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Komm, gang mr aweg beleuchtete bravourös Leben und Werk von Thaddäus Troll Theater Rietenau begab sich im Sommertheater auf Spurensuche

Komm, gang mr aweg unter diesem Titel beleuchtete das Rietenauer Theater am Wochenende im Rahmen des Sommertheaters Leben und Werk des schwäbischen Dichters Thaddäus Troll. Eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe, die die Amateurtruppe bewundernswert bravourös umsetzte.

Sommertheater auf der Mönchswiese bei der Mönchshütte: Nach einem starken Regenguss zu Beginn der Vorstellung konnten die Zuschauer das Spiel der professionellen Amateurtruppe aus Rietenau verfolgen. Fotos: E. Layher

ASPACH. Anlässlich des 100. Geburtstages, den der Schriftsteller heuer hätte feiern können, bildete Komm, gang mr aweg eine passende, würdige und treffende Hommage an Thaddäus Troll. An jenen Mann, der erst mit seinen schwäbischen Texten den großen Durchbruch schaffte und damit genau zu dem wurde, was er eigentlich nie werden wollte: Ein Mundartdichter. Und der in den 50er-Jahren, bevor er sein Domizil im Rohrbachtal errichtete, genau auf jenem Platz bei der Mönchshütte oft seine Ferien verbrachte. Grund genug für die Theaterakteure, die Zuschauer per Pedes hinauf auf die Mönchswiese zu locken. Gleichwohl der Spielort auch mit dem Fahrrad, mit einem Shuttle-Bus oder sogar in einer Kutschfahrt durch das schöne Heiligental mit Wilfried Thürmers Pferdefuhrwerk erreicht werden konnte.

20 Erwachsene, 1 Kind und 3 Musiker der seit 5 Jahren bestehenden und unter der Regie von Lea und Rolf Butsch stehenden Theatergruppe hatten sich an die Umsetzung dieses Stückes gemacht. Alles Amateure, wie die Macherin und Initiatorin betont. Welche aber in der Aufführung immer wieder zu bemerkenswerten schauspielerischen Höchstleistungen aufgelaufen sind. Vier Monate wurde dafür jeden Montag geprobt. Um es schließlich nun an diesem wunderschönen Platz, den Troll selbst einmal auf liebevollste Weise beschrieb, aufführen zu können. Wie üblich hatte dabei halb Rietenau, so Lea Butsch, der unter dem Dach des örtlichen Heimat- und Kulturvereins stehenden Theatergruppe unter die Arme gegriffen. Ob mit Würstchengrillen, im Kartenverkauf, mit Fahrdiensten oder als Sponsoren. Es ist eine unglaubliche Hilfsbereitschaft da, sagt die ausgebildete Theaterpädagogin. Bereits im vierten Jahr konnte somit das Sommertheater über die Bühne gebracht werden. Und wieder mit Erfolg denn bereits im Vorfeld waren die Vorstellungen für Samstag und Sonntag längst ausverkauft gewesen.

Außer den stets auf dem roten Sofa vorgetragenen Originalwerken Trolls stammten alle Texte von Komm, gang mr aweg von Lea Butsch selbst. Troll selber trat dabei im Stück nie persönlich auf; der Spannungsbogen seines vielfältigen Werkes wurde darin vielmehr durch Holde Musen, eine schwäbische Wandergruppe oder noble Damen und Herren der feinen Gesellschaft interpretiert. Beleuchtete Schwabe Rolf Butsch in ebensolch urtypischer Eigenschaft als Briefträger anhand der mitgebrachten Post das Leben und die Vorlieben des Schriftstellers, verkörperte der Mönch, der dem Spielort seinen Namen gab, die melancholisch-tragische Kehrseite sowie die Selbstzweifel des vermeintlichen Humoristen. Welcher erst mit Deutschland, deine Schwaben den endgültigen Durchbruch schaffte und dem mit der Feststellung der Wandergruppe Schwoba Des senn ja mir dann plötzlich einhellige Bewunderung gezollt wurde. Zumal sich offenbar ebenso plötzlich jeder irgendwie in dem Buch wiederfinden konnte und demzufolge daher alloi wäga ons der große Erfolg beschieden war.

Komm, gang mr aweg ein Stück, in dem zusammengefasst auf köstliche Weise sowohl Troll-Texte gespielt und zitiert wie auch anschaulich und teils sehr anrührend Gründe und Abgründe seines Lebens nachgezeichnet werden. Müßig wäre es, an dieser Stelle Beispiele zu benennen. Selber agucka, kann man da nur raten. Du hasch uns was hinterlassa, lautete daher das Troll-bezogene Fazit der Aufführung, welche die Zuschauer nach anfänglicher Beeinträchtigung durch einen starken Regenguss nach aufklarendem Wetter umso mehr genossen.

Mit den Worten es herbstelet eingeleitet, klang sie vom Publikum anrührend mitgesummt und mitgesungen mit einem auf der Mundharmonika gespielten Ade zur guten Nacht wie das Leben des Schriftstellers sehr melancholisch aus. Langer Beifall und Bravo-Rufe der Zuschauer hatten sich Macher und Akteure des Theaters Rietenau verdient.