„Gesetzgeber haben keine Ahnung“

Jäger sind verärgert über Bürokratisierung und Fütterungsverbot – Langjährige Mitglieder der Kreisjägervereinigung geehrt

Vorstellung von Jagdhunden: Beim Kreisjägertag wurden die gängigen Rassen vom Welpen bis zum ausgebildeten Gebrauchshund gezeigt. Foto: J. Fiedler

Von Lisa Nack

ALTHÜTTE. Bürokratisierung, die Unmöglichkeit der Fütterung von Wildtieren, eingeschränkte Jagdzeit beim Fuchs – das sind nur einige Punkte, die das neue Jagd- und Wildtiermanagement seit 1. April dieses Jahres mit sich bringt. Die Betroffenen sind wütend, auch deshalb, weil sie bei der Gesetzgebung außen vor gelassen wurden. Dabei sind gerade sie es, die eine umfangreiche Prüfung ablegen müssen und sich um Flora und Fauna und den Schutz bedrohter Tierarten im Wald kümmern.

So ist es nicht verwunderlich, dass die Hauptversammlung der Kreisjägervereinigung Backnang am Samstag unter dem Zeichen des umstrittenen neuen Jagdgesetzes stattfand. Kreisjägermeister Werner Stark nannte das Gesetz eine Farce und verdeutlichte dessen negative Auswirkungen auf die Tierpopulation im Wald. Beispielsweise dürften durch das Fütterungsverbot selbst in Notzeiten die Tiere nicht gefüttert werden. Vor allem im Winter wird das problematisch, da in dieser Zeit die Rehe trächtig sind. Stark führte aus, dass die Gesetzgeber im Gegensatz zu den Jägern keine Ahnung haben, was ein wirkliches Jagdgesetz ist, und erntete damit großen Beifall.

Auch Politiker aus den verschiedensten Parteien waren eingeladen und sprachen vor den Mitgliedern der KJV. Nachdem Reinhold Sczuka, Bürgermeister der Gemeinde Althütte, das neue Jagdgesetz in seiner Rede bereits angeschnitten und kritisiert hatte, betonte auch Wilfried Klenk von der CDU wie sein Vorredner die Wichtigkeit der Jäger für den Naturschutz. „Das neue Gesetz ist ein Schlag gegen das Engagement der Jäger, denn durch die Hintertür werden Fakten geschaffen, die erhebliche Einschränkungen mit sich bringen.“ Damit sprach er sowohl an, dass die Eigenverantwortung der Jäger beschnitten wurde, als auch die Tatsache, dass diese nicht in die Gesetzgebung mit einbezogen wurden.

Kreisrat Jürgen Hestler von der SPD berichtete von Verbesserungen für die Jäger durch seine Partei, nachdem Volker Götz vor über einem Jahr mit ihm geredet und ihn überzeugt hatte. Zudem begrüße er, dass die Jäger wegen der Wildfütterung vor das Verfassungsgericht gehen wollen.

Aber auch die Gegenseite sollte Gehör finden. Aus diesem Grund wurde der Landtagsabgeordnete Willi Halder von den Grünen eingeladen, der gleich zu Beginn einräumte, dass er froh sei, bei der Hauptversammlung überhaupt sprechen zu dürfen. Er betonte, dass das neue Gesetz die Vorgaben von Bund und EU aufgreife. Weder werde die Jagd dem Naturschutz untergeordnet noch sei es umgekehrt. Halder sprach auch die Demonstration in Stuttgart an und betonte, dass diese nicht spurlos an der Politik vorbei gegangen sei. Auch Forstdirektor Martin Röhrs vom Landratsamt war eingeladen, allerdings konnte er aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein.

Selbst bei den Tätigkeitsberichten der Obleute war das neue Jagdgesetz immer wieder Thema. So kritisierte Werner Arndt, Obmann der Jagdhornbläser, die Politiker, da sie keine Kenntnisse von den Tätigkeiten der Jäger haben. Auch Presseobmann Volker Götz verurteilte die praxisfernen Regeln und betonte, dass der Jagdverband bereits ein anerkannter Naturschutzverbund ist. „Wir hoffen, dass die Politiker merken, wo bei uns der Zahn wehtut“, fasste Werner Stark das Anliegen der Jäger zusammen.

Ein weiterer zentraler Punkt auf der Hauptversammlung war der Bau der neuen Schießanlage. Wolfgang Kara, der für das Schießwesen zuständig ist, gab einen detaillierten Bericht von der Errichtung der Anlage, bei deren Bau es immer wieder zu Verzögerungen kam. Reiner Eblen, der Projektleiter des Schießstandes, war aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend. Und so übernahm Volker Götz die Präsentation der Anlage, die voraussichtlich ab Mai in Betrieb genommen wird. Trotz Verzögerungen wird die Finanzierung der Schießanlage im Rahmen bleiben. Des Weiteren wurde 2014/15 die Jagdschule zertifiziert. Sie konnte einen beachtlichen Notendurchschnitt von 1,2 erreichen.

Auch wurden für langjährige Mitgliedschaft geehrt: Werner Bergmüller (Aspach, 60 Jahre Mitgliedschaft), Fritz Lämmle (Burgstetten, 50), Werner Wolf (Murrhardt, 40), Fritz Kübler (Backnang, 40), Max Neugebauer (Kirchberg, 40) und Siegmund Beham (Leutenbach, 25). Darüber hinaus wurde Werner Arndt für 20 Jahre Mitgliedschaft bei den Jagdhornbläsern geehrt.

Julia Hönig, die für die Jugendarbeit verantwortlich ist, berichtete von der steigenden Nachfrage nach Waldprojekten bei Kindergarten- und Schulkindern. Sie bot am Sonntag, an dem die Öffentlichkeit eingeladen war, auch das „Lernort Natur Mobil“ für Kinder an. Darüber hinaus wurde am Sonntagnachmittag im Außenbereich der Gemeindehalle das Jagdhundewesen vorgestellt. Gezeigt wurden die gängigen Jagdhunderassen vom Welpen bis zum fertig ausgebildeten Jagdgebrauchshund.

Sowohl die Versammlung als auch der offene Sonntag wurden von den Jagdhornbläsern unter Leitung von Werner Arndt und Peter Wilz musikalisch umrahmt.