Von Bali nach Backnang: Neuer Wonnemar-Chef lässt hoffen

Der Centermanager will zunächst einmal bei der Personalsituation Ruhe reinbringen

Er ist jung, er hat Humor, er kommt dynamisch rüber – auf ihm ruhen die Hoffnungen, dass sich im Backnanger Wonnemar einiges zum Besseren ändert: Lars Nielsen.

Von Reinhard Fiedler

BACKNANG. Es ist Mitte Dezember 2012, mit einer großen Party wird das neue Wonnemar eingeweiht. Die Murrbäder Backnang Wonnemar – so der sperrige, von einer einfallslosen Gemeinderatsmehrheit beschlossene Name – werden zu einem Erfolg. Viele Badefreudige finden sich schon in den ersten Tagen ein, genießen die Atmosphäre – wissen aber auch über diese und jene Unzulänglichkeit zunächst zu berichten und später zu klagen.

Es sind vor allem technische Dinge, die noch nicht ganz rundlaufen. Das räumt auch OB Dr. Frank Nopper am 7. Februar 2013 im Gemeinderat ein: „Die Eröffnungsgeschichte (...) ist ganz überwiegend eine Erfolgsgeschichte.“ Man habe aber „mittlerweile fast ausnahmslos Abhilfe geschaffen“. Soweit Kinderkrankheiten bestanden, seien diese „bereits weitgehend beseitigt, es kann also sogar noch besser weitergehen“.

Doch nicht alles wird besser, Leserbriefschreiber berichten von einem äußerst spärlichen Wasserfluss in den Duschen, es wird erzählt von zu rutschigen Fliesen und es kommt vor, dass es ewig dauert, bis bei einem Anruf mal jemand ans Telefon geht. „Gleich sind wir persönlich für Sie da“, verspricht ein Anrufbeantworter unentwegt. Der sich Centermanager nennende Wonnemar-Chef Wilko van Rijn verspricht Abhilfe bei diesem und jenem Problem, doch irgendwas zu kritisieren gibt es immer mal wieder.

Am 25. März 2015 verkündet die Bädergesellschaft van Rijns Weggang von Backnang, zwei Wochen später wird im Gemeinderat die Verwaltung kritisiert, weil sie das Gremium darüber nicht informiert hatte. Der fürs Bad zuständige Kämmereichef Siegfried Janocha und Oberbürgermeister Frank Nopper versuchen den Eindruck zu vermitteln, dass diese Personalie keine besonders wichtige ist (BKZ vom 8. April).

Dass das nur eine Ausrede ist, wird vergangenen Donnerstagabend bestätigt. Wenn Backnangs Wonnemar-Management wirklich so unbedeutend ist, weshalb steht dann auf der Tagesordnung des Verwaltungs- und Finanzausschusses die Vorstellung von Lars Nielsen, dem Nachfolger von van Rijn, an erster Stelle? Die Antwort kann nur lauten: Im Rathaus hat man die Bedeutung dieses Jobs sehr wohl erkannt und nur die Info vergessen.

Nopper eröffnet die Sitzung, bittet Nielsen zu sich nach vorn. Der Mann macht sogleich Eindruck. Während andere schon mal fragen, ob sie sitzen bleiben dürfen, hört sich das bei dem offensichtlich mit Energie geladenen Norddeutschen anders an: „Darf ich stehen bleiben.“ Der Mann, 1982 in der Hansestadt Wismar geboren, schaffte erst auf einer Werft, holte sein Abi nach, studierte und bekam beim Wonnemar in Wismar eine Praktikantenstelle. Er muss gut gewesen sein, denn alsbald hatte er im Marketing-Bereich verantwortungsvolle Aufgaben zu erledigen und heuerte irgendwann als Angestellter bei Wonnemar an, wenig später war er dort der Chef. Und er war, so erklärte er Backnangs plötzlich noch neugieriger lauschenden Räten, auch „neun Monate in Bali“. Manch ein Volksvertreter vermittelte den Eindruck, als ob er jetzt ein Oha denkt. Doch Nielsen scheint einen Schalk im Nacken sitzen zu haben, er klärte auf: Bali bedeutet im Wonnemar-Jargon Bad Liebenwerda, dort gibt’s auch einen solchen Badetempel.

Schmunzeln in der Runde, dann die wichtigen Fragen. Was er in Backnang vorhat, wollte Nopper wissen. Antwort: Erst mal die Prozessabläufe im Bad anschauen – und schauen, „dass wir beim Personal wieder Ruhe reinbringen“.

Das war deutlich genug, denn unerquickliche Infos über die Personalsituation im Backnanger Wonnemar werden seit vielen Monaten zuhauf kolportiert.

Auf Einzelheiten wurde in der Sitzung nicht eingegangen, doch hinter vorgehaltener Hand bestätigt es der eine wie die andere: Das Bad-Personal sei ausgesprochen unzufrieden, es gehe nicht immer menschlich zu, ständig würden Leute gehen und Leute kommen. Zu viele hätten zu viel am Hals. Einer, der konkret wurde, war Heinz Franke, der schon öfter von „langen Wartezeiten an der Kasse“ gehört hatte. Einmal, so das Beispiel des SPD-Fraktionschefs, sei ein Mann von einem Geldtransporter gekommen, die Frau an der Kasse habe sich um ihn kümmern müssen, währenddessen Einlasswillige bis zu 15 Minuten warten mussten. Für Franke eine Zumutung. Gewusst habe davon auch Nielsens Vorgänger van Rijn, doch „passiert ist nix“ (Franke).

Lars Nielsen ließ durchblicken, dass er von solchen Problemen weiß, was er konkret zu tun gedenkt, das sagte er nicht. Auch nicht im Blick auf mögliche neue Projekte. Das sei jetzt noch zu früh. „Wenn ich mich äußern würde, würde ich später daran gemessen.“ Der Mann weiß wohl, dass er unter Beobachtung stehen wird. Nicht nur bei den Volksvertretern, sondern auch bei den Badegästen – und bei seinen Mitarbeitern.