Röntgengeräte und Möbel im Gesamtpaket

Das ehemalige Kreiskrankenhaus wird von der Recycling-Firma MVG völlig leer geräumt – Zeitplan bis Mitte März ist nicht zu halten

Bis 15. März sollte das Backnanger Kreiskrankenhaus leer geräumt sein. So lautete einst die Vorgabe. Dieser Termin ist nie und nimmer zu halten. In allen Etagen stehen noch Geräte und Möbel. Unzählige Installationen warten auf ihre Demontage. Den Gesamt-Auftrag für die Verwertung hat sich die MVG Consulting von Herbert Bollmann gesichert.

Beheizbare Patientenschleuse vom OP in den Aufwachraum: Fürs neue Klinikum hätte sich der Ausbau nicht gelohnt, aber zum Wegwerfen ist die Einrichtung zu schade. Der Ausbau ist kompliziert. Aber MVG-Chef Herbert Bollmann (links) und Dechow-Gutachter Volker Büttner schreckt dies nicht ab.

Von Matthias Nothstein

BACKNANG.Die Rems-Murr-Kliniken haben das Hamburger Auktionshaus Wilhelm Dechow GmbH damit beauftragt, die Verwertung des Inventars vorzunehmen. Im Fall des Waiblinger Krankenhauses war es noch so gewesen, dass Einzelstücke online versteigert wurden. Die Erfahrung lehrte Dechow-Industriegutachter Volker Büttner jedoch, dass auf die kleinen Teile zwar viel geboten wurde, weniger aber auf die Großgeräte. So wurde nach einem Partner gesucht, der alles im Paket erwirbt. Und mit der MVG Consulting GmbH von Herbert Bollmann wurde ein Fachunternehmen gefunden. Der Recycling-Experte kennt Backnang, er hat schon das Kaelble-Areal leer geräumt. Oder den ehemaligen Sitz der Frankfurter Rundschau.

Auf den Fluren und in den Zimmern stehen überall Sachen herum, die zu wenig wert waren, um nach Winnenden überführt zu werden, aber zu kostbar, um auf dem Müll zu landen. Bollmanns Männer entbeinen das gesamte Haus. Die isolierten Wände von Kühlhäusern liegen schon auf Anhängern vor der Pforte, in der früheren Eingangshalle sind auf Paletten Wandabweiser gestapelt. Sie haben jahrzehntelang verhindert, dass die Betten an den Wänden entlangkratzten. Zu schade zum Wegwerfen. Ganze Zimmer stehen voll mit Stühlen, Beistelltischen, medizinischem Gerät. All das wird entweder sofort weitertransportiert oder in der angemieteten Kaess-Halle in Backnang zwischengelagert. 1000 Quadratmeter stehen Bollmann da zu Verfügung.

Schwieriger wird der Ausbau fest installierter Technik. Aufzüge, Fenster, Medien- und Versorgungsschienen in den Patientenzimmern, Koch- und Kühlgeräte, Heizungsbrenner, Wasseraufbereitungsanlagen – die Liste ließe sich episch fortsetzen. In den nächsten Wochen werden 50 bis 100 Arbeiter verschiedener Firmen im ehemaligen Hospital schaffen.

Bollmann ist Recycler aus Leidenschaft und mit Familiengeschichte. Der Profi aus dem Ruhrpott kriegt alles unter. Seine Kontakte gehen in die gesamte Welt. Alte Röntgengeräte werden aufbereitet und erfüllen dann noch jahrelang ihren Zweck. Bloß vielleicht nicht in Europa. Büttner: „Sie hier zu betreiben wäre eher schwierig.“ Aber auch Tierärzte haben großes Interesse daran. Betten dagegen gehen nach Rumänien oder Afrika. Vieles wurde auch verschenkt. So etwa an Asylbewerber, von Mülleimern über Besteck bis hin zu Bettlaken oder Babyschalen.

Schwierig wird es mit dem Zeitplan. Bis 15. März alles ausgeräumt zu haben, ist illusorisch. Auch wenn RMK-Pressesprecher Jan-Lennart Loeffler daran erinnert, „die Nachnutzer des Areals stehen mit ihren Planungen in den Startlöchern“, bleibt Bollmann Realist: „Ich bin nicht David Copperfield.“ Andererseits weiß er, wenn das Gebäude einmal ausgebeint ist, geht der eigentliche Abriss ratzfatz.