Gegenwind: Windpark ist vom Tisch

Bürgerinitiative sieht sich mit ihren Bedenken bestätigt: „Flugsicherheit ist gefährdet“

SULZBACH AN DER MURR (pm). Die Bürgerinitiative (BI) Gegenwind sieht sich bestätigt. In einer Stellungnahme schreibt sie, dass nach Informationen aus dem Landratsamt Rems-Murr der Antrag von sechs Windkraftanlagen im Gebiet Zollstock-Springstein auf zwei Anlagen reduziert worden ist. Der entscheidende Grund dafür sei vor allem die nicht hinnehmbare Gefährdung der Flugsicherheit durch den geplanten Windpark.

Nach Paragraf 18a Luftverkehrsgesetz habe das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) wegen der Störung der Flugnavigationsanlage VOR Luburg bei Affalterbach den Bau des Windparks untersagt und dies mit Schreiben vom 6. November 2014 der Landesluftfahrtbehörde in Stuttgart mitgeteilt. Am 20. November 2014 wurde diese Entscheidung an das Landratsamt Rems-Murr-Kreis weitergeleitet, schreibt die BI. Sie geht davon aus, dass der Projektierer darüber zeitnah informiert worden ist. Öffentlich gemacht wurde das Bauverbot dagegen erst im Februar 2015 in der Gemeinderatssitzung in Backnang. Die Entscheidung des BAF ist für das Landratsamt als Genehmigungsbehörde bindend.

Bereits im November 2013 wurde von der Deutschen Flugsicherung (DFS) gegenüber dem Verband Region Stuttgart wegen der Gefährdung der Flugsicherheit die Empfehlung ausgesprochen, das Gebiet WN12 (Zollstock-Springstein) nicht als Vorranggebiet auszuweisen. Dieser Empfehlung wurde nicht entsprochen. Jetzt schreibt die BI: „Bei etwas mehr Sorgfalt hätte ein professioneller Projektierer schon früh erkennen müssen, dass dem geplanten Windpark mit den Einwendungen der Flugsicherheitsbehörden ein Hindernis entgegensteht, welches nicht auszuräumen ist.“

Die Wichtigkeit der Flugsicherheit bestätigte der baden-württembergische Umweltminister Untersteller in seiner Antwort vom 1. April 2015 auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Wilfried Klenk: „Die Sicherheit im Luftverkehr kann niemand infrage stellen.“

Trotz dieses K.o.-Kriteriums versucht der Projektierer, die Firma Wind, nun mittels Planänderung eine Genehmigung für den Bau von zwei Einzelanlagen zu bekommen. Dies sind die Anlagen am Eschelhof (Zollstock) und bei Siebenknie/Trailhof (Springstein).

Unabhängig von der Gefährdung der Flugsicherheit bestehen laut BI weitere gravierende Argumente gegen den Bau von Windkraftanlagen in diesem Gebiet. So lasse sich mit einem anerkannten Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, für dessen Natur, Kultur und Tourismus erhebliche öffentliche Mittel eingesetzt wurden, ein Windpark nicht vereinbaren. In die bisher weitgehend unberührte Natur-, Wald- und Erholungslandschaft, in der streng geschützte Tierarten zu Hause sind, und in das intakte Landschaftsbild östlich von Backnang würde mit jeder Windkraftanlage (WKA) massiv eingegriffen werden. Die regionale Bedeutung des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald als Naherholungsgebiet und seine touristische Attraktivität würden verloren gehen, schreiben die Kritiker.

Bei nur noch zwei Anlagen werde zudem der Aufwand für die notwendigen Zufahrten zu den Standorten völlig unverhältnismäßig. Er sei deswegen nicht vertretbar. „Die ohnehin fragwürdige Wirtschaftlichkeit der WKA wird gänzlich infrage gestellt.“ Außerdem würde der Bau von Einzelanlagen dem Grundgedanken des Windenergieerlasses nach Konzentrationszonen entgegenstehen und zur Verspargelung der Landschaft führen.

Nach wie vor ungeklärt sind die gesundheitlichen Auswirkungen auf Mensch und Tier. Dänemark, ein Land mit zahlreichen WKA hat Anfang dieses Jahres den Windkraft-Ausbau auf unbestimmte Zeit gestoppt, um diese Beeinträchtigungen eingehend wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Die Ergebnisse werden für 2017 erwartet.

Die Bürgerinitiative Gegenwind Zollstock-Springstein hält das Windparkprojekt aus den genannten Gründen für unverantwortlich und fordert die verantwortlichen Behörden auf, den Bauantrag für diesen Standort Zollstock-Springstein komplett abzulehnen.

Weitere Infos gibt es unter www.gegenwind-zollstock-springstein.de.