Zahl der Wohnungslosen deutlich angestiegen

Landesvorstand Bündnis 90/Die Grünen informierte sich bei der Erlacher Höhe über die Arbeit der diakonischen Einrichtung

Freuten sich über die guten Gespräche (von links): Wolfgang Sartorius, Thekla Walker, Oliver Hildenbrand, Bernd Messinger, Götz Poppitz und Betriebsleiter Reiner Schumacher. Foto: privat

GROSSERLACH (pm). Die Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Thekla Walker und Oliver Hildenbrand, waren zu einem Informationsbesuch bei der Erlacher Höhe. Gemeinsam mit der Kreisvorsitzenden Andrea Sieber und dem Backnanger Landtagskandidaten Götz Poppitz informierten sich die Grünen-Politiker über die Arbeit der diakonischen Einrichtung.

Vorstand und Geschäftsführung, Wolfgang Sartorius und Bernd Messinger, nutzten die Gelegenheit, der grünen Landesspitze die aktuellen sozialpolitischen Herausforderungen, insbesondere im Bereich Wohnungslosen- und Arbeitslosenhilfe, näherzubringen. „Die Zahl der Wohnungslosen ist seit 2013 mit weit über 11000 Personen in Baden-Württemberg noch einmal deutlich angestiegen. Die Hilfeangebote der Erlacher Höhe sind alle vollkommen ausgelastet. Die Armutsentwicklung geht mit Wohnungsnot und immer Menschen ohne Obdach einher“, zeigte sich Sartorius besorgt. „Wir sind der grün-roten Landesregierung sehr dankbar dafür, dass diesem Problem mit einer deutlichen Erhöhung der Investitionsfördermittel des Landes begegnet wurde. Die karitativen Einrichtungen konnten dadurch den dringendsten Teil ihres Investitionsstaus mit Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen abarbeiten“, sagte kaufmännischer Geschäftsführer Messinger. Es fehle allerdings immer noch eine landesweite Steuerung für eine standardisierte Weiterentwicklung der Wohnungslosenhilfe, denn nicht alle Landkreise seien so vorbildlich aufgestellt wie der Rems-Murr-Kreis, hier sei die Landespolitik gefragt, so die Forderung von Bernd Messinger, im Ehrenamt Mitglied des Rems-Murr-Kreistags und des Diakoniefachverbands Wohnungslosenhilfe. „Des Weiteren brauchen wir dringend eine neue Initiative zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für einkommensschwache Mieter“, lautete eine weitere Forderung der Erlacher Höhe, die den Landesvorsitzenden der Grünen ausgehändigt wurde. Langzeitarbeitslosenhilfe, ein weiteres Arbeitsfeld der Einrichtung, war der zweite Schwerpunkt des Meinungsaustauschs. „Während die grün-rote Landesregierung in Sachen Langzeitarbeitslosigkeit mit dem Modell Passiv-Aktiv-Transfer modellhaft zeigt, wie erfolgreiche Integration gelingen kann, scheint der Bund inzwischen die große Mehrheit der über eine Million langzeitarbeitsloser Menschen abgeschrieben zu haben“, kritisierte Sartorius. Die Fördermittel des Bundes seien trotz gleichbleibender Zahl Langzeitarbeitsloser, seit 5 Jahren weit mehr als eine Million Betroffene, um mehr als die Hälfte zurückgefahren worden. „Wir würden sehr gerne viel mehr Langzeitarbeitslose beschäftigen, doch wir erhalten von den Jobcentern immer weniger Zuschüsse für unsere Arbeit. Hier hat uns die Große Koalition in Berlin und die neue Arbeitsministerin sehr enttäuscht.“ Thekla Walker und Oliver Hildenbrand nahmen die Erfahrungen und Einschätzungen der Praktiker auf. „Wir halten ihren unermüdlichen Einsatz für wohnungslose und langzeitarbeitslose Menschen für vorbildhaft in Baden-Württemberg“, so Thekla Walker. Kreisvorsitzende Andrea Sieber zeigte sich von dem Ausbau spezieller Hilfeangebote, ganz konkret von dem bereits von ihr besuchten Haus Karla für wohnungslose Frauen in Backnang, beeindruckt.

Oliver Hildebrand sagte zu, die von der Erlacher Höhe benannten Forderungen in den Prozess der Programmerarbeitung für die nächste Landtagswahl einzubringen. Der abschließende Rundgang mit Betriebsleiter Reiner Schumacher durch das erste Bioenergiedorf der Region Stuttgart stieß bei den Besuchern auf besonderes Interesse. Götz Poppitz konstatierte: „Das Bioenergiedorf Erlach steht für eine gelungene Verbindung von erfolgreichem sozialen und ökologischen Engagement der Erlacher Höhe, wir können stolz darauf sein, ein solches Vorzeigeobjekt im Rems-Murr-Kreis zu haben.“