Gemeinsam gegen Mistel-Plage

Gemeinde will Aktion im Herbst beginnen

Vor lauter Misteln sieht man manche Bäume nicht mehr. Wir sind hier wohl die Mistel-Hochburg, mutmaßte Bürgermeister Weinbrenner in der Gemeinderatssitzung. Nun wird dem Gewächs der Kampf angesagt. Gemeinde und Landkreis machen gemeinsame Sache.

Übles Gewächs: Misteln machen altgediente Obstbäume nieder.Foto: A. Becher

ASPACH. Dass der Befall mit Misteln vorzugsweise an älteren Apfelbäumen übermäßig zugenommen hat, erkennt jeder, der mit einigermaßen offenen Augen in die Landschaft guckt. In Aspach soll dies aber besonders ausgeprägt sein. Warum dies so ist, weiß niemand so richtig genau. Ohne Gegenmaßnahmen werden in den kommenden Jahren Bäume großflächig absterben, schreibt Ordnungsamtsleiter Albert Dietz in der Sitzungsvorlage. Dies hätte letztlich Auswirkungen auf das Ökosystem und das Landschaftsbild, vom schwäbischen Most mal ganz zu schweigen.

Warum es so ist, wie es ist, dürfte wohl an der mangelnden Pflege der Obstbaumbestände liegen. Dietz vermutet, dass die Stücklesbesitzer in vielen Fällen überfordert oder aus Altersgründen nicht mehr in der Lage sind, entsprechende Pflegemaßnahmen vorzunehmen. Eine Unterstützung ist dringend erforderlich.

Sogleich meldete sich Markus Kaumeyer (FWA) zu Wort. Es könne ja wohl nicht sein, dass die Gemeinde jetzt die Bäume von Privatleuten pflege. So sei es nicht, widersprach der Bürgermeister. Vielmehr sei die Gemeinde selbst Besitzerin von zahlreichen Streuobstwiesen, und da sehe es auch nicht besser aus.

Nun ist der Landkreis bereit, den Frontalangriff auf die Aspacher Misteln im Rahmen der Streuobstpflege finanziell zu unterstützen. Über drei Jahre hinweg sollen jeweils 10000 Euro in den Aspacher Haushalt eingestellt werden, wovon man sich jeweils 5000 Euro wieder vom Landkreis per Zuschuss zurückholen will. Mit dem Geld will sich die Gemeinde entsprechende Geräte anschaffen. Allerdings darf man sich das jetzt nicht so vorstellen, dass die Bauhofmitarbeiter nun zu Mistelbekämpfern ausgebildet werden. Nein, in Aspach hofft man auf willige Helfer aus den Vereinen, vorzugsweise aus den Obst- und Gartenbauvereinen.

Beginnen soll die Aktion im Herbst auf den gemeindeeigenen Flächen. Und da baut man auf die Mithilfe der Pächter. Zug um Zug könnten auch private Flächen einbezogen werden, allerdings müssten sich die Eigentümer in angemessener Form beteiligen.

Peter Hanisch (CDU) erinnerte sich, dass es einmal hieß, die Mistel stünde unter Naturschutz. Das ist ein Missverständnis, entgegnete Albert Dietz. Tatsächlich machte diese Behauptung einmal die Runde. Es mag wohl damit zu tun haben, dass der englische Brauch des Küssens unterm Mistelzweig hierzulande zunehmend Anhänger fand und das gewerbsmäßige Sammeln der Mistelzweige behördlicher Genehmigung bedarf.

In der Sitzung besann man sich auch des guten, alten Baumwarts, der einstens die Obstbestände im Blick und im Griff hatte. Einen solchen wieder durch die Fluren zu schicken, ist bei der maladen Finanzlage der Gemeinde nicht drin. Gleichwohl begibt sich die Gemeinde jetzt auf die Suche nach einer fachlich geeigneten Person (Sitzungsvorlage), die die Aktion weitgehend selbstständig durchführen kann. Eine angemessene Entschädigung wird in Aussicht gestellt. Aber alles nur, wenn der Landkreis sich an der Aktion zu 50 Prozent beteiligt.