Persönliche Betreuung ist Hauptarbeit

Arbeitskreis Asyl stellt sich und seine Arbeit bei Sitzung des Jugend- und Sozialausschusses vor

191 Asylbewerber gibt es derzeit in Backnang. Für sie ist der Arbeitskreis Asyl ein Begriff. Was genau dahintersteckt, erfuhren jetzt die Stadträte.

BACKNANG. Es sind Ehrenamtliche, die sich dem Wohl der Asylbewerber verschrieben haben, stellte Erster Bürgermeister Michael Balzer am Donnerstagabend Günther Flößer, Sabine Kutter und Maria Neideck vor. Sie gaben dem gemeinderätlichen Jugend- und Sozialausschuss einen Einblick in ihre Arbeit.

Der Arbeitskreis formierte sich 2001, als in Backnang eine der größten Sammelunterkünfte für Asylbewerber im Landkreis eingerichtet wurde. Damals wurden 200 Flüchtlinge in einem Gebäude in der Gartenstraße untergebracht. Die Anwohner hatten schlimmste Befürchtungen.

Die vergangenen 12 Jahre haben gezeigt, dass die Befürchtungen unbegründet waren, resümierte jetzt Günther Flößer. Es habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Dies werde auch von der Polizei bestätigt.

Vielfach seien die Menschen traumatisiert. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass ein Mensch erst dann seine Heimat verlasse, wenn die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse für ihn unerträglich geworden seien, warb Flößer um Verständnis. Oft genug müssten die Asylbewerber dann spüren, dass sie in Deutschland nicht willkommen seien.

Der Arbeitskreis Asyl nimmt sich der Flüchtlinge an. Die Hauptarbeit besteht in der persönlichen Betreuung, was sehr zeitintensiv ist. Da werden die Menschen begleitet zu Behörden, Ärzten, Schulen, Rechtsanwälten oder zu psychotherapeutischen Maßnahmen.

Wichtiger Faktor ist die Sprache. Den Menschen Deutschkurse anzubieten, war auf politischer Ebene jahrelang nicht gewollt. Diese Integrationssperre findet Flößer unklug. Jedoch habe jetzt ein Umdenken stattgefunden. Sprachkurse seien gewollt. Dennoch sind diese Kurse auch sehr teuer, was sich die Asylbewerber wiederum nicht leisten können. In der Vergangenheit wurden diese Kurse großteils über Spenden finanziert. Mitbeteiligt war da auch die Aktion unserer Zeitung BKZ-Leser helfen.

Der Drang der Flüchtlinge, die deutsche Sprache zu lernen, ist unterschiedlich ausgeprägt. 20 bis 30 Personen sind im allgemeinen stark interessiert. Doch dies hänge auch sehr stark von der psychischen Verfassung ab, berichtete Maria Neideck. Die Vertreter des Arbeitskreises wünschen sich, dass die Stadt sich bei diesen Kursen finanziell einbringt.

Dr. Gerhard Ketterer (CDU) sah dies kritisch. Für Sozialhilfen sei der Landkreis zuständig. Wenn wir da etwas freiwillig übernehmen, steigt der Landkreis aus. Ketterer empfahl, sich an die Bürgerstiftung zu wenden. Hingegen überlegte Heinz Franke (SPD): Vielleicht könnte die Stadt etwas tun.

Ein weiteres Problem ist die erzwungene Freizeit (Flößer). Asylbewerber dürfen in den ersten neun Monaten überhaupt nicht arbeiten und dann vier Jahre lang nur eingeschränkt. Flößer: Den jungen Leuten fällt die Decke auf den Kopf. Sie fragen ihre Betreuer, ob sie ihnen nicht Arbeit besorgen könnten. Doch da beginnen neue Probleme. Sabine Kutter machte darauf aufmerksam, dass etliche Flüchtlinge ein fertiges Studium in der Tasche haben. Und Maria Neideck ergänzte, dass ein muslimischer Ehrenamtlicher nicht einfach in einem evangelischen oder katholischen Altenheim den Hof kehren kann. Das bedarf der Genehmigung von höchster Stelle.

Die langen Wartezeiten, bis sich für die Asylbewerber in ihrem Status etwas tut, war ein weiteres Thema. Ein Punkt, bei dem Siglinde Lohrmann (SPD) nicht allein die deutsche Bürokratie verantwortlich sehen wollte. Vielfach werfen die Flüchtlinge ihre Pässe weg und stellen sich unter falschem Namen vor. Wie soll man dann eine Identität auf die Schnelle feststellen

Überhaupt, so Lohrmann, stoße man beim Thema Asyl schnell an gesetzliche Grenzen. Fakt sei, dass diese Menschen nicht arbeiten dürfen. Der Gemeinderat könne da wenig ausrichten. Da sei die Politik gefragt.

Ein Wunsch des Arbeitskreises ist eine engere Verbindung mit den Sportvereinen. Dieser Wunsch kann am ehesten erfüllt werden. Bei den anderen Anliegen, sprach Balzer davon, dass die Fragestellung angekommen sei. Es wurde vereinbart, dass Ausschussmitglieder die Asylbewerberunterkunft besuchen werden.