Manchmal gehen Schulden in die Hunderttausende

Die Schuldnerberatung der Kreisdiakonieverbandes hat vergangenes Jahr 251 Klienten beraten

Im Rems-Murr-Kreis wurden in der Schuldnerberatung des Kreisdiakonieverbandes im Jahr 2013 genau 251 Klienten beraten. Es handelt sich um Menschen, die mit ihrer finanziellen Situation nicht mehr klarkommen. Die Bandbreite ist riesig: Die Schuldner hatten Verbindlichkeiten in Höhe von 2000 bis zu 700000 Euro.

BACKNANG/WAIBLINGEN (pm). Dort, wo Menschen aufgrund von Trennung oder Scheidung, einer gescheiterten Existenzgründung oder wegen Verlust des Arbeitsplatzes in eine andauernde Überschuldung geraten, zeigt die Schuldnerberatung Auswege aus einer ausweglos scheinenden Situation auf. Ziel der Beratung ist, ein ausgeglichenes Haushaltsbudget zu erreichen.

Dabei werden gemeinsam mit Klienten Ausgaben und Einnahmen überprüft, nach Einsparpotenzialen oder Einnahmeverbesserungen gesucht und vorrangig außergerichtliche Vergleichslösungen angestrebt. Bei Bedarf werden gerichtliche Planverfahren angestrebt und Schritte zum Insolvenzverfahren aufgezeigt. Die Beratungen finden im Haus der Diakonie in Waiblingen, in den diakonischen Bezirksstellen Backnang und Schorndorf sowie im Haus der Kirche in Winnenden statt. Zwei Vorträge in Backnang und in Waiblingen wurden 2013 angeboten. Sie standen unter dem Motto Wege aus der Schuldenfalle Schuldenprävention (außer)gerichtliche Schuldenregulierung.

Angesprochen wurden Betroffene, Freunde, Bekannte und Verwandte von überschuldeten Personen und Familien sowie Mitarbeitende, die beruflich mit überschuldeten Menschen zu tun haben. Im Rahmen der Best-Qualifizierung der Remstal-Werkstätten (Beratung, Erprobung, Schulung, Training) wurden Seminare für arbeitslose Menschen mit psychischen Belastungen durchgeführt.

Im Rems-Murr-Kreis wurden in der Schuldnerberatung 251 Klienten (Vorjahr: 265) beraten. Die Unterschiede, welche Summe an Außenständen diese Menschen in Bedrängnis bringen, sind riesig. In einem Fall sind es 2000 Euro Schulden, die dazu geeignet sind, die ganze Lebensperspektive ins Wanken zu bringen, bei anderen Betroffenen gehen die Schulden in die Hunderttausende.

Vielen Klienten konnte bereits telefonisch mit der Beantwortung sozialrechtlicher Fragestellungen weitergeholfen werden (etwa zu Mietobergrenzen, Wohngeld, Lastenzuschuss, ALG-II-Ansprüche, Kindergeldzuschlag).

59 Klienten erhielten Bescheinigungen für die Ausstellung eines Pfändungsschutzkontos zur Vorlage bei ihrer Bank. Banken und Sparkassen richten auf Antrag der Kunden zunehmend solche P-Konten ein. In diesen Fällen allerdings zunächst ohne Berücksichtigung eines Mehrbedarfs, falls Zahlungseingänge auf dem Konto für mehrere unterhaltsberechtigte Personen ausreichen müssen.

Außergerichtliche Vergleiche konnten landkreisweit in 21 Fällen erzielt werden. Dies erfolgte durch Einmalzahlungen bei Erklärung des Forderungsverzichts bezüglich der Restschulden und/oder indem Ratenzahlungen vereinbart wurden.

Mit Unterstützung der ARD-Fernsehlotterie und dem Förderkreis in Schorndorf konnte das auf drei Jahre angelegte Präventionsprojekt Money-Checker mit einer 65-Prozent-Stelle gestartet werden. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 14 bis 27 Jahren sollen für Schuldenfallen sensibilisiert werden und im Umgang mit Geld und Finanzen geschult werden. Im Projekt Money-Checker wurde ein Planspiel zum Umgang mit Geld entwickelt, das bei vielen Gruppen eingesetzt wird. Daneben wird auch eine Schuldnerberatung für Jugendliche angeboten.

Zwei ehrenamtliche Mitarbeitende haben Bürger bei der Beantragung von Sozialleistungen wie ALG-II- oder Wohngeldleistungen sowie bei der Erstellung von Haushaltsplänen und Forderungsverzeichnissen tatkräftig unterstützt und in Einzelfällen zu Ämtern begleitet.

Die Beratungen erfolgten durch hauptamtliche Fachkräfte: Diplom-Sozialpädagoge/Betriebswirt Robert Dingfelder, Diplom-Wirtschaftsjuristin Susanne Hardt, Bankkaufmann/Sozialdiakon Tobias Hermann und Diplom-Sozialpädagogin Tanja Komarek.