AK will Integration von Kindern fördern

Theaterwerkstatt der Matthäuskirche spendete 1500 Euro Malkurs für Flüchtlingskinder verbessert Konzentrationsfähigkeit

Die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Hohenheimer Straße ist mit über 170 Flüchtlingen derzeit voll belegt. Unter den Flüchtlingen sind auch über 20 Kinder. Der Arbeitskreis Asyl Backnang versucht mit Aktionen, diesen Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, sie in ihrer Entwicklung zu fördern und ihre Integration zu unterstützen.

Soll fortgesetzt werden: Der Malkurs für Kinder von Flüchtlingen.Foto: privat

BACKNANG. Wertvolle Unterstützung fand der AK durch die Theaterwerkstatt der Matthäuskirche, die unter der Regie von Nicole Huber ein Theaterstück über ein Flüchtlingsschicksal aufführte und den Erlös dem Arbeitskreis Asyl zugutekommen ließ. Leider wird die Arbeit des AK durch den Wegfall des Gemeinschaftsraumes in der Unterkunft erschwert, in dem viele Veranstaltungen des AK stattfanden.

Malen wird auch bildende Kunst genannt, weil sie eine Grundlage für Bildung schafft: sie fördert Feinmotorik, Konzentration und Kreativität und stellt so Lerngrundlage und Lerntransfer auch für schulische Lernfächer her. Nicht zuletzt ermöglicht das Malen über die Sprache hinaus Kommunikation und Verständigung. Diese Kommunikation war im Kurs aber auch sprachlich möglich, denn die Kinder verfügen über erstaunlich gute Deutschkenntnisse, so der Initiator und Leiter des Malkurses, Hermann Kraus, Diplom-Psychologe und ehrenamtlicher Mitarbeiter im AK Asyl.

Er stand zunächst vor dem Problem, dass der Kurs möglicherweise nicht stattfinden könne, weil dem Arbeitskreis kurzfristig der Gemeinschaftsraum in der Unterkunft weggenommen worden war zum dritten Mal in zwei Jahren. Die Stiftskirchengemeinde sprang dankenswerterweise ein und stellte einen Raum im Gemeindezentrum Heininger Weg zur Verfügung.

Wie immer in der Arbeit mit Kindern ging es nicht nur um das künstlerische Gestalten, das Malen war auch mit Beziehungsarbeit verknüpft. Für den Lehrer bedeutete es, Zeit zu haben für jedes Kind, immer wieder mit Geduld und Lenkung die Abläufe zu verlangsamen, um der Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Fantasie den Raum zu schaffen für das eigene Bild. Die Aufgabe für die Kinder bestand darin, den eigenen Vornamen oder seinen Anfangsbuchstaben in ein Bild ihrer Fantasie zu integrieren sozusagen wie in einem Wappen ein kreatives Umfeld dafür zu erschaffen. Sie suchten und brauchten dazu persönliche Anregungen, Begleitung und Ansprache. Zusätzliche Anregungen fanden sie in den Bildern von Paul Klee.

In ihren Bildern und Arbeitsweisen offenbarten die Kinder einiges über sich und ihre Situation. So sucht beispielsweise im Bild und Wappen der dreizehnjährigen Hasna der weiße Baum auf einem fast schwarzen Untergrund mit seinen Wurzeln Halt und Nahrung im Boden und die starke Verbindung seiner Äste mit dem Stamm. Sie ist intelligent und kann den Bezug zu ihrer eigenen Situation durchaus erkennen.

Intelligente Kinder, so Hermann Kraus in seinem Resümee, sah ich viele im Kurs, Kinder mit Offenheit, Lern- und Hilfsbereitschaft. Unsere Gemeinschaft braucht sie aber wie steht es mit der Aufmerksamkeit und Wahrnehmung dafür in unserer Gesellschaft

Rosemarie Uresch-Kramer, ehrenamtliche Mitarbeiterin im AK, widmet sich mit unermüdlicher Intensität Familien mit Kindern. In den Osterferien unternahm sie zwei Ausflüge, auf denen die Kinder mit der Natur unserer schönen Landschaft spielerisch vertraut werden sollten.

17 Kinder aus 5 verschiedenen Nationen machten sich mit viel Vergnügen, Spannung und Erwartung auf, um das Museum Haus des Waldes in Stuttgart Degerloch zu besuchen. Im Museum erhielten sie Informationen darüber, wie wichtig der Wald für Menschen, Tiere und Pflanzen ist. Die Kinder erkundeten dann in eigener Regie das ganze Haus, konnten dort klettern, sich verstecken, Tiere und Pflanzen des Waldes entdecken und sich informieren, wofür Holz auch in der heutigen Zeit gebraucht wird. Im nahe gelegenen großen Teich entdeckten sie Fische, Kaulquappen, Kröten und Pflanzen. Und der große Waldspielplatz begeisterte alle Kinder: große Baumstämme regten zum Klettern, Balancieren und Verstecken an. Am frühen Abend ging es dann gemeinsam nach Backnang zurück, viele Kinder sehr müde, aber glücklich und zufrieden mit diesem gemeinsamen Tag im Wald.

