutschen Stadt- und Landkreisen verzichten. Aber: Sehen die Betroffenen, nämlich die Autofahrer ohne „eigenes“ Kennzeichen das genau so? Um das herauszufinden, hat der Wissenschaftler sein umfangreiches Forschungsprojekt gestartet. Etwa 350 Kommunen wurden von ihm angeschrieben, über 100 haben bereits reagiert. Die Ergebnisse der Befragungen sollen in einer ersten Kurzstudie im Sommer vorgestellt werden.

Die Auswertungen zeigen jetzt schon, welche Emotionen zwei oder drei Buchstaben auf einem Blechschild bei den Leuten hervorzurufen in der Lage sind.

Zurück in den Kreis: Sollen die Waiblinger doch ruhig ihr WN behalten, sagt der Professor; aber eben nur die Waiblinger. Die Autofahrer aus den anderen Gemeinden des Rems-Murr-Kreises würden beispielsweise mit einem RM gut fahren, kann sich der Marketingexperte vorstellen. Das könne „eine innere Verbindung der Menschen im Kreis schaffen“. Und, Verantwortliche im Landratsamt aufgepasst!: „Das wird mit WN nie gelingen.“

Als Vorbild nennt Bochert den Main-Kinzig-Kreis in Hessen. Dort wird nur die Stadt Hanau durch HU repräsentiert. Die Autofahrer aus dem übrigen Kreisgebiet fahren seit dem Jahr 2005 mehr oder weniger stolz ihr MKK an der Stoßstange spazieren. Ob das nun eine besonders attraktive Buchstabenkombination ist oder nicht, sei einmal dahingestellt.

RM statt WN für Backnang und Umgebung? Ganz so einfach ist das nicht. Denn RM gibt es bereits. Besser gesagt: noch. Es wird als auslaufendes Kennzeichen für den ehemaligen Landkreis Röbel in Mecklenburg-Vorpommern verwendet. Wenn denn ein Wille wäre, würde sich auch ein Weg finden. Bei einem Interesse des Rems-Murr-Kreises am RM-Kennzeichen müsse dies beim Land Mecklenburg-Vorpommern beantragt werden, sagt Bochert. Andersherum habe es mit dem alten BK-Kennzeichen ja auch funktioniert.

Die Geschichte eines eigenen Backnanger Kennzeichens war eine relativ kurze. 1956 war BK eingeführt worden. Mit der Auflösung des Landkreises zum Ende des Jahres 1972 begann bei Neuzulassungen die WN-Ära.

Die baden-württembergische Lösung, die Kennzeichen an den Kreisstädten festzumachen ist nach Bocherts Ansicht längst überholt. Sie entspreche „weder modernen Marketingaspekten noch dem zu vermutenden Wunsch der Bürger nach einem identitätsstiftenden Bezug zum Landkreis“.

Während das Comeback des BK-Kennzeichens für Backnang ausgeschlossen scheint, hat der Heilbronner Marketingexperte den Lokalpatrioten in der näheren Umgebung den Mund wässerig gemacht. Bei einer Befragung von 200 Crailsheimer Bürgern, die mit SHA unterwegs sind, haben seine Studenten ein geballtes Interesse an der Wiedereinführung des alten CR-Kennzeichens ausgemacht. Ähnlich sieht es in vielen anderen Städten aus, in denen die Bevölkerung befragt wird. In einer globalisierten Welt würden viele Menschen gerne (wieder) ihren Ortsnamen im Schilde führen.