(Fast) alle Bewerber wurden mit Gleis 1 konfrontiert

Vor der Bürgermeisterwahl: Fünf Kandidaten stellten sich in der Gemeindehalle vor Nach jeweils 15 Minuten Redezeit folgten Zuschauerfragen, mal keine, mal sechs

Großes Interesse herrschte bei der Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl am Donnerstagabend. Die fünf ernsthaften Bewerber präsentierten sich nacheinander in maximal 15 Minuten. Danach hatten die Bürger das Wort.

Bekunden mit ihrem Erscheinen, dass sie großes Interesse daran haben, die Bürgermeister-Kandidaten (näher) kennenzulernen: 800 bis 900 Bürger waren am Donnerstagabend in die Gemeindehalle von Oppenweiler gekommen. Fotos: A. Becher

OPPENWEILER. Könnten die Züge in Oppenweiler nicht auf Gleis 1 anhalten Diese durchaus ernst gemeinte Frage gestaltete sich zum Running Gag, zum Dauerwitz des Abends. Und zwar deshalb, weil sie Fragesteller Stochlasek aus dem Publikum jedem Bewerber stellte, meist als erster Fragender überhaupt.

Aus Gründen der Gleichbehandlung hielten sich die Bürgermeisterkandidaten während der Vorstellung der Mitbewerber nicht im Versammlungsraum auf.

Was Stochlasek missfällt, ist, dass die meisten Züge auf Gleis 2 anhalten und er, wie die meisten Zugpassagiere auch, dazu Treppen steigen müsste. Für ältere Menschen sei das sehr beschwerlich, für Behinderte kaum oder gar nicht zu machen. Und im Winter bei Eis und Schnee seis gefährlich.

Der erste Bürgermeisterkandidat, Wolfgang Ebinger, sagte, dass diese Frage die Bahn beantworten müsste. Er, so er denn Bürgermeister werden sollte, würde sich für die Sache einsetzen.

Der zweite Bewerber, Andreas Vetter, gestand, dass er sich gar nicht mehr daran erinnern könnte, wann er das letzte Mal Zug gefahren ist. Und er könne auch nicht sagen, welcher Zug auf welchem Gleis anhält. Sascha Reber als dritter Sprecher kündigte an, sich als Bürgermeister dafür einzusetzen, dass die öffentliche Infrastruktur weitgehend barrierefrei ausgebaut wird, um älteren Menschen im Ort ein langes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Ihren Bahnhof kenne ich, ich bin selbst Bahn-Pendler, sagte Reber. Er kenne auch den Zuständigen beziehungsweise Verantwortlichen bei der Bahn, mit dem er sich in Verbindung setzen wolle. Irgendwas muss da doch möglich sein, ein Aufzug oder eine Rampe.

Die Problematik ist mir bekannt, antwortete der nächste Kandidat, Kevin Latzel, auf die Frage des unzufriedenen Bahnkunden aus dem Publikum. Er, Latzel, würde sich dafür einsetzen, um das Problem zu lösen. Aber: Der Bürgermeister ist leider nicht für den Fahrplan verantwortlich.

Jedes Mal, wenn ein Redner mit seiner Präsentation fertig war und Bürgermeister Steffen Jäger, der auch Vorsitzender des Gemeindewahlausschusses ist, als Sitzungsleiter um Fragen aus dem Publikum bat, stand Stochlasek als Erster auf, um sich nach Gleis 1 zu erkundigen. Viele Zuschauer amüsierte das, sie warteten förmlich schon auf den Augenblick. Nur der letzte Redner, Jörn Schlicher, machte dem einen Strich durch die Rechnung, sorgte damit aber selbst für Lacher. Denn bereits in seiner Rede hatte der Bewerber angekündigt, sich für Barrierefreiheit, auch am Bahnhof, einsetzen zu wollen. Stochlasek blieb diesmal bei der Fragerunde sitzen.

Die fünf ernsthaften Bewerber Prosperologe und Nein-Sager Andreas Fischer (37) aus Berlin war nicht erschienen hatten an diesem Abend ihre Sache gut gemacht. Der eine mehr, der andere weniger. Applaus gabs jedenfalls für alle. Für den einen mehr, für den anderen weniger. Viele Zuschauer wissen nun nach dieser Veranstaltung so der Eindruck , an welcher Stelle sie am Wahlsonntag in Kreuz machen werden.