Zug verpasst, weil der Automat weg war

Bahn baute ohne Ankündigung einen von zwei Fahrkartenautomaten ab – Bürgermeister und Gemeinderäte sind verärgert

Bahnfahrer sind sauer, Gemeinderäte auch und der Bürgermeister ebenfalls. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion hatte die Bahn einen der beiden Fahrkartenautomaten im Bahnhof abmontiert. Ohne die Verwaltung zuvor zu informieren.

Die einzige Möglichkeit, sich am Bahnhof Oppenweiler ein Ticket zu lösen: Der Fahrkartenautomat auf Gleis 1. Fast alle Züge halten allerdings auf Gleis 2. Den Automaten, der dort Fahrscheine ausspuckte, baute die Bahn allerdings in der ersten Mai-Woche heimlich, still und leise ab. Foto: J. Fiedler

Von Florian Muhl

OPPENWEILER. Die Art ihrer Fragestellung machte deutlich, dass sie irritiert, überrascht und ohne Kenntnis der Hintergründe war. Gudrun Rauh, Sprecherin der Freien Gemeindeliste, merkte in der jüngsten Gemeinderatssitzung unter Punkt Anfragen an, dass es „keine gute Lösung“ ist, dass von den beiden bislang am Bahnhof in Oppenweiler stehenden Fahrkartenautomaten einer entfernt wurde und jetzt nur noch einer existiert.

„Auch wir waren sehr erstaunt“, sagte Bürgermeister Steffen Jäger. Die Verwaltung habe erst davon erfahren, als eines Morgens ein aufgebrachter Bürger im Rathaus angerufen habe. Der hatte offensichtlich seinen Zug verpasst. Der Grund: Er wollte sich – wie gewohnt – das Ticket auf Gleis 2 beim Automat lösen, fand diesen aber plötzlich nicht mehr vor. Die Zeit, um über die Fußgängerbrücke auf Gleis 1 zu gelangen, wo der andere Automat steht, dort einen Fahrschein zu lösen und wieder zurück über die Brücke auf Gleis 2 zu gelangen, reichte nicht mehr aus.

Daraufhin habe er bei der Bahn angerufen, sagte Jäger, um sich über den Vorgang zu informieren, die Hintergründe zu erfahren und deutlich seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Der betreffende Bahn-Mitarbeiter habe sich über die Art und Weise, wie das Ganze abgelaufen sei, entschuldigt. Andererseits würden die Zahlen in Oppenweiler keinen zweiten Fahrkartenautomaten rechtfertigen, so die Begründung der Bahn. Wie der Vorsitzende sagte, habe die Bahn auch in Ellwangen und Lorch jeweils einen Automaten demontiert.

Natürlich sei es ärgerlich, einen Automat zu verlieren, so Jäger. Aber im Vorfeld nicht von der Bahn darüber informiert zu werden, hat den Rathauschef sehr erregt. So habe die Gemeinde auch keinen Einfluss darauf gehabt, welcher der beiden Automaten stehen bleiben könnte. Wilfried Klenk kritisierte die Bahn: „Die haben nicht begriffen, wer hier der Kunde ist.“ Die Gemeinde sitzt leider am kürzeren Hebel, so der Sprecher der Freien Wählervereinigung weiter. Aber wenn schon, dann sollte der Automat auf Gleis 1 stehen bleiben. Auf dieser Seite seien der Hauptort und die Parkplätze. Steffen Rosenke (FGL) entgegnete, dass doch 90 Prozent der Leute auf Gleis 2 abfahren.

Auch die Zahlen, die Jäger nannte, zeigen keinen eindeutigen Favoriten. Insgesamt 35 Tickets werden pro Tag gelöst. Der Jahresumsatz liegt beim Automaten auf Gleis 1 bei 75000 und bei 65000 Euro beim Automaten auf Gleis 2.

Optimal wäre, wenn der ganze Zugverkehr über Gleis 1 laufen würde, merkte Klenk an. Aber auch diese Idee hatte Jäger bereits bei der Bahn vorgebracht. Die Antwort der Bahn: Das würde bei jedem durchfahrenden Zug eine Minute kosten, weil er – wegen der zusätzlichen Weichen – von Tempo 130 auf 60 Kilometer pro Stunde herunterbremsen müsste. Das brächte den ganzen Fahrplan durcheinander. – Was an der Geschichte zurück bleibt, ist viel Frust. Und ein Automat, der vielleicht doch noch versetzt wird.