Eine Perle, die ganz groß werden kann

Newcomerin Madeline Willers ist auf dem besten Weg, im Schlagerbereich Karriere zu machen

Wer sie trifft, ist begeistert von ihrer Natürlichkeit und Ausstrahlung: Madeline Willers vor einem Auftritt im Landhaus Noller in Marhördt.Foto: T. Roth

Von Thomas Roth

SPIEGELBERG/WÜSTENROT. Madeline Willers ist 19 und will Schlagersängerin werden. In Obersulm hat sie soeben das Abitur gemacht. Seit 2012, also mit gerade mal 17, singt die Wüstenroterin bei kleineren Anlässen, um Erfahrungen zu sammeln, und weil sie es ganz einfach will – so zum Beispiel erst jüngst in Spiegelberg (wir berichteten).

Schon als Jugendliche im Schulchor übernimmt sie Soloparts, bereits dort fällt die Qualität ihrer Stimme auf. Ihr Musiklehrer Simon Acker rät Madelines Eltern, ihre Tochter zu fördern, was auch geschieht. Bis vor Kurzem kümmerte sich Mutter Elke Willers um die Geschäfte der Tochter. Dass jetzt Marko Tomazin – er kennt alle Stars und einflussreichen Leute des Genres – das Ganze auf eine höhere Ebene hebt und für den Karriere-Fortgang mitverantwortlich zeichnet, daran muss sich Elke Willers nach eigenen Worten erst gewöhnen.

Der Geschäftsführer vom Pay-TV-Sender Gute-Laune-TV begleitet die junge Frau behutsam auf dem geplanten Weg nach oben. Tomazin: „Madelines Stimme, ihr Lächeln, ihr Auftreten und ihre Augen sind unwiderstehlich.“ Und in der Tat wirken die Auftritte der Newcomerin bereits jetzt recht professionell. Da stimmen die Gesten, der Gang, die Körperspannung und die Ausstrahlung. Die Lieder wie „Warum hab’ ich dich nicht geküsst“, „Auf und davon“ oder „Bauchgefühl“ – Titel ihrer jüngsten EP-Veröffentlichung – sind ihr auf den Leib, oder besser auf ihren Typus geschrieben, und als Publikum hat man das Gefühl, da performt ein junger Mensch tatsächlich aus dem Bauch heraus.

Tomazin trifft Madeline in Hamburg beim Schlagermove 2013. Unter dem Motto „Happy Go Lucky“ feiern bis zu einer halben Million Menschen dort Party, viele im Outfit der 1970er-Jahre. Man zieht fröhlich singend durch die Straßen von St. Pauli, eskortiert von etwa 45 Trucks. Der Gewinner des Schlagermove-Talentschuppens am Freitagabend eröffnet am Tag darauf den eigentlichen Schlagermove. Tomazin erinnert sich: „Für den Talentschuppen haben wir eine Ausschreibung gemacht. Madeline hat sich aber nicht beworben, die haben wir entdeckt.“ Da spielte sicher auch das Video zu „Warum hab’ ich dich nicht geküsst“ eine Rolle, produziert mit dem Dresdener Sänger René Ulbrich. Ihn hatte Madeline Willers im Oktober 2013 schon als Support-Act begleitet. Benny Schnier, Redakteur bei Gute-Laune-TV, hat das Video im Internet gesehen, und daraufhin die Connection nach Hamburg zum Move befördert.

Parallel zu ihren Auftritten absolvierte Madeline in Reutlingen bei Sandra Jankowski ein intensives Schauspiel-Coaching, weil man „beim Singen auch Vorstellungskraft braucht“. Zurzeit geht sie zweimal pro Woche zum Voice-Coaching, früher hätte man „Gesangsstunde“ dazu gesagt, beschäftigt sich zudem intensiv mit Klavier und Tanz. Interessanterweise will Madeline Willers in ihren Songtexten auch Inhalte transportieren: „Meine Texte müssen auf jeden Fall Inhalt haben, Sinn machen. Ich will, dass eine Geschichte dahintersteckt.“ Die Absolventin eines christlich geprägten Gymnasiums weiß, dass „man Menschen mit Schlager glücklich machen kann. Schlager ist eine Musikrichtung, die Freude macht. Und ich freue mich, wenn ich mein Publikum glücklich machen kann“. Mit Spannung fiebert die vielfache Preisträgerin von diversen Wettbewerben wie MP-TV-Hitparade, nun der Aufzeichnung der Goldschlager am 4. Oktober am Brandenburger Tor entgegen, wo sie ihre neue Single erstmalig präsentieren wird. Das kann ein weiterer, wichtiger Karriere-Schritt werden, auch wenn Tomazin – ganz Realist – sagt: „Was Madeline kann und macht, hat für mich viel Substanz und Faszination. Aber wir brauchen sicher zwei Jahre...“ Marko Tomazin sieht Madeline Willers als einen „Diamanten“ oder eine „Perle, die ganz groß werden kann. Wir lassen uns Zeit, aber ohne dabei einzuschlafen. Ich bin eher geerdet, Madeline auch“.