7 Jungen im Alter zwischen 10 und 17 Jahren verbrachten einen Tag im Schwäbisch-Fränkischen Wald bei Backnang mit der Naturparkführerin Beate Siegel. Sie streiften mit viel Vergnügen durch den Wald, kletterten auf Bäume, schnitzten Pfeile und sammelten Kräuter, um daraus gemeinsam eine Kräutersuppe zu kochen. Siegel hatte Feuersteine dabei, und auf dem Rastplatz mit Feuerstelle konnten die Jungen damit Feuer entzünden und dabei feststellen wie schwer dies ist. Am Lagerfeuer wurde dann gemeinsam mit viel Gelächter und Vergnügen die Kräutersuppe gekocht. Kartoffeln schmorten im Feuer, Würste wurden auf Pfeile gesteckt und gebraten und auch Brot wurde über dem Feuer geröstet. Nach dem Ausklang auf dem Spielplatz fiel allen das Nachhausegehen schwer. Aber in den Pfingstferien steht wieder ein Waldtag auf dem Plan.

Im Herbst 2013 stieß zum Kernteam des AK eine Gruppe jüngerer ehrenamtlicher Mitarbeiter dazu. Sie kümmern sich vornehmlich um Kinder und gestalten mit ihnen jeden Mittwoch einen Spiel-Nachmittag. Dieser kann allerdings in Ermangelung eines Gemeinschaftsraumes im Heim leider nur bei gutem Wetter im Freien stattfinden.

Mitarbeiterinnen des AK (insbesondere Sabine Kutter und Rosemarie Uresch-Kramer) unterstützen Kinder bei Schularbeiten, bei Übertritten in die weiterführenden Schulen, führen sie auch altersgemäß in Kultur ein, vermitteln Kontakte zu Sportvereinen und vertreten dort und in der Schule auf vielfältige Weise die Eltern der Kinder. Lebenspraktische Hilfen werden gegeben und geübt, ein Schulkind entwickelt selbstverständlich mit Unterstützung die neue Homepage des Arbeitskreises. Dass uns diese Kinder und Jugendlichen gerne bei Aktionen tatkräftig unterstützen, gibt uns viel zurück, resümiert Kutter.

Die Theaterwerkstatt der Matthäuskirche hat mit dem von Nicole Huber inszenierten und bis jetzt viermal aufgeführten Theaterstück Pfefferminz und Pizza zum Schicksal eines jungen afghanischen Flüchtlings ein schwieriges und nicht gerade populäres Thema auf die Bühne gebracht (wir berichteten). Mit wenigen Worten, aber mit ungeheuer ausdrucksstarken Gesten wurden die existenziellen und angstbesetzten Stationen auf dem Weg eines Flüchtlings vermittelt: die unerträglichen Lebensbedingungen im Heimatland, die meist lebensgefährliche Flucht und schließlich der Kampf um Anerkennung und Integration, gegen Bürokratie und Unmenschlichkeit. Den Erlös von insgesamt 1500 Euro hat die Theaterwerkstatt dem Arbeitskreis Asyl Backnang zur Unterstützung seiner Arbeit, insbesondere für Kinder, zur Verfügung gestellt. Für all dies bedankte sich der AK bei Nicole Huber, allen Mitwirkenden und den Spendern.

Seit den Anfängen der Backnanger Gemeinschaftsunterkunft Ende 2001 stand dort dem AK ein Gemeinschaftsraum zur Verfügung, in dem Platz war für Sprachkurse, Asylcafés, Feste, Info-Veranstaltungen, Hausaufgabenbetreuung, Spielen mit Kindern oder Beratungsgespräche. Aus gutem Grund sieht auch das neue baden-württembergische Flüchtlingsaufnahmegesetz einen solchen Raum vor. Seit Ende November 2012 musste der AK insgesamt dreimal den Gemeinschaftsraum aufgeben und räumen, weil Platz zur Unterbringung von Flüchtlingen benötigt wurde. Derzeit ist der AK wieder ohne Gemeinschaftsraum. Bemerkenswert gastfreundlich und unbürokratisch stellt die benachbarte Waldorfschule ihre Räume für einige der Veranstaltungen zur Verfügung. Da der AK so aber nicht alle seine Aufgaben wahrnehmen kann, wirbt er nach wie vor beim Landratsamt und der Stadtverwaltung eindringlich um Verständnis für sein Anliegen: Ein einfacher Raum auf dem Gelände der Unterkunft.