Vierzig Jahre im Dienste der Musik

Jubiläumskonzert von Jürgen Deppert in der Dorfhalle Steinbach

Bariton aus Leidenschaft: Jürgen Deppert. Foto. E. layher

BACKNANG. Es gäbe noch so viel zu erzählen, so viele Lieder sind noch nicht gesungen, doch irgendwann muss Schluss sein. Selbst wenn das Publikum ihn gar nicht gehen lassen will. Trotz zahlreicher anderer Veranstaltungen, unter anderem läuft im Fernsehen der Eurovision Song Contest, haben sich etliche Fans des Backnanger Baritons Jürgen Deppert zum Jubiläumskonzert in der Steinbacher Dorfhalle eingefunden.

Seit vierzig Jahren steht der Sänger nun schon auf der Bühne, wenn man den Premierenauftritt im Kindergarten mitrechnet. Die letzten zehn Jahre davon freiberuflich. Deppert beherrscht ein breites Spektrum an Musik, die Auswahl an diesem Abend ist weit gefächert. Der lyrische Bariton beginnt mit einer gefühlvollen Interpretation des Gospels Oh, happy day. Danach folgt gleich das Lied, welches am häufigsten von seinen Zuhörern gewünscht wird: Das Ave Maria von Bach/Gounod. Deppert lockert die andächtige Stimmung mit Anekdoten, kleinen witzigen, selbst erlebten Geschichten aus seinem Musikerleben. Der gutaussehende Bariton, in dessen dunkler Mähne sich mittlerweile die ersten silbernen Strähnen zeigen, hat die nötigen Entertainerqualitäten, um ein durchaus gemischtes Publikum einen ganzen Abend lang zu unterhalten. Dabei überzeugt er auf allen Gebieten. Geistliche Musik, große Oper, Operette, Musical, Pop bis hin zum Volkslied Deppert interpretiert alles mit der nötigen Hingabe und vor allem mit viel Gefühl.

Der Backnanger ist mit einer emotional wandlungsfähigen Stimme gesegnet, die selbst bei schwierigsten Stücken Leichtigkeit und Mühelosigkeit suggeriert. Dahinter steckt viel Arbeit. Mit seiner Stimme trifft er den Zuhörer mitten ins Herz. So wird bei Liedern wie Das Wolgalied aus der Operette Der Zarewitsch von Franz Lehár oder bei der tiefsinnigen Ballade Die Uhr von Carl Loewe im Publikum heimlich die eine oder andere Träne weggewischt. Ganz offen werden dann die Taschentücher gezückt, als Jürgen Deppert an den Amoklauf in Winnenden erinnert und über seinen für ihn selbst anstrengendsten Auftritt bei der Beerdigung eines der Opfer erzählt. Youll never walk alone heißt der berührende Song aus dem Musical Carousel von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. Doch der Bariton aus Leidenschaft kann sein Publikum auch zu Lachstürmen hinreißen. Immer wieder köstlich: Sein Programm Oper uff Schwäbisch. Hier sorgt er mit seiner Kehrwochen-Version der Torero-Arie aus Carmen für anhaltendes Gelächter. Jürgen Deppert wird in Steinbach von Sigi Hänger am Flügel begleitet. Hänger ist unter anderem Komponist des Poporatoriums Ich bin Jesus in Wort und Wundern, für das Jürgen Deppert das Libretto lieferte. Die beiden haben sichtlich Spaß und amüsieren sich selbst am meisten, als bei der Zugabe Kalinka nicht alles ganz so läuft, wie Deppert und Hänger es sich eigentlich vorgestellt haben. Aber auch das zeichnet den Bariton aus: Auf der Bühne steht kein technisch perfekter Musikautomat, sondern ein Mensch, ein ausgezeichneter Sänger, der alle musikalisch-emotionalen Facetten mit Hingabe vermitteln kann. Der seine Musik mit dem nötigen Respekt und Einsatz betreibt, dabei aber das Lachen nicht verlernt hat. Jürgen Deppert auf der Bühne zu erleben, ist und bleibt ein Genuss.