Schlagzeuger verunglückte tödlich

Die Geyers trauern um ihr Bandmitglied und beenden ihre Abschiedstour vorzeitig

Am 8. März gaben die Geyers ihr letztes Konzert im Backnanger Raum im proppenvollen cje. Bis Ende des Jahres wollte sich die Band in Locations in ganz Deutschland verabschieden. Nun wurde die Tour durch den Tod von Schlagzeuger Jost Pogrzeba beendet. Ein Ersatz kommt für die Geyers nicht infrage.

Jost Pogrzeba

BACKNANG/MURRHARDT (ik). Die Geyers hatten sich entschieden, nach zum Teil 30 Jahren in der Mittelalterszene anderen musikalischen Vorlieben den Vorzug zu geben. In unterschiedlichen Projekten wollten sie aber immer wieder gemeinsame Wege gehen. Es hätte ein freudiger Abschied werden sollen. Doch dann die Nachricht: Einen Sturz bei einer Downhill-Fahrt überlebte der Stuttgarter Schlagzeuger Jost Pogrzeba nicht. Im Wald an der Hasenbergsteige verunglückte der 49-Jährige, kurz darauf starb er in einer Klinik an seinen inneren Verletzungen.

Bei einer Trauerfeier auf dem Pragfriedhof in Stuttgart sagte Geyers-Frontmann Thomas Roth: Es ist uns nicht möglich, ohne Jost die noch gebuchten Auftritte zu spielen. Jost gehörte seit 1987 zu unserer Band, zuerst unter dem Namen Des Geyers Schwarzer Haufen, dann unter Geyers, nachdem eines der früheren Mitglieder nur für sich den Ursprungs-Namen gesichert hatte. Und Roth erinnerte an unvergessliche Momente, die die Band gemeinsam mit Pogrzeba erlebt hat. Wir waren auf Tour in England, in Wales oder Amerika, zum Beispiel in der Ludwigsburger Partnerstadt Saint Charles. Wir spielten zusammen mit ihm als Vorband von Blackmores Night und erst im Herbst vergangenen Jahres wiederum als Vertreter der Stadt Ludwigsburg in Tschechien. Wir erlebten viele Tage und Nächte auf Mittelalterfestivals von Selb bis Kaltenberg. Für uns war Jost der unaustauschbare Mann für das amtliche Tempo. Auch jetzt gibt er das Tempo an. Nur, dass es ein so jäher Stopp sein würde, das hätten wir nicht für möglich gehalten.

Im Laufe der Jahre hatte das Schlagzeug immer mehr Raum in der Musik der Geyers bekommen, bis hin zu den E-Drums auf der jüngsten CD Königsweg. Jost Pogrzeba war zusammen mit Gitarrist Georg Hesse aus Ulm maßgeblich an der Weiterentwicklung des Geyers-Art-Sounds beteiligt. Seine Schlagzeug- und Percussion-Soli sind legendär. Pogrzeba und Hesse produzierten auch die Geyers-CDs in ihren Studios in Stuttgart und Ulm. Roth: Jost übernahm zudem in unserer Band den rationalen Part. Er wirkte viel im Hintergrund, kümmerte sich akribisch um Bürokratisches wie den Vertrieb, die Gema und zuletzt auch um juristische Dinge. Bei Letzteren ging es darum, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, die unsere Songs in einem Sampler ohne unser Wissen und ohne Nennung unseres Namens veröffentlichten.

Jost Pogrzeba arbeitete seit 1986 als professioneller Musiker. Er studierte klassisches Schlagzeug bei Professor Treßelt an der Musikhochschule Stuttgart und absolvierte im Anschluss daran den Diplom-Studiengang Jazz und Popularmusik bei dem Schweizer Schlagzeuger und Percussionisten Pierre Favre. Er spielte unter anderem bei Erfolgsmusicals wie Miss Saigon und Mamma Mia in Stuttgart. In Murrhardt begleitete er den Gospel-Workshop-Chor am Schlagzeug. Auch bei der Gruppe Triskilian sorgte er als Gastmusiker für transmedievale Beatz.