Keymile schließt den Standort Backnang

Technikunternehmen macht die Niederlassung dicht – 27 Mitarbeiter sind betroffen – Gestern der letzte Arbeitstag

Die Befürchtungen haben sich bestätigt: Die Keymile GmbH schließt den Standort Backnang. Betroffen sind 27 vorwiegend langjährige Mitarbeiter. Für sie war gestern der letzte Arbeitstag. Die BKZ hatte im November von den Problemen bei dem Netzwerkhersteller berichtet.

Ein Firmenschild verschwindet: Keymile zieht aus den Räumen in der Blumenstraße aus.Foto: E. Layher


Von Peter Wark

BACKNANG. Dass die Schließung des Backnanger Standorts droht, war schon seit Herbst kolportiert worden. Der damals neu im Amt befindliche Keymile-Geschäftsführer Axel Föry hatte diese Option im November der BKZ gegenüber bestätigt. Die Nachricht vom endgültigen Aus für die Mitarbeiter kam jetzt zwar kurzfristig, aber nicht mehr überraschend. Zu Beginn dieser Woche waren sie unterrichtet worden. Geschäftsleitung und Betriebsrat waren seit Monaten im Gespräch. Es wurde ein Sozialplan vereinbart. Der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende Föry sprach gestern gegenüber unserer Redaktion von einer „sozial verträglichen Schließung“.

Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 56 Jahren. Fast alle sind Ingenieure. Grundsätzlich stehen drei Möglichkeiten im Raum: Abfindungszahlungen, Aufhebungsverträge oder Übergang in eine Transfergesellschaft. Übernahmeangebote in andere Standorte wurden den Beschäftigten nicht gemacht.

Während eine ganze Reihe der Mitarbeiter über 60 Jahre alt ist, könnte es für Jüngere schwierig werden. Einige wenige sind relativ jung, andere in einem Alter, das noch ein gutes Stück vom Ruhestand entfernt ist, zugleich aber auf dem Arbeitsmarkt trotz des angeblichen Fachkräftemangels als kaum noch vermittelbar gilt.

Die Firmenräumlichkeiten in einem Geschäftshaus in der Blumenstraße in Backnang, wo sich unter anderem ein Entwicklungslabor befand, sind angemietet. Der Mietvertrag wird zum Sommer aufgelöst. Das Backnanger Know-how soll vorwiegend an den Standort in Bern gehen. Keymile beschäftigt 400 Mitarbeiter an 15 Standorten, die wichtigsten sind Hannover und Bern. Die Keymile Networks GmbH hat Zugangs- und Datenübertragungssysteme für Kunden aus aller Welt entwickelt. Die Produkte aus Backnang gelten als ausgereift, stabil, allerdings in Teilen veraltet. Viele Kunden wollen aber nach wie vor genau diese Technik, betonten betroffene Backnanger Mitarbeiter gestern.

Schon bei den Schließungsgerüchten im Herbst hatte der Geschäftsführer deutlich gemacht, dass die einzelnen Standorte des Unternehmens untereinander in Konkurrenz stehen. Er deutete damals bereits an, dass Backnang in diesem Wettbewerb nicht die besten Karten hat. Die Keymile Networks GmbH ist aus den Bosch-Nachfolgefirmen in Backnang hervorgegangen und wurde 2010 als Aastra Networks GmbH von der kanadischen Aastra Technologies Limited übernommen und dann in Keymile integriert.

Keymile selbst war 2002 aus dem Zusammenschluss der Ascom Transmission AG (Bern) und der Datentechnik AG (Wien) entstanden, blickt aber mit den Vorgängergesellschaften auf eine Tradition bis ins Jahr 1900 zurück.

Nachdem das Unternehmen 2011 von den Finanzinvestoren Riverside und Halder für 100 Millionen Euro übernommen worden war, kam es zu finanziellen Schwierigkeiten. Die IG Metall in Hannover sprach seinerzeit von einer hausgemachten Überschuldung. Die Kredite, die die Investoren für den Kauf aufgebracht haben, seien voll auf das Unternehmen abgewälzt worden. Geschäftsführer Föry hatte damals wie auch gestern wieder betont, das Unternehmen sei nicht überschuldet. Man habe zwar Schulden („wie jedes andere Unternehmen auch“), die seien aber nicht erdrückend. Auch die bisher Beschäftigten gehen davon aus, dass das Unternehmen global und in Backnang schwarze Zahlen schreibt.