Rommels und Tantchens Sparsamkeit

 „Brauchet Sie’s glei?“ : Karl Napf im Schloss Lautereck

Ein schwäbischer Kabarettabend mit Karl Napf fand im Rahmen der Reihe „Kultur im Schlössle“ im Schloss Lautereck statt. Vor zahlreichen Besuchern beleuchtete der Ministerialrat im Ruhestand, Buch- und Hörspielautor in launigen Anekdoten die Facetten der schwäbischen Mentalität.

Rommels und Tantchens Sparsamkeit

Von Annette Hohnerlein


SULZBACH AN DER MURR. „Er war unter Filbinger und Späth fürs Sparen zuständig“, stellte Michael Heinrich, Hauptamtsleiter der Gemeinde Sulzbach, den Gast vor. Karl Napf, mit bürgerlichem Namen Ralf Jandl, wurde 1942 in Hirschberg geboren und wuchs in Vaihingen/Enz auf. Nach Abschluss seines Jurastudiums an der Universität Tübingen arbeitete er 27 Jahre im baden-württembergischen Staatsministerium und im Wirtschaftsministerium. In den letzten 30 Jahren schrieb er 15 Bücher, darüber hinaus ist er Verfasser von Hörspielen und Herausgeber des Schwäbischen Heimatkalenders.

Sein kabarettistischer Vortrag handelt von der schwäbischen Mundart, den Sitten und Gebräuchen. Seine Protagonisten findet er vorzugsweise auf dem Land. So wie der Bauer von der Schwäbischen Alb, der nach einem Interview eines Journalisten bemerkte: „So schee wollt ich’s au haben, des Geld mit der Gosch verdienen“.

Die „Knitzheit der Urbevölkerung“ habe es ihm angetan, bekennt Napf, „das ist der Grund, warum ich gerne Dorfbewohner bin“. Er zitiert den Kommentar eines Vaters über die zukünftige Auserwählte seines Sohnes: „Wenn die Braut einen Buckel hat, des macht nix. Hauptsache, die Äcker sind eben.“ Napfs Schlussfolgerung: „Die Liebesehe wurde erst durch die Flurbereinigung möglich“. Die Frage „Brauchet Sie’s glei?“, Titel des Programms und eines Buches von Napf, richtete eine Apothekenhelferin in Horb, Napfs Wohnort, an einen Kunden, der ein Rezept über Viagra vorgelegt hatte.

Zum Thema schwäbische Sparsamkeit erzählt Napf eine Geschichte von seiner Tante Mathilde aus Vaihingen/Enz: Diese Frau hatte vier Kinder großgezogen, ein Haus gebaut und immer sparsam gelebt. Als das Haus abbezahlt und die Kinder ausgezogen waren, bekundete die erstaunliche Frau: „Seit mir nemme sparen müssen, isch’s gar nemme schee“.

Ebenfalls ein leuchtendes Beispiel für Sparsamkeit sei Stuttgarts ehemaliger Oberbürgermeister Manfred Rommel, „ein Meistersparer“. Dieser habe im Stuttgarter Rathaus die Anweisung gegeben, die Ausgaben für auswärtige Besucher und 100-jährige Jubilare zu kürzen. Sein Argument: „Lieber zehn Minuten schämen als zu viel ausgeben“.

Napf spricht langsam und bedächtig, mit ausgeprägter Sprachmelodie und dem Gestus eines Märchenerzählers. Er reiht Anekdote an Anekdote, kommentiert, philosophiert, beschwört die gute alte Zeit und zitiert mit liebevollem Augenzwinkern tiefsinnige, sauglatte und derbe Äußerungen seiner Landsleute.