Spendenverteilung sorgt für weihnachtliche Freude

BKZ-Leser helfen: Mehr als 90000 Euro aus dem Erlös der Weihnachtsspendenaktion ausgeschüttet – Verleger Werner Stroh dankt allen Gebern

Die Spendenaktion 2014 erbrachte weit über 90000 Euro. Mit den 90100 Euro, die gestern 19 Empfänger erhielten, wurden die Einnahmen also fast zur Gänze ausgeschüttet. Verleger Werner Stroh lobte die Spendenbereitschaft der BKZ-Leser. Von einem nachlassenden Engagement könne bei der Aktion BKZ-Leser helfen nicht die Rede sein.

Empfänger sind sehr zufrieden (von links): Erika Heinisch, Thomas Sixt-Rummel, Günther Flößer, Ingeborg Klink, Werner und Christian Kreisel, Astrid Szelest, Simon Hayler, Sven Knödler.Foto: A. Becher


Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Erst dieser Tage meldeten die Nachrichten, dass die Spendenbereitschaft in Deutschland rückläufig sei. „Von unserer Weihnachtsspendenaktion können wir das nicht sagen“, erklärte der Verleger der Backnanger Kreiszeitung und Vorsitzende des Vereins BKZ-Leser helfen, Werner Stroh. Vielmehr wurde mit über 90000 Euro wieder ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Stroh: „Wir sind unseren Lesern und Spendern sehr dankbar und geben das Geld guten Gewissens weiter an Sie und die anderen Organisationen, die heute nicht an diesem Tisch sitzen.“

Ein Grundsatz der Spendenaktion seit ihrem Beginn vor bald 20 Jahren ist, dass das Geld für Projekte und Hilfen vor Ort ausgegeben wird. Allerdings bedeutet dies nicht, dass nicht auch Auslandsvorhaben unterstützt werden. So etwa das Engagement von Christian Kreisel in Tansania, wo er ein Krankenhaus mitaufgebaut hat. Voraussetzung für solche Hilfen ist jedoch immer, dass es einen Backnanger Ansprechpartner vor Ort gibt, damit man gewiss sein kann, dass das Geld korrekt investiert wird. Kreisel hat im vergangenen Jahr oft über sein Engagement berichtet, auch im Gemeinderat und zuletzt im Kino vor großem Publikum. Stroh: „Schön, wenn man so einen direkten Draht vor Ort hat.“

Kreisel erläuterte erneut seine Arbeit und berichtete, dass es viele Dinge gibt, die hier selbstverständlich sind, die aber in Afrika nicht vorhanden sind. Mehrere Schwerpunkte charakterisieren sein Projekt. So kümmert er sich um Aids-Witwen, denen eine Ausbildung ermöglicht wird. Auch die Fortbildung des Klinikpersonals liegt ihm am Herzen. Ferner der Austausch auf dem Gebiet von Kunst und Kultur. Denn ein Grundsatz von Kreisel lautet: „Wenn wir jemandem helfen wollen, sollten wir auch verstehen, wie so ein Mensch denkt.“

Den größten Scheck über 8100 Euro durfte der neue Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Sven Knödler entgegennehmen. Das Geld ist gedacht für einen Fahrzeugumbau, für Rollstuhlfahrten zu Arztbesuchen und für das Projekt aktivierende Hausbesuche.

Insgesamt neun Fördertöpfe verschiedener Institutionen wurden mit je 5000 Euro gefüllt. Es handelt sich dabei um die vier Diakoniestationen, die katholische Sozialstation, das Sozialamt der Stadt, das Kreisjugendamt, den Verein Kinder- und Jugendhilfe Backnang und die Diakonische Bezirksstelle des Kreisdiakonieverbandes. Ihnen allen gemein ist, dass sie oft mit Menschen konfrontiert werden, die kleine Hilfen benötigen. Mithilfe der Fördertöpfe können die Helfer die kleinen und großen Nöte schnell und unbürokratisch beheben. Stellvertretend für alle Fördertopfempfänger nahmen Astrid Szelest vom Sozialamt und Thomas Sixt-Rummel von der Sozialstation das Geld entgegen. Szelest: „Immer wieder sind Hilfen notwendig, wo keine gesetzlichen Regelungen greifen.“

Erika Heinisch bedankte sich im Namen des Forums für Teilhabe der Lebenshilfe für die Förderung. Beim Forum sind 15 Familien engagiert, die alle Kinder mit einer geistigen Behinderung haben. Jetzt wollen die behinderten Jugendlichen in Zusammenarbeit mit der Jugendmusikschule eine Band gründen. Das Geld ist unter anderem für die Bezahlung einer Lehrerin von der Bodelschwinghschule Murrhardt gedacht. Diese kümmert sich um die Belange der jungen Künstler und begleitet sie.

Mit 5000 Euro wird auch der Verein Clowns mit Herz der Sparkassenstiftung Waiblingen gefördert. Simon Hayler, Präsident des Lions Clubs Remstal, erinnerte an die Anfänge der Clowns, die früher vom Förderverein bezahlt wurden – oder auch nicht. Nachdem die Kreissparkassen-Stiftung die Zusage erteilt hatte, die Ausbildung von zehn neuen Klinikclowns à 2500 Euro zu übernehmen, war klar, dass die gut gelaunten Helfer auch im neuen Rems-Murr-Klinikum Winnenden und in etlichen Altenheimen eingesetzt werden können. Längst schon gilt als gesichert, dass nicht nur Kinder bei ihrer Genesung oder ihrem Klinikaufenthalt von den Clowns profitieren, sondern auch Alte und Demenzkranke. Die Clowns sind keine Zirkusclowns, sondern gehen von Zimmer zu Zimmer und suchen die Vier-Augen-Begegnung. Und sie versuchen, den Alltag zwischen Spritzen, Schmerzen, Sorgen und Leid ein wenig zu erhellen. Wenn die zehn Clowns im März ihre aufwendige Ausbildung abgeschlossen haben, werden sie auch in den Altenheimen zum Einsatz kommen.

Über 5000 Euro freut sich Günther Flößer vom Arbeitskreis Asyl. Das Geld wird dringend benötigt, da die Probleme rund ums Thema Flüchtlinge nicht geringer werden. Flößer berichtete von 170 Flüchtlingen in der Gemeinschaftsunterkunft an der Hohenheimer Straße. Neben wenigen Familien sind es vor allem alleinstehende Männer, denen die Abschiebung in das Land droht, in dem sie zuerst europäischen Boden betreten haben. Oft Bulgarien oder Rumänien. Die Zustände in diesen Ländern sind für solche Flüchtlinge laut Flößer sehr schlimm. „Wir versuchen zu helfen, aber es ist sehr schwierig.“

In Vertretung von Ernst Rath nahm Ingeborg Klink den Scheck über 3000 Euro für die Bulgarienhilfe entgegen. Mit dem Geld können nicht nur die Transportkosten gestemmt werden, sondern auch mehrere Kinderfreizeiten. Klink: „Diese sind sehr wichtig für die Kinder und Jugendlichen, die oft keine Heimat haben.“