Von wegen ein paar einfache Kinderlieder

Musiker des Akkordeonrings Steinbach bewiesen beim Frühjahrskonzert die Ausdrucksstärke ihres Instruments

Völlig unverkrampft: Das Schülerorchester des Akkordeonrings präsentierte Musikstücke der unterschiedlichsten Ausprägung.Foto: A. Becher

BACKNANG. Ein gutes Dutzend Knirpse in fröhlich-orangefarbenen T-Shirts sitzt auf der Bühne der Dorfhalle in Steinbach. Das Schülerorchester des Akkordeonrings Steinbach eröffnet unter der Leitung von Martin Spieß das Frühjahrskonzert. Wer nun allerdings ein paar einfache Kinderlieder erwartet hat, reibt sich bereits nach wenigen Tönen verwundert die Ohren. Die kleinen Musiker, deren Durchschnittsalter zwischen zehn und elf liegt, erbringen eine ausgezeichnete Leistung mit Musikstücken unterschiedlichster Ausprägung. Und dies anscheinend völlig unverkrampft und mit sichtlich Spaß an der Sache.

Als Sahnehäubchen bildet sich zudem aus ihren Reihen ein Quintett, das die anspruchsvollen vier Sätze der Märchen-Sinfonietta von Rudolf Würthner präsentiert. Bei diesem Nachwuchs muss sich der Akkordeonring jedenfalls keine Sorgen um die Zukunft machen. Die Atmosphäre in der ausverkauften Steinbacher Dorfhalle ist familiär, was besonders bei der Ehrung der Jubilare und Ehrenmitglieder deutlich wird.

Welche Bedeutung dem kleinen Verein zugemessen wird, lässt sich auch an den zahlreich anwesenden kommunalpolitischen Vertretern im Publikum ersehen. Als Gäste wirbeln die Jugendgruppe der Rocking Turtles und zwei Paare der Erwachsenengruppe tanzend über die Bühne und verabschieden das Publikum mit klassischem Rock n Roll in moderner Bearbeitung in die Pause.

Den zweiten Teil des Abends übernimmt das 1. Orchester. Es gibt einen Witz, der unter Musikern oft lächelnd zitiert wird: Zwei Musiker sterben. Als der eine die Augen aufschlägt, steht Petrus vor ihm und meint: Willkommen im Himmel. Hier ist deine Harfe. Der andere erwacht ebenfalls. Satan grinst ihn an: Willkommen in der Hölle. Hier ist dein Akkordeon. Diesen Witz führt der Akkordeonring Steinbach ad absurdum. Ein Zusammenhang mit den Untergeschossen des Jenseits besteht insofern, dass die Musiker einfach höllisch gut sind.

Dass ein Akkordeon ein sehr vielseitiges, ausdrucksstarkes Instrument sein kann, welches in jedem Musikgenre zu Hause ist, weiß man nicht erst seit Hubert van Goisern. Auch der diesjährige deutsche Beitrag für den Eurovision Songcontest von Elaiza setzt auf sexy Akkordeonklänge. Die Musiker des Akkordeonrings Steinbach zeigen feuriges südeuropäisches Temperament bei der Rhapsodia Andalusia von Adolf Götz. Über Spanien geht die musikalische Reise nach Norden zur grünen Insel. Die Irische Suite von Matyas Seiber beginnt lyrisch, geht in einen fröhlichen Tanz über und zitiert das Volkslied Danny boy. Die in ihrer Emotionalität sehr anspruchsvolle Komposition wird von den Musikern gerade auch in Hinsicht auf das Übermitteln der Gefühle optimal umgesetzt, das Publikum ist begeistert.

Unter der Überschrift Tschaikowsky goes Pop erklingt ein modern arrangiertes Medley, unter anderem aus der Nussknackersuite, Schwanensee und Romeo und Julia. Klassik im modernen Gewand. Die Zeit der Wirtschaftsdepression in den 20er-Jahren lebt auf im Klassiker Just a Gigolo, hier erhält das Orchester durch die klare Tenorstimme von Helmut Heinz gesangliche Unterstützung. Bei der Farandole aus der lArlesienne-Suite Nr. 2 von George Bizet fliegen die Finger der Spieler rasant über die Tastatur. Die witzige Zugabe Hummelnuss-Boogie, eine Kombination aus Hummelflug und Nussknackersuite im groovenden Boogierhythmus setzt einen fröhlichen Schlusspunkt unter einen durchweg gelungenen Abend. Der speziell für diesen Auftritt angeheuerte Gast-Schlagzeuger rundet den Gesamteindruck des Konzertes ab. Die Vorsitzende des Akkordeonrings, Siglinde Lohrmann, ist noch auf der Suche nach einem Drummer, der fester Bestandteil der Gruppe werden soll. Diesen zu finden dürfte nach dem überzeugenden Frühjahrskonzert eigentlich nicht schwer fallen